Strom ist in Deutschland in den letzten zehn Jahren deutlich teurer geworden – seit 2015 um etwa 30 Prozent. Der Grund dafür ist weniger im Energieträger selbst zu finden, sondern in den vielen neuen Aufgaben, die der Strom und vor allem der Stromtransport für die Energiewende erfüllen müssen. Hauptpreistreiber sind dabei die Vertriebs- und Beschaffungskosten, die insbesondere aufgrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und die daraus resultierende Energiekrise stark angestiegen waren.
Bis zum Jahr 2021 war der Großhandelspreis weniger der Preistreiber, zu dem die Anbieter den Strom für ihre Kundinnen und Kunden an der europäischen Strombörse einkauften. Für 2022 haben sich die Einkaufspreise für Strom auf dem Großhandelsmarkt stark verteuert, sodass sich die Beschaffungskosten für die Energieversorger deutlich erhöht haben und in 2023 ihren Höhepunkt erreicht hatten. Im Jahr 2024 war erstmals wieder eine Trendumkehr zu beobachten gewesen, die sich in einem Strompreisrückgang bemerkbar gemacht hat. Der Strompreis wurde darüber hinaus wesentlich von den weiter steigenden Abgaben und Umlagen im Zusammenhang mit der Energiewende diktiert: Seit 1998 ist der Anteil von Steuern, Abgaben und Umlagen um 300 Prozent gewachsen.
Mehr Strombedarf = steigender Preis?
Um erneuerbaren Strom aus dem windreichen Norden Deutschlands in die energiehungrigen Industrieregionen im Süden zu transportieren, müssen landesweit die Stromnetze um- und ausgebaut werden. Mit Strom sollen künftig auch große Teile der Energieversorgung des Verkehrssektors bewältigt werden. Der notwendige Umbau des Energiesystems kostet viel Geld. Laut Netzentwicklungsplan Strom wird von Investitionskosten in Höhe von 145 Milliarden Euro ausgegangen – und das meiste davon zahlen die Verbraucherinnen und Verbraucher über ihren Strompreis und vor allem über die darin enthaltenen Netzentgelte.
In 2025 blieben die Strompreise hoch – Systemkosten prägen den Endkundenpreis
Auch mit dem massiven Ausbau der erneuerbaren Energien und trotz bereits niedriger Erzeugungskosten ist nicht automatisch mit sinkenden Strompreisen zu rechnen. Entscheidend sind die Systemkosten: Netze müssen umfangreich ausgebaut und erneuert werden, Speicher, Steuerung und Anschlusskapazitäten ebenfalls. Diese Investitionen wirken über Netzentgelte und Abgaben unmittelbar auf den Endkundenpreis – unabhängig davon, wie günstig die reine Erzeugung ausfällt.
Zudem bleibt Strom in kritischen Stunden weiterhin knapp. Mit dem Kohleausstieg sinkt das Angebot an gesicherter Leistung; in Knappheitssituationen setzen daher weiterhin regelbare Kraftwerke den Preis – im heutigen System häufig Gas, künftig zunehmend wasserstoffbasierte Kraftwerkskapazitäten. Staatliche Entlastungen könnten die Belastung dämpfen, sind jedoch finanzpolitisch begrenzt. Insgesamt bleibt Strom damit auf absehbare Zeit vergleichsweise teuer und in seiner Preisentwicklung unsicher.