Pressemitteilung , 11. Jun 2026

Wahlfreiheit statt starrer Vorgaben: GModG wird Wärmewende im Bestand praxistauglich machen

Bild: Jost Listemann/DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT
Bild: Jost Listemann/DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT
  • GModG ersetzt starre Detailvorgaben durch mehr Wahlfreiheit beim Heizungstausch und eröffnet grünen Gasen den Weg in den Wärmemarkt.
  • Gerade im Gebäudebestand kann das Gesetz Praxistauglichkeit, CO2-Minderung und Bezahlbarkeit stärker zusammenführen.
  • Kehler: „Klimaschutz im Heizungskeller funktioniert nur, wenn Menschen bezahlbare und praktikable Optionen haben.“

Das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) kommt heute in erster Lesung in den Bundestag. Aus Sicht des Verbands Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft kann der Gesetzesentwurf einen wichtigen Beitrag leisten, um die Wärmewende im Gebäudebestand wieder stärker an Praxistauglichkeit, CO2-Minderung und Bezahlbarkeit auszurichten. Entscheidend ist nun, dass die neuen Regeln einfach umsetzbar bleiben und nicht durch zusätzliche Nachweis- und Abrechnungspflichten wieder an Komplexität gewinnen.

Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz soll das bisherige Gebäudeenergiegesetz grundlegend überarbeitet werden. Eigentümerinnen und Eigentümer sollen künftig wieder stärker selbst entscheiden können, welche Heizungsart zu ihrem Gebäude passt. Neben Wärmepumpen, Fernwärme, Biomasse und innovativen Lösungen wie Hybridheizungen bleiben damit auch Gasheizungen möglich, sofern sie ab 2029 schrittweise steigende Anteile kohlendioxidneutraler Brennstoffe nutzen.

In Deutschland sind knapp 14 Millionen Gasheizungen in Betrieb und versorgen rund 56 Prozent aller Wohnungen. Gerade deshalb braucht die Wärmewende Lösungen, die im Gebäudebestand tatsächlich umgesetzt werden können. Enge Detailvorgaben haben viele Eigentümerinnen und Eigentümer in den vergangenen Jahren verunsichert und Modernisierungsentscheidungen verzögert. Das GModG setzt hier an, indem es breitere Handlungsoptionen eröffnet und grüne Gase wie Biomethan und perspektivisch Wasserstoff stärker in den Wärmemarkt einbindet.

Dr. Timm Kehler, Vorstand des Verbands Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft, erklärt: „Das Gebäudemodernisierungsgesetz kann aus der festgefahrenen Heizungsdebatte wieder eine Modernisierungsdebatte machen. Die Wärmewende braucht ambitionierten Klimaschutz, aber sie muss auch zur Realität in Millionen Heizungskellern passen. Wer Eigentümerinnen und Eigentümern praktikable Wege eröffnet, bringt Modernisierung wieder in Gang, senkt die CO2-Emissionen und stärkt die Akzeptanz für Klimaschutz.“

Ein zentrales Element des Gesetzentwurfs ist die sogenannte Bio-Treppe. Danach sollen neu eingebaute Heizungen, die mit Gas, Heizöl oder Flüssiggas betrieben werden, ab 2029 zunächst mindestens 10 Prozent der bereitgestellten Wärme aus Biomethan, Bioöl, biogenem Flüssiggas, Wasserstoff oder daraus hergestellten Derivaten erzeugen. Flankierend soll eine Grüngas- beziehungsweise Grünheizölquote eingeführt werden.

Aus Sicht der Gas- und Wasserstoffwirtschaft ist dieser Ansatz richtig, weil er den Klimaschutz stärker über den Energieversorger organisiert und die praktische Umsetzung für Verbraucherinnen und Verbraucher erleichtert. Ähnlich wie beim Strom soll nicht jeder einzelne Haushalt die Beschaffung erneuerbarer Energie selbst organisieren müssen. Vielmehr müssen Versorger schrittweise wachsende Anteile grüner Gase in das System bringen.

„Eine gut ausgestaltete Grüngasquote verbindet Klimaschutz mit Alltagstauglichkeit“, so Kehler. „Sie sorgt dafür, dass auch im Gasnetz Schritt für Schritt mehr erneuerbare Energie eingesetzt wird. Die dafür notwendigen Mengen sind erreichbar, wenn heimische Potenziale, Investitionen und europäische Importmöglichkeiten konsequent genutzt werden. Auch die Sorge vor stark steigenden Netzentgelten greift zu kurz: Das Gasnetz bleibt für Wärme, Gewerbe und Industrie relevant. Entscheidend ist ein resilienter Mix aus Wärmepumpen, Hybridheizungen, Fernwärme, Biomethan und perspektivisch Wasserstoff..“

Hybridlösungen können im Gebäudebestand eine wichtige Rolle spielen. Die Kombination aus bestehender Gas-Brennwertheizung und Wärmepumpe ermöglicht vielen Haushalten einen pragmatischen Einstieg in die Elektrifizierung, ohne bestehende Infrastruktur vorschnell aufzugeben. Nach Berechnungen des Verbands kann der Gasverbrauch im Gebäudesektor durch Modernisierungsmaßnahmen am Gebäude, effizientere Heizungen und eine stärkere Nutzung hybrider Systeme bis 2045 deutlich sinken.

Kritisch bleibt aus Sicht des Verbands die konkrete Ausgestaltung. Bio-Treppe, Grüngasquote, Nachweispflichten, Mieterschutz und Förderlogik müssen so miteinander verzahnt werden, dass keine neue regulatorische Überkomplexität entsteht. Der Schutz von Mieterinnen und Mietern vor überhöhten Nebenkosten ist richtig. Er darf aber nicht zu einem Abrechnungs- und Nachweisregime führen, das Vermieter, Versorger und Verbraucher zusätzlich verunsichert. Gerade bei den Netzkosten ist zusätzliche Regulierung nicht überzeugend: Das Gasnetz ist eine bestehende, breit genutzte und im Betrieb vergleichsweise kostengünstige Infrastruktur. Eine zusätzliche Aufteilung von Netzkosten würde vor allem Bürokratie schaffen, statt die Wärmewende im Gebäudebestand einfacher zu machen.

„Der Gesetzentwurf ist eine Chance für einen Neustart in der Wärmewende im Bestand“, betont Kehler. „Dafür darf das Gesetz aber nicht auf der Zielgeraden wieder mit Detailvorgaben überfrachtet werden. Bio-Treppe, Grüngasquote, Mieterschutz und Netzkostenregelungen müssen einfach, nachvollziehbar und investitionsfreundlich ausgestaltet werden. Sonst entsteht genau die Verunsicherung, die das Gebäudemodernisierungsgesetz eigentlich überwinden soll.“

Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft verweist dazu erneut auf ihr Argumentationspapier zu den Eckpunkten des Gebäudemodernisierungsgesetzes. Darin legt der Verband dar, warum Wahlfreiheit, Grüngasquote, Hybridlösungen und eine realistische Einbindung der bestehenden Infrastruktur zentrale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Wärmewende im Bestand sind.

Als Stimme der Branche bündelt der Verband DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT e. V. die In­te­res­sen seiner Mit­glie­der und setzt sich da­für ein, dass die Po­ten­zi­a­le von Was­ser­stoff und seiner Derivate sowie Bio­gas und Erd­gas inklusive der dazugehörigen In­fra­struk­tur ge­nutzt wer­den. Zudem in­for­miert er über die Chan­cen, die gas­för­mi­ge Ener­gie­trä­ger und ihre Infrastruktur in einem klimaneutralen als auch resilienten Energiesystem bie­ten, und treibt den Wandel der Bran­che hin zu neu­en Ga­sen vo­ran. Der Verband wird von führenden Unternehmen der Energiewirtschaft getragen und umfasst die gesamte Wertschöpfungskette von Produktion, Transport, Verteilung bis hin zu Handel, Vertrieb und Anwendungen. Wei­te­re Bran­chen­ver­bän­de und In­dus­trieunternehmen un­ter­stüt­zen ihn als Part­ner.

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