Das Narrativ, dass die Gas-Verteilnetze nicht zukunftsfähig seien und bereits der Rückbau des Gas-Netzes geplant werden sollte, hält sich hartnäckig Das sorgt für Unverständnis und Unsicherheit in der Energiebranche, da ein solcher Schritt die realen Gegebenheiten im Wärmemarkt und in der Industrie als auch das Potenzial des Verteilnetzes für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft verkennt.
Transformation des Gas-Netzes in den Fokus stellen
Zielführender wäre der Blick auf die Transformation des Energiesystems, in dem eine sichere Versorgung ohne Energiespeicher nicht möglich ist. Diese Energiespeicher werden in Zukunft vor allem durch gasförmige Energieträger – und hier vor allem Wasserstoff und Biomethan – bereitgestellt.
Die Gas-Verteilnetze sind nicht nur zukunftsfähig, sie werden auch in Zukunft noch gebraucht. Selbst wenn eine Lösung für die Wärmeversorgung von 20 Millionen Haushalten in Deutschland mit Gas-Heizungen gefunden würde, werden die Verteilnetze weiterhin benötigt: Insgesamt erfolgen mehr als 70 Prozent des industriellen Gas-Verbrauchs im Verteilnetz. 1,8 Millionen Gewerbe- und Industriekunden werden über diese Infrastruktur versorgt. Kunden, von denen heute schon bekannt ist, dass sie auch in Zukunft gasförmige Energieträger wie Wasserstoff, Biogas oder SNG benötigen werden.
Faire Verteilung der Kosten
Diese breite Nutzung durch Industrie und Gewerbe sorgt auch langfristig für eine stabile Auslastung der Netze. Szenarien, in denen einzelne Verbraucherinnen oder Verbraucher allein die Kosten eines gesamten Netzes tragen müssten, entsprechen daher nicht der Realität. Zudem ist ein Großteil der Investitionskosten für die Netze bereits angefallen. Die laufenden Betriebskosten sind vergleichsweise gering, was den Kostendruck auf die Netzentgelte begrenzt. Gas-Netze werden wirtschaftlich betrieben: Sie bestehen dort fort, wo sie gebraucht werden, und werden angepasst, wo sich die Nachfrage dauerhaft verändert.
Gas- und Stromnetze zusammen denken
Auf der einen Seite steht eine leistungs- und wasserstofffähige Gas-Infrastruktur für die Zukunft und auf der anderen Seite eine Strom-Infrastruktur, deren Aufgaben stetig wachsen soll, deren Ausbau aber seit Jahren stockt. Ein funktionierendes System soll zurückgebaut werden, ohne dass es einen gleichwertigen Ersatz gibt. Richtig wäre vielmehr ein Zusammenwachsen der Gas- und Stromnetze zu einem integrierten Energiesystem. Dies ist die effektivste Lösung, um künftig ein klimaneutrales, sicheres und resilientes Energiesystem zu gewährleisten.