Zuverlässige Versorgungssicherheit mit Strom in Deutschland jederzeit sichern 

Deutsch­land hat eine der si­chers­ten Strom­ver­sor­gun­gen der Welt. Sie ist von zen­tra­ler Be­deu­tung für die Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Stand­or­tes Deutsch­land. Haus­hal­te, Ge­wer­be­be­trie­be und In­dus­trie müs­sen sich auf eine durch­ge­hend zu­ver­läs­si­ge Ver­sor­gung mit Strom ver­las­sen kön­nen. Ak­tu­ell sind in Deutsch­land über 90 Gi­ga­watt (GW) an ge­si­cher­ter Kraft­werks­ka­pa­zi­tät in­stal­liert, ge­nug, um die deut­sche Spit­zen­last von durch­schnitt­lich rund 80 GW (2025: 75,8 GW) zu be­die­nen. Auch zu­künf­tig, un­ter den Vo­raus­set­zun­gen der er­neu­er­ba­ren Ener­gien, des stei­gen­den Strom­ver­brauchs und des Koh­le­aus­stiegs (En­de der Koh­le­ver­stro­mung im rhei­ni­schen Re­vier be­reits 2030, 2038 soll das letz­te Koh­le-Kraft­werk vom Netz ge­hen), müs­sen die Ver­sor­gung mit Strom so­wie die Netz­sta­bi­li­tät je­der­zeit ge­si­chert sein.

Die Ver­ant­wor­tung für den si­che­ren Be­trieb des Strom­net­zes, den Aus­bau und die Sys­tem­sta­bi­li­tät liegt bei den Über­tra­gungs­netz­be­trei­bern (ÜNB), auf re­gi­o­na­ler und lo­ka­ler Ebe­ne ge­währ­leis­ten die Ver­teil­netz­be­trei­ber die Ver­sor­gungs­si­cher­heit, wäh­rend die Bun­des­netz­agen­tur (BNetzA) die Si­cher­heit über­wacht und da­für sorgt, dass je­der­zeit ge­nü­gend Strom ver­füg­bar ist. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Ener­gie (BMWE) trägt die po­li­ti­sche Ver­ant­wor­tung für die Si­cher­heit der Strom­ver­sor­gung und setzt den recht­li­chen Rah­men.

Sicherheit braucht Partner

Deutsch­lands Strom­ver­sor­gung und Strom­net­ze ge­hö­ren zu den si­chers­ten in ganz Eu­ro­pa. Über 800 Strom­netz­be­trei­ber füh­ren die mehr als 1,92 Mil­li­o­nen lan­gen Über­tra­gungs- und Ver­teil­net­ze in Deutsch­land und ver­sor­gen die knapp 50 Mil­li­o­nen Letzt­ver­brau­cher na­he­zu stö­rungs­frei mit Strom.

Das Strom­netz ar­bei­tet mit Wech­sel­strom, die­ser än­dert pe­ri­o­disch sei­ne Rich­tung in po­si­tiv und ne­ga­tiv. Die Fre­quenz gibt an, wie oft die Rich­tung in der Se­kun­de ge­än­dert wird. In Eu­ro­pa liegt sie bei 50 Hertz. Die tat­säch­li­che Fre­quenz darf ma­xi­mal 0,05 Hertz von die­ser Soll­fre­quenz ab­wei­chen. Die Netz­be­trei­ber sor­gen in den Schalt­zen­tra­len mit Sys­tem­dienst­leis­tun­gen stets für die voll­um­fäng­li­che Funk­ti­ons­tüch­tig­keit des Strom­net­zes.

Erneuerbarer Strom braucht Absicherung

Un­ser Strom­sys­tem wird sich bis 2030 stark ver­än­dern und steht vor ent­spre­chen­den He­raus­for­de­run­gen. Kon­ven­ti­o­nel­le Kraft­wer­ke, die ak­tu­ell gro­ße Tei­le der be­nö­tig­ten Fle­xi­bi­li­tät be­reit­stel­len, wer­den wei­ter ab­neh­men, wäh­rend der Aus­bau der er­neu­er­ba­ren Ener­gien für die zu­neh­mend de­zen­tra­le Strom­er­zeu­gung wei­ter steigt – die­se kön­nen je­doch die kon­ven­ti­o­nel­len Kraft­wer­ke in Be­zug auf Sys­tem­dienst­leis­tun­gen für den si­che­ren Netz­be­trieb nicht im aus­rei­chen­den Ma­ße er­set­zen. Zu re­le­van­ten Sys­tem­dienst­leis­tun­gen zäh­len zum Bei­spiel die Blind­leis­tung, die Be­reit­stel­lung von Re­gel­ener­gie, um un­vor­her­ge­se­he­ne Schwan­kun­gen im Strom­netz zur Fre­quenz­sta­bi­li­sie­rung aus­zu­glei­chen und der Wie­der­auf­bau der Ver­sor­gung. Die Be­reit­stel­lung von Sys­tem­dienst­leis­tun­gen ist ein be­deu­ten­der Bei­trag zur Netz­si­cher­heit. Mit der Zu­nah­me er­neu­er­ba­rer Ener­gien steigt auch der Fle­xi­bi­li­täts­be­darf in der Strom­ver­sor­gung, denn ih­re Ein­spei­sung hängt von den Wet­ter­be­din­gun­gen ab. Um die Ver­sor­gungs- und Sys­tem­si­cher­heit in Deutsch­land zu ge­währ­leis­ten, brau­chen wir fle­xi­ble Ver­brau­cher, lang­fris­tig re­gel­ba­re Kraft­wer­ke so­wie Ener­gie­spei­cher.

Saisonalität berücksichtigen

Der Be­darf an Elek­tri­zi­tät in der Mo­bi­li­tät und im Wär­me­markt wird zeit­gleich zur zu­neh­men­den Er­zeu­gung aus er­neu­er­ba­ren Ener­gien stei­gen. Es ist von ei­ner Zu­nah­me des Strom­be­darfs um 11 Pro­zent durch den Ein­bau von Wär­me­pum­pen und die Elek­tro­mo­bi­li­tät aus­zu­ge­hen. Ge­ra­de der Wär­me­be­darf un­ter­liegt star­ken sai­so­na­len Schwan­kun­gen: Im Ja­nu­ar und Fe­bru­ar ist die­ser rund 300 Pro­zent hö­her als im Som­mer. In die­sen Mo­na­ten ist je­doch die Strom­er­zeu­gung aus er­neu­er­ba­ren Ener­gien am nied­rigs­ten.

Strom­er­zeu­gung und Strom­ver­brauch müs­sen je­der­zeit im Gleich­ge­wicht sein, auch in Ex­trem­si­tu­a­ti­on wie ei­ner ma­xi­ma­len oder mi­ni­ma­len Re­si­du­al­last. Das Strom­netz steht be­reits deut­lich häu­fi­ger un­ter Stress. Ein wei­te­rer Be­las­tungs­an­stieg kann zu ei­nem ver­mehr­ten Las­ten­ab­wurf, der un­ge­plan­ten Ab­schal­tung von Strom­ver­brau­chern füh­ren. Ein Las­ten­ab­wurf ist die letz­te Maß­nah­me, um ei­nen kom­plet­ten Zu­sam­men­bruch ei­nes Ver­teil­net­zes zu ver­hin­dern. Die Über­las­tung des Strom­net­zes kann nur durch den Aus­bau der ge­si­cher­ten Leis­tung auf­ge­fan­gen wer­den.

Gas-Kraftwerke sind als Back-up unverzichtbar auf dem Weg zur Klimaneutralität 

Die Er­neu­er­ba­ren sind un­er­läss­lich für ei­ne kli­ma­neu­tra­le Ener­gie­zu­kunft. Und Gas-Kraft­wer­ke sind un­er­läss­lich für die si­che­re Strom­ver­sor­gung, wenn Wind und Son­ne nicht zur Ver­fü­gung ste­hen. Sie sind re­gel­bar, kön­nen schnell auf Voll­last ge­fah­ren wer­den und sind schwarz­start­fä­hig. Bis 2030 be­nö­tigt Deutsch­land ei­nen Zu­bau an was­ser­stoff­fä­hi­gen Gas-Kraft­wer­ken mit ei­ner Ka­pa­zi­tät von 20-30 GW –die Bun­des­netz­agen­tur ver­weist in ih­rem Be­richt zur Ver­sor­gungs­si­cher­heit Strom vom Sep­tem­ber 2025 da­rauf, dass bis 2035 so­gar 22 bis zu 36 GW Gas-Kraft­werks­ka­pa­zi­tä­ten be­nö­tigt wer­den, ab­hän­gig je nach Aus­wir­kun­gen von Ver­zö­ge­run­gen bei der Ener­gie­wen­de.

So wä­re auch der für die Er­rei­chung der Kli­ma­zie­le not­wen­di­ge be­schleu­nig­te Koh­le­aus­stieg oh­ne Ri­si­ken für die Ver­sor­gungs­si­cher­heit zu rea­li­sie­ren. Im ak­tu­el­len Energy-Only-Markt wird die Be­reit­stel­lung von Re­ser­ve­ka­pa­zi­tä­ten nicht ver­gü­tet. Die Ent­wick­lung ei­nes um­fas­sen­den Ka­pa­zi­täts­mark­tes ist ei­ne sinn­vol­le Lö­sung, um den Zu­bau von Gas-Kraft­werks­ka­pa­zi­tä­ten an­zu­rei­zen. 

Installierte Leistung und Stromerzeugung

Die in­stal­lier­te Leis­tung, al­so die ma­xi­ma­le Leis­tung, die ei­ne An­la­ge un­ter be­stimm­ten Vo­raus­set­zun­gen er­zeu­gen kann, steht nicht au­to­ma­tisch für ei­ne ho­he Strom­er­zeu­gung. Er­neu­er­ba­re Ener­gien sind dar­ge­bots­ab­hän­gig, ih­re in­stal­lier­te Leis­tung kann nicht je­den Tag tat­säch­lich in An­spruch ge­nom­men wer­den. Wäh­rend Wind- und So­lar­strom im Jah­res­mit­tel 2025 zu­sam­men rund 52 Pro­zent be­reit­stel­len konn­ten, gibt es wei­ter­hin Zeit­räu­me mit deut­lich ge­rin­ge­rer Ein­spei­sung. In der Ka­len­der­wo­che drei muss­ten bei­spiels­wei­se rund 72 Pro­zent der Strom­er­zeu­gung durch re­gel­ba­re Ka­pa­zi­tä­ten wie Koh­le- und Gas-Kraft­wer­ke ge­deckt wer­den. Hin­ge­gen ent­fie­len in der Ka­len­der­wo­che 38 rund 74 Pro­zent der Strom­er­zeu­gung auf nicht re­gel­ba­re Er­zeu­gung wie Wind- und So­lar­ener­gie. So lag de­ren An­teil an der ins­tal­lier­ten Er­zeu­gungs­leis­tung in 2025 bei et­wa 60 Pro­zent, wäh­rend de­ren An­teil an der rea­li­sier­ten Strom­er­zeu­gung nur bei et­wa 47 Pro­zent lag.

Und der An­teil der Er­neu­er­ba­ren am deut­schen Brut­to­end­ener­gie­ver­brauch soll wei­ter stei­gen – von 23,8 Pro­zent in 2025 auf bis zu 41 Pro­zent in 2030, um die EU-Kli­ma­zie­le zu er­fül­len. 2025 wur­de eine Ener­gie­men­ge von 541 TWh aus Er­neu­er­ba­ren be­reit­ge­stellt. Da­von ent­fie­len 54 Pro­zent auf die Strom­pro­duk­ti­on, über 39 Pro­zent auf den er­neu­er­ba­ren Wär­me­sek­tor und gut 7 Pro­zent auf bio­ge­ne Kraft­stof­fe im Ver­kehrs­be­reich. Die Er­neu­er­ba­ren stell­ten da­mit 55,1 Pro­zent am Brut­to­strom­ver­brauch 19 Pro­zent bei der Wär­me und 8 Pro­zent im Ver­kehr.

Mit der größ­ten ener­gie­po­li­ti­schen Ge­set­zes­no­vel­le, dem EEG 2023, wur­den neue, hö­he­re Aus­bau­zie­le für Wind- und So­lar­ener­gie fest­ge­legt und er­neu­er­ba­ren Ener­gien ge­setz­li­cher Vor­rang ein­ge­räumt. Min­des­tens 80 Pro­zent des Strom­ver­brauchs soll bis 2030 aus er­neu­er­ba­ren Ener­gien stam­men. 

Nach Netz­ent­wick­lungs­plan 2037 wird der Strom­ver­brauch auf bis zu 1.303 TWh im Jahr 2045 an­stei­gen. Um die­sen zu de­cken, müss­te die in­stal­lier­te Leis­tung der er­neu­er­ba­ren Ener­gien auf bis zu 703 GW aus­ge­baut wer­den. Das ent­spricht etwa ei­ner Vervierfa­chung ge­gen­über der in 2025 in­stal­lier­ten Leis­tung aus er­neu­er­ba­ren Ener­gien. Die in­stal­lier­te Leis­tung der Pho­to­vol­ta­ik müss­te auf 400 GW an­stei­gen – das setzt ein enor­mes Flä­chen­po­ten­zi­al vo­raus. 

Exkurs Stromnetz

Welt­weit hat sich das Wech­sel­strom-Netz durch­ge­setzt, denn Wech­sel­strom lässt sich ein­fach er­zeu­gen und Strom­er­zeu­ger und –ver­brau­cher las­sen sich un­kom­pli­ziert ein­bin­den. Das Strom­netz ist in ver­schie­de­ne Span­nungs­ebe­nen, auch Netz­ebe­nen ge­nannt, un­ter­teilt. Mit 380 bzw. 220 kV weist das Über­tra­gungs­netz die höchs­te Span­nungs­ebe­ne auf. Wech­sel­strom lässt sich ver­lust­arm auf ei­ne an­de­re Span­nungs­ebe­ne trans­for­mie­ren, bis er schließ­lich mit 230 V in z. B. Pri­vat­haus­hal­ten zur An­wen­dung kommt. 

Strom ist ei­ne lei­tungs­ge­bun­de­ne Ener­gie. In den Ver­tei­ler­net­zen ist zu­meist die Erd­ver­ka­be­lung üb­lich, in den Über­tra­gungs­net­zen ist man in der Re­gel auf Über­land­lei­tun­gen an­ge­wie­sen. 

Wachsender Strom-Transportbedarf bedarfhohe Investitionskosten

Der zu­meist in Nord- und Ost­deutsch­land pro­du­zier­te grü­ne Strom muss in die süd­li­chen und west­li­chen Bun­des­län­der trans­por­tiert wer­den, da hier ent­spre­chen­de Er­zeu­gungs­de­fi­zi­te vor­lie­gen. Der Trans­port gro­ßer Strom­men­gen er­folgt im Über­tra­gungs­netz. Wech­sel­strom weist bei den lan­gen Trans­port­stre­cken zu ho­he Ener­gie­ver­lus­te auf, so­dass Höchst­span­nungs-Gleich­strom-Über­tra­gungs­ver­bin­dun­gen (HGÜ) mit Span­nun­gen von mehr als 500 kV ge­baut wer­den müs­sen. Kon­ver­ter­an­la­gen müs­sen den Gleich- in Wech­sel­strom und um­ge­kehrt wan­deln. Der Bau ist auf­wen­dig und da­mit ver­gleichs­wei­se kos­ten­in­ten­siv. Im ak­tu­el­len Ent­wurf des Netz­ent­wick­lungs­plans Strom 2037 sind In­ves­ti­ti­ons­kos­ten von fast 240 Mil­li­ar­den Eu­ro für die An­bin­dung von Er­neu­er­ba­ren-Ener­gien-Er­zeu­gungs­an­la­gen so­wie für den Aus- und Um­bau der Strom­net­ze be­nannt.

Als al­ter­na­ti­ve Trans­port­mög­lich­keit kann das Gas­-Netz ver­wen­det wer­den. Ak­tu­ell ver­fügt die­ses über ei­ne deut­lich hö­he­re Leis­tungs­fä­hig­keit als das Strom­netz. Um­ge­wan­delt in Was­ser­stoff lie­ßen sich pro Stun­de bis zu 75 GW er­neu­er­ba­re Ener­gie über das Gas-Netz von Nord nach Süd trans­por­tie­ren.

Ein auf fluktuierenden Erneuerbaren basierendes Stromsystem stellt die sichere Versorgung vor Herausforderungen

Herausforderung klimaneutrales Stromsystem

Mehr als 55 Prozent des Stroms in Deutsch­land stam­mten 2025 aus er­neu­er­ba­ren Ener­gie­quel­len. Bis zum Jahr 2030 soll die Pro­duk­ti­on von re­ge­ne­ra­ti­vem Strom in­ten­siv aus­ge­baut und fos­si­le Brenn­stof­fe na­he­zu er­setzt wer­den. Die­se Zie­le wir­ken sich auf das ge­sam­te Strom­sys­tem aus. Wie muss der Markt für ein nahezu kli­ma­neu­tra­les Strom­sys­tem ge­stal­tet sein? Wel­che Mög­lich­kei­ten gibt es, um die Ver­sor­gungs­si­cher­heit auf ho­hem Ni­veau trotz fluk­tu­ie­ren­de Er­neu­er­ba­rer zu ge­währ­leis­ten?

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