Carbon Management für die Transformation der Industrie

Mit der No­vel­le des Bun­des-Kli­ma­schutz­ge­set­zes (2021) hat Deutsch­land sich ver­pflich­tet, bis 2045 kli­ma­neu­tral zu wer­den. Das be­deu­tet, dass sämt­li­che Treib­haus­gas-Emis­si­o­nen so weit wie mög­lich durch ziel­ge­rich­te­te CO2-Ver­mei­dungs­stra­te­gien re­du­ziert wer­den müs­sen. Zu­sätz­lich müs­sen schwer und unver­meid­ba­re CO2-Emis­si­o­nen durch na­tür­li­che und tech­ni­sche CO2-Sen­ken aus­ge­gli­chen wer­den.

Was ist Carbon Management?

Car­bon Ma­nage­ment be­zeich­net al­le Maß­nah­men, die er­for­der­lich sind, um ei­nen nach­hal­ti­gen Um­gang mit schwer und unver­meid­ba­ren CO2-Emis­si­o­nen zu ge­währ­leis­ten. Auch wenn die ers­te Prio­ri­tät auf der Ver­mei­dung von Treib­haus­ga­sen lie­gen muss, so ist doch Car­bon Ma­nage­ment ein wich­ti­ger Bei­trag, um das Ziel der Net­to-Treib­haus­gas­neu­tra­li­tät bis 2045 zu er­rei­chen.

Car­bon Ma­nage­ment ist ein Ober­be­griff. Da­run­ter wird in der Re­gel Fol­gen­des zu­sam­men­ge­fasst:

  • CO2-Ab­schei­dung, Trans­port und Spei­che­rung (Car­bon Capture and Storage, CCS),
  • CO2-Ab­schei­dung, Trans­port und an­schlie­ßen­de Nut­zung (Car­bon Capture and Utilization, CCU) und
  • CO2-Ent­nah­me aus der Atmo­sphä­re (Car­bon Dioxide Removal, CDR).
Ohne Carbon Management können die Klimaziele nicht erreicht werden

Bye Bye, CO2: Carbon Management Grundlagen

In un­se­rer We­bi­nar­rei­he "Bye Bye, CO2" wid­men wir uns dem The­ma Carbon Ma­nage­ment – von den Grund­la­gen über Ab­schei­de-Tech­no­lo­gien und den Auf­bau der be­nö­tig­ten In­fra­struk­tur bis hin zu si­cher­heits­re­le­van­ten As­pek­ten und den re­gu­la­to­ri­schen Rah­men­be­din­gun­gen für CCU/S in Deutsch­land und Eu­ro­pa.

In die­ser Folge wird grund­le­gen­des Wis­sen über Carbon Ma­nage­ment ver­mit­telt. Die Not­wen­dig­keit von Carbon Ma­nage­ment und CCU/S so­wie de­ren Ein­bet­tung in die deut­sche Kli­ma­po­li­tik ste­hen da­bei im Fo­kus.

Umgang mit Restemissionen

Selbst bei ei­nem voll­stän­di­gen Ver­zicht auf fos­si­le Ener­gie­trä­ger, wird es wei­ter­hin CO2-Emis­si­o­nen aus be­stimm­ten In­dus­trie­pro­zes­sen ge­ben, z. B. der Ze­ment-, Kalk-, Stahl-, Che­mie- und Glas­in­dus­trie. Auch an­de­re Treib­haus­gas-Emis­si­o­nen, wie et­wa Me­than (CH4) oder Lach­gas (N2O) wer­den un­ter an­de­rem durch die Land­wirt­schaft be­ste­hen blei­ben. Die­se wei­ter­hin be­ste­hen­den Rest­emis­si­o­nen müs­sen ent­spre­chend durch CO2-Ent­na­hme in Ver­bin­dung mit der Nut­zung na­tür­li­cher und tech­ni­scher Sen­ken aus­ge­gli­chen wer­den.

Die de­na-Leit­stu­die "Auf­bruch Kli­ma­neu­tra­li­tät" schätzt die im Jahr 2045 ver­blei­ben­den, kaum ver­meid­ba­ren Treib­haus­gas­emis­si­o­nen auf rund 70 Mil­li­o­nen Ton­nen CO2-Äqui­va­len­te. Die­se müs­sen durch na­tür­li­che und tech­ni­sche Sen­ken aus­ge­gli­chen wer­den.

Auf dem Weg zur CO2-Kreislaufwirtschaft

Für vie­le Grund­stoff­in­dus­trien in Deutsch­land ist Koh­len­stoff ein es­sen­zi­el­ler Roh­stoff. Bei der Pro­duk­ti­on syn­the­ti­scher Kraft­stof­fe oder in der che­mi­schen In­dus­trie ist CO2 des­halb ei­ne wich­ti­ge Koh­len­stoff­quel­le.

CCU kann da­zu bei­tra­gen, her­kömm­li­che Koh­len­stoff­quel­len für in­dus­tri­el­le Pro­zes­se zu er­set­zen und da­mit die Nach­fra­ge nach fos­si­len Koh­len­stoff­quel­len im Wirt­schafts­kreis­lauf zu re­du­zie­ren. CCU ist da­mit ein Kern­ele­ment ei­ner CO2-Kreis­lauf­wirt­schaft.

Notwendigkeit von Carbon Management

Die Not­wen­dig­keit der tech­ni­schen Ent­nah­me von CO2 wird in al­len wich­ti­gen Stu­dien zum Er­rei­chen der Net­to-Treib­haus­gas­neu­tra­li­tät in Deutsch­land her­vor­ge­ho­ben, z. B. in der de­na-Leit­stu­die "Auf­bruch Kli­ma­neu­tra­li­tät", der BDI-Stu­die "Kli­ma­pfa­de 2.0 – Ein Wirt­schafts­pro­gramm für Kli­ma und Zu­kunft" und der Stu­die "Kli­ma­neu­tra­les Deutsch­land 2045" der Ago­ra Ener­gie­wen­de.

Die tech­ni­sche Ent­nah­me von CO2 um­schreibt da­bei al­le tech­ni­schen Ver­fah­ren, mit de­nen CO2 an Punkt­quel­len oder aus der At­mo­sphä­re ab­ge­schie­den wird. Als Punkt­quel­len gel­ten et­wa gro­ße In­dus­trie­an­la­gen wie Ze­ment­wer­ke oder ther­mi­sche Ab­fall­be­hand­lungs­an­la­gen.

Auch der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) weist in sei­nem 6. IPCC-Sach­stands­be­richt, der im Früh­jahr 2022 ver­öf­fent­licht wur­de, auf die Not­wen­dig­keit der tech­ni­schen CO2-Ent­nah­me zur Er­rei­chung der Kli­ma­zie­le hin. Dem Be­richt zu­fol­ge er­for­dern al­le glo­ba­len Mo­dell­pfa­de, die die Er­wär­mung auf 1,5 °C (bzw. deut­lich un­ter 2 °C) be­gren­zen sol­len, deut­li­che und schnel­le Sen­kun­gen der Treib­haus­gas-Emis­si­o­nen. Dies be­in­hal­tet ne­ben der CO2-Ent­nah­me aus der At­mo­sphä­re auch das Ab­schei­den von Kohlenstoffdioxid an Punkt­quel­len.

Al­le mo­del­lier­ten Stra­te­gien des IPCC-Be­richts, die zur schnel­len und dras­ti­schen Sen­kung von Treib­haus­gas-Emis­si­o­nen füh­ren sol­len, set­zen da­bei auf die na­tür­li­che und tech­ni­sche CO2-Ent­nah­me, um die ver­blei­ben­den Treib­haus­gas-Emis­si­o­nen aus­zu­glei­chen.

Der Be­richt ana­ly­siert zu­dem, dass die CO2-Auf­nah­me­ra­ten durch Land­sys­te­me und Oze­ane in der zwei­ten Hälf­te des 21. Jahr­hun­derts ab­neh­men wer­den. Die­se Er­kennt­nis ver­deut­licht, dass die tech­ni­sche CO2-Ent­nah­me – er­gän­zend zur CO2-Ver­mei­dung – zu­neh­mend im­mer wich­ti­ger wer­den wird, um Net­to-Treib­haus­ gas­neu­tra­li­tät zu er­rei­chen und so­mit die Erd­er­wär­mung auf das ge­setz­te Ziel von 1,5 °C (bzw. deut­lich un­ter 2 °C) zu be­gren­zen.

Rechtliche Rahmenbedingungen schaffen

Um die kom­ple­xen He­raus­for­de­run­gen bei der Ab­schei­dung und Ent­nah­me, dem Trans­port, der Nut­zung und Spei­che­rung von CO2 zü­gig und lang­fris­tig be­wäl­ti­gen zu kön­nen, ist Car­bon Ma­nage­ment er­for­der­lich. Die lang­fris­ti­gen Zie­le ei­ner CO2-Kreis­lauf­wirt­schaft, die dau­er­haf­te Spei­che­rung von CO2 und Ne­ga­tiv­emis­si­o­nen kön­nen nur durch ei­ne na­ti­o­na­le, aber eu­ro­pä­isch ein­ge­bet­te­te Car­bon Ma­nage­ment Stra­te­gie wirt­schaft­lich und den Kli­ma­zie­len dien­lich er­reicht wer­den.

Im De­zem­ber 2022 be­schloss das Bun­des­ka­bi­nett ei­nen Eva­lu­ie­rungs­be­richt zum Koh­len­dio­xid-Spei­che­rungs­ge­setz vor­ge­legt. Auf­bau­end auf die­sem Be­richt ver­ab­schie­de­te die da­ma­li­ge Bun­des­re­gie­rung im Mai 2024 Eck­punk­te für eine na­ti­o­na­le Car­bon-Ma­nage­ment-Stra­te­gie. Die Bun­des­re­gie­rung will nun einen Ak­ti­ons­plan Car­bon Ma­nage­ment er­ar­bei­ten und be­schlie­ßen. Mit dem seit dem 28. No­vem­ber 2025 gel­ten­den Koh­len­dio­xid-Spei­che­rungs- und -Trans­port­ge­setz (KSpTG) wur­de zu­dem der Rechts­rah­men für den CO2-Trans­port und die dau­er­haf­te CO2-Spei­che­rung er­wei­tert.

Auch die EU hat mit der Ver­ord­nung über ei­nen uni­ons­wei­ten Zer­ti­fi­zie­rungs­rah­men für CO2-Ent­nah­men, Carbon Farming und die CO2-Spei­che­rung in Pro­duk­ten (CRCF), dem Net-Zero Industry Act (NZIA) und der In­dus­trial Car­bon Ma­nage­ment Stra­tegy zen­tra­le Bau­stei­ne für ei­ne ge­mein­sa­me eu­ro­pä­i­sche Ko­or­di­nie­rung von Ent­nah­me, Nut­zung und Spei­che­rung von CO2 in Ver­bin­dung mit ei­nem eu­ro­pä­i­sch aus­ge­stal­te­ten Car­bon Ma­nage­ment vor­ge­legt.

Carbon Management in Deutschland: Rechtsrahmen und nächste Schritte

Die im Fe­bru­ar 2024 ver­öf­fent­lich­ten Eck­punk­te für eine Carbon-Ma­nage­ment-Stra­te­gie wur­den nicht zu ei­ner ab­schlie­ßen­den Stra­te­gie der Bun­des­re­gie­rung wei­ter­ent­wi­ckelt. Statt­des­sen sieht das Kli­ma­schutz­pro­gramm 2026 die Er­ar­bei­tung ei­nes Ak­ti­ons­plans Carbon Ma­nage­ment vor.

Der Ak­ti­ons­plan soll ins­be­son­de­re den wirt­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Rah­men für die Ab­schei­dung, den Trans­port, die Nut­zung und die dau­er­haf­te Spei­che­rung von Koh­len­dio­xid (CCU/CCS) kon­kre­ti­sie­ren. Da­bei soll der Ver­mei­dung und Min­de­rung von CO2-Emis­si­o­nen wei­ter­hin Vor­rang ein­ge­räumt wer­den. Die Ver­öf­fent­li­chung des Ak­ti­ons­plans ist nach der­zei­ti­ger Pla­nung für das vier­te Quar­tal 2026 vor­ge­se­hen.

Ak­tu­el­ler Rechts­rah­men und zen­tra­le Hand­lungs­fel­der

  • CO2-Spei­che­rung: Mit dem seit No­vem­ber 2025 gel­ten­den Koh­len­dio­xid-Spei­che­rungs- und -Trans­port­ge­setz (KSpTG) wur­de die kom­mer­zi­el­le Spei­che­rung von CO2 in Deutsch­land grund­sätz­lich er­mög­licht. Off­shore-Spei­cher kön­nen ins­be­son­de­re in der deut­schen Aus­schließ­li­chen Wirt­schafts­zo­ne und im Fest­land­so­ckel zu­ge­las­sen wer­den. Die In­jek­tion im Küs­ten­meer ist aus­ge­schlos­sen. Für Mee­res­schutz­ge­bie­te gel­ten be­son­de­re Aus­schluss- und Ab­stands­re­ge­lun­gen. Eine Spei­che­rung an Land ist nur mög­lich, wenn das je­wei­li­ge Bun­des­land sie aus­drück­lich zu­lässt.
  • CO2-Trans­port­in­fra­struk­tur: Das KSpTG schafft ei­nen ein­heit­li­chen Ge­neh­mi­gungs­rah­men für Koh­len­dio­xid­lei­tun­gen und stuft de­ren Er­rich­tung und Be­trieb grund­sätz­lich als Vor­ha­ben von über­ra­gen­dem öf­fent­li­chem In­te­res­se ein. Wie der Auf­bau und die Fi­nan­zie­rung ei­ner über­re­gi­o­na­len CO2-In­fra­struk­tur wirt­schaft­lich aus­ge­stal­tet und ko­or­di­niert wer­den sol­len, ge­hört zu den zen­tra­len Auf­ga­ben des an­ge­kün­dig­ten Ak­ti­ons­plans.
  • An­wen­dungs­fel­der und För­de­rung: Im Mit­tel­punkt ste­hen wei­ter­hin schwer oder nicht ver­meid­ba­re Emis­si­o­nen, bei­spiels­wei­se aus der Ze­ment-, Kalk-, Che­mie- und Ab­fall­wirt­schaft. Der gel­ten­de Rechts­rah­men er­mög­licht CCS da­rü­ber hi­naus auch als Op­tion für Kraft­wer­ke. Über die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung und Ab­gren­zung staat­li­cher För­der­maß­nah­men wird im Rah­men der je­wei­li­gen För­der­pro­gram­me ent­schie­den. Das Kli­ma­schutz­pro­gramm 2026 nennt un­ter an­de­rem Kli­ma­schutz­ver­trä­ge und die Bun­des­för­de­rung In­dus­trie und Kli­ma­schutz als mög­li­che Ins­tru­men­te für den Markt­hoch­lauf.
  • Eu­ro­pä­i­sche Zu­sam­men­ar­beit: Der Auf­bau grenz­über­schrei­ten­der Trans­port- und Spei­cher­ket­ten bleibt ein wich­ti­ger Be­stand­teil des Carbon Ma­nage­ments. Ne­ben Spei­cher­mög­lich­kei­ten in Deutsch­land sol­len auch Spei­cher im eu­ro­pä­i­schen Aus­land ge­nutzt wer­den kön­nen. Eine be­son­de­re Be­deu­tung ha­ben da­bei die Zu­sam­men­ar­beit mit Nord­see­an­rai­nern wie Dä­ne­mark, Nor­we­gen und den Nie­der­lan­den so­wie der Auf­bau einer ge­mein­sa­men CO2-In­fra­struk­tur.
  • Ne­ga­tiv­emis­si­o­nen: Pa­ral­lel zum Ak­ti­ons­plan Carbon Ma­nage­ment ent­wi­ckelt die Bun­des­re­gie­rung die Lang­frist­stra­te­gie Ne­ga­tiv­emis­si­o­nen wei­ter. Sie soll den Rah­men für die Ent­nah­me von CO2 aus der At­mo­sphä­re und für tech­ni­sche oder neu­ar­ti­ge Koh­len­stoff­sen­ken schaf­fen. Da­zu zäh­len un­ter an­de­rem Direct Air Carbon Capture and Storage (DACCS) und Bioenergy with Carbon Capture and Storage (BECCS). Die Eck­punk­te von 2024 die­nen da­bei als Aus­gangs­punkt, wer­den von der ak­tu­el­len Bun­des­re­gie­rung je­doch über­prüft und wei­ter­ent­wi­ckelt.

Wis­sen­schaft­li­cher und po­li­ti­scher Kon­text

Der Welt­kli­ma­rat IPCC be­wer­tet CCS und die Ent­nah­me von CO2 aus der At­mo­sphä­re als mög­li­che Be­stand­tei­le ei­nes um­fas­sen­den Port­fo­li­os zur Er­rei­chung der Kli­ma­zie­le. Eine be­son­de­re Rol­le kön­nen die­se Ver­fah­ren bei schwer ver­meid­ba­ren Pro­zess­emis­si­o­nen und beim Aus­gleich ver­blei­ben­der Rest­emis­si­o­nen spie­len. Sie er­set­zen je­doch nicht die vor­ran­gi­ge Ver­mei­dung und un­mit­tel­ba­re Min­de­rung von Treib­haus­gas­emis­si­o­nen.

Mit dem KSpTG ist der grund­le­gen­de Rechts­rah­men für den Trans­port und die Spei­che­rung von CO2 in­zwi­schen ge­schaf­fen. Der an­ge­kün­dig­te Ak­ti­ons­plan Carbon Ma­nage­ment soll nun vor al­lem die wirt­schaft­li­chen, in­fra­struk­tu­rel­len und prak­ti­schen Vo­raus­set­zun­gen für den Hoch­lauf von CCU und CCS kon­kre­ti­sie­ren.

Unsere Position zur Carbon Management Strategie

Die Eck­punk­te der Bun­des­re­gie­rung le­gen ei­nen star­ken Fo­kus auf Carbon Capture and Storage (CCS). Wir for­dern, auch die Rol­le der Carbon Capture and Utilization (CCU) stär­ker in die Stra­te­gie zu in­te­grie­ren. Die zu­künf­ti­ge Trans­port­in­fra­struk­tur für CO2 ist nicht aus­rei­chend adres­siert. Die Not­wen­dig­keit ei­nes gut di­men­si­o­nier­ten CO2-Lei­tungs­net­zes, das nicht nur Pipe­lines, son­dern auch Schiff und Schie­ne ein­be­zieht, ist es­sen­ti­ell.

Po­si­tiv an­zu­mer­ken ist, dass nun Off­shore-Spei­cher­ka­pa­zi­tä­ten in der deut­schen Aus­schließ­li­chen Wirt­schafts­zo­ne (AWZ) er­schlos­sen wer­den sol­len, was Deutsch­land als größ­ten CO2-Emit­ten­ten Eu­ro­pas ge­recht wird.

Die ge­plan­te Ra­ti­fi­zie­rung der 2009 vor­ge­nom­me­nen Än­de­rung des Lon­do­ner Pro­to­kolls wird be­grüßt, da dies den Off­shore-CO2-Trans­port ins Aus­land er­mög­licht.

För­der­pro­gram­me wie Carbon Contracts-for-Difference sind es­sen­ti­ell für den Hoch­lauf der CCS/­CCU-Pro­jek­te. Die aus­for­mu­lier­te Carbon Ma­nage­ment-Stra­te­gie muss aber für mehr Klar­heit über För­de­run­gen auf das Zu­sam­men­spiel von eu­ro­pä­i­scher und na­ti­o­na­ler Ebe­ne sor­gen.

KSpTG: Rechts­rah­men für den Auf­bau ei­ner CO2-In­fra­struk­tur

Mit dem seit No­vem­ber 2025 gel­ten­den Koh­len­dio­xid-Spei­che­rungs- und -Trans­port­ge­setz (KSpTG) hat Deutsch­land die recht­li­chen Grund­la­gen für den in­dus­tri­el­len Ein­satz von CCS und CCU ge­schaf­fen. Das Ge­setz er­mög­licht die kom­mer­zi­el­le CO2-Spei­che­rung, er­leich­tert den Auf­bau von Trans­port­net­zen und be­schleu­nigt die er­for­der­li­chen Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren. Da­mit kann Car­bon Ma­nage­ment von ein­zel­nen Pi­lot­pro­jek­ten in die groß­maß­stäb­li­che An­wen­dung über­führt wer­den.

Die Re­ge­lun­gen stär­ken die Pla­nungs- und In­ves­ti­ti­ons­si­cher­heit für Un­ter­neh­men und er­mög­li­chen Deutsch­land, eine zen­tra­le Rol­le im eu­ro­pä­i­schen CO2-Trans­port­netz ein­zu­neh­men. Off­shore-Spei­cher kön­nen un­ter Um­welt- und Si­cher­heits­auf­la­gen ent­wi­ckelt wer­den; die Bun­des­län­der kön­nen zu­dem die Spei­che­rung an Land zu­las­sen. Der ge­setz­li­che Rah­men al­lein ga­ran­tiert je­doch noch kei­nen er­folg­rei­chen Markt­hoch­lauf. Wei­ter­hin er­for­der­lich sind trag­fä­hi­ge Ge­schäfts- und Fi­nan­zie­rungs­mo­del­le, ei­ne be­darfs­ge­recht di­men­si­o­nier­te In­fra­struk­tur so­wie ei­ne en­ge eu­ro­pä­i­sche Zu­sam­men­ar­beit. Die­se Fra­gen soll der an­ge­kün­dig­te Ak­ti­ons­plan Car­bon Ma­nage­ment kon­kre­ti­sie­ren.

Die Deutsche Carbon Management Initiative (DCMI)

Deutsche Carbon Management Initiative

Die Deutsche Carbon Management Initiative (DCMI) ist die zen­tra­le Platt­form für Un­ter­neh­men der CO2-Wert­schöp­fungs­ket­te in Deutsch­land – von der Ab­schei­dung über den Trans­port bis zur Nut­zung und Spei­che­rung. Die DCMI setzt sich für ein wirt­schaft­lich trag­fä­hi­ges und ge­sell­schaft­lich ak­zep­tier­tes Carbon Ma­nage­ment ein. Sie ge­stal­tet po­li­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen mit, treibt den Auf­bau der CO2-In­fra­struk­tur vo­ran und kom­mu­ni­ziert trans­pa­rent ge­gen­über Öf­fent­lich­keit, Po­li­tik und In­dus­trie über die Chan­cen und Not­wen­dig­keit von CCU/S.

Expertenthema

Bei der Ent­nah­me bzw. Ab­schei­dung, Nut­zung und Spei­che­rung von CO2 wer­den grund­sätz­lich drei Ka­te­go­rien un­ter­schie­den:

Der Be­griff CDR (Carbon Dioxide Removal) be­zeich­net Tech­no­lo­gien und na­tür­li­che Ver­fah­ren, die der At­mo­sphä­re (Um­ge­bungs­luft oder Bio­mas­se) CO2 ent­zie­hen und es für kli­ma­re­le­van­te Zeit­räu­me in geo­lo­gi­schen Spei­cher­stät­ten, ter­res­tri­schen oder oze­a­ni­schen Koh­len­stoff­spei­chern oder lang­le­bi­gen Pro­duk­ten bin­den.

CDR-Me­tho­den un­ter­schei­den sich in Be­zug auf den Ab­schei­dungs­pro­zess, den Zeit­rah­men für die Koh­len­stoff­spei­che­rung, die tech­no­lo­gi­sche Rei­fe, das CO2-Min­de­rungs­po­ten­zi­al, die Kos­ten, die in­di­rekt ver­ur­sach­ten Kli­ma­wir­kung, die Ener­gie- und Treib­haus­gas­bi­lan­zen und die Governance-An­for­de­run­gen.

CCS (Carbon Capture and Storage) be­schreibt die Ab­schei­dung von CO2 in Ver­bin­dung mit der an­schlie­ßen­den dau­er­haf­ten Spei­che­rung in ge­eig­ne­ten geo­lo­gi­schen For­ma­ti­o­nen. Da­bei han­delt es sich um ei­nen Pro­zess, bei dem CO2 aus der At­mo­sphä­re, aus bio­ge­nen oder in­dus­tri­el­len Punkt­quel­len ab­ge­schie­den, auf­be­rei­tet, ver­dich­tet und zu ei­ner Spei­cher­stät­te trans­por­tiert und im geo­lo­gi­schen Un­ter­grund dau­er­haft von der At­mo­sphä­re iso­liert und ge­spei­chert wird.

Von CCU (Carbon Capture and Utilization) spricht man, wenn das CO2, das der At­mo­sphä­re, an ei­ner bio­ge­nen, in­dus­tri­el­len oder ener­gie­be­zo­ge­nen Punkt­quel­le oder Punkt­quel­len ab­ge­schie­den, auf­be­rei­tet, kom­pri­miert, trans­por­tiert und dann zur Her­stel­lung ei­nes neu­en Pro­dukts ge­nutzt wird.

Die CO2-Bi­lanz von CCU wird be­stimmt durch die CO2-Quel­le, dem po­ten­zi­el­len An­wen­dungs­maß­stab, der Le­bens­dau­er des Pro­duk­tes, den CO2-Emis­si­o­nen der Pro­zess­ket­te und dem er­setz­ten Pro­dukt.

Was ist die CO2-Bi­lanz?

Als CO2-Bi­lanz wird der Ge­samt­be­trag an Koh­len­stoff­di­o­xid-Emis­si­o­nen be­zeich­net, der ent­we­der di­rekt und in­di­rekt ent­lang der ge­sam­ten Pro­zess­ket­te ei­ner Ak­ti­vi­tät oder ei­nes Pro­duk­tes ent­steht. Ei­ne CO2-Bi­lanz um­fasst in man­chen Fäl­len auch die Ge­samt­heit an­de­rer Treib­haus­gas-Emis­si­o­nen und wird in Ton­ne CO2-Äqui­va­lent an­ge­ge­ben.

Negativemissionen durch Carbon Management

Die tech­ni­schen Ent­nah­me­ver­fah­ren, mit de­nen zu­sätz­lich Ne­ga­tiv­emis­si­o­nen er­zielt wer­den kön­nen, sind Bioenergy with Carbon Dioxide Capture and Storage (BECCS) und Direct Air Carbon Dioxide Capture and Storage (DACCS). Da­bei kommt BECCS bei An­la­gen zum Ein­satz, die bio­ge­ne Aus­gangs­stof­fe ver­wen­den. Bei DACCS han­delt es sich um Ver­fah­ren, die CO2 di­rekt aus der At­mo­sphä­re ab­schei­den. In bei­den Ver­fah­ren wird das CO2 auf­be­rei­tet, trans­por­tiert und di­rekt in ei­ner geo­lo­gi­schen Spei­cher­stät­te ein­ge­spei­chert. Wenn da­bei über die ge­sam­te Pro­zess­ket­te hin­weg net­to mehr CO2 der At­mo­sphä­re ent­zo­gen wird und das CO2 dau­er­haft ge­spei­chert bleibt, ent­ste­hen Ne­ga­tiv­emis­si­o­nen.

Für effektiven Klimaschutz genügt es nicht, nur CO2 einzusparen

Bye Bye, CO2: Negativemissionen

In un­se­rer We­bi­nar­rei­he "Bye Bye, CO2" wid­men wir uns dem The­ma Carbon Ma­nage­ment – von den Grund­la­gen über Ab­schei­de-Tech­no­lo­gien und den Auf­bau der be­nö­tig­ten In­fra­struk­tur bis hin zu si­cher­heits­re­le­van­ten As­pek­ten und den re­gu­la­to­ri­schen Rah­men­be­din­gun­gen für CCU und CCS in Deutsch­land und Eu­ro­pa.

In die­ser Fol­ge geht es um die Rol­le von Ne­ga­tiv­emis­si­o­nen im Kli­ma­schutz. Ver­fah­ren zur CO2-Ent­nah­me und dau­er­haf­ten Spei­che­rung kön­nen da­zu bei­tra­gen, schwer ver­meid­ba­re Rest­emis­si­o­nen aus­zu­glei­chen. Sie er­gän­zen die vor­ran­gi­ge Ver­mei­dung und Min­de­rung von Treib­haus­gas­emis­si­o­nen, er­set­zen sie je­doch nicht. Im We­bi­nar dis­ku­tie­ren wir die Chan­cen und He­raus­for­de­run­gen von Ne­ga­tiv­emis­si­o­nen und schau­en auf kon­kre­te Pro­jek­te.

Abscheidung von CO2

Abscheidung von CO2

Ver­schie­de­ne Ver­fah­ren zur CO2-Ab­schei­dung er­mög­li­chen die Trans­for­ma­ti­on hin zur de­fos­si­li­sier­ten In­dus­trie.

Geologische Speicherung von CO2

Speicherung von CO2

Die geo­lo­gi­sche Spei­che­rung von Koh­len­di­o­xid kann ein wich­ti­ger Bau­stein für die Trans­for­ma­tion der In­dus­trie sein.

Handlungsrahmen für Carbon Management

Der Hand­lungs­rah­men für CCU/S ist in Eu­ro­pa über un­ter­schied­li­che Rechts­ak­te auf na­ti­o­na­ler und eu­ro­pä­i­scher Ebe­ne ge­re­gelt. So gibt es so­wohl in den ein­zel­nen Mit­glieds­staa­ten der EU und des EWR als auch auf EU-Ebe­ne un­ter­schied­li­che Re­ge­lun­gen für den Um­gang mit CCU/S.

In Eu­ro­pa ist vor al­lem die "Richt­li­nie über die geo­lo­gi­sche Spei­che­rung von CO2" (EU-CCS-Richt­li­nie) von 2009 maß­geb­lich für die Re­ge­lung von CCS in der EU. In die­ser Richt­li­nie sind un­ter an­de­rem Re­ge­lun­gen zum Be­trieb, Über­wa­chung und Nach­sor­ge­ver­pflich­tun­gen von Spei­cher­stät­ten zu fin­den. Im Zu­ge der Imp­le­men­tie­rung der CCS-Richt­li­nie wur­den auch an­de­re Richt­li­nien ge­än­dert, um CCS-As­pek­te um­fäng­lich zu re­geln. So wur­de z. B. die Richt­li­nie zur Um­welt­haf­tung (2004/35/EG) ge­än­dert, um die Haf­tung für ört­li­che Um­welt­schä­den durch CCS zu re­geln oder et­wa die Was­ser­rah­men­richt­li­nie (2000/60/ EG), um die In­jek­ti­on von CO2 in sa­li­ne Aqui­fe­re zu Zwe­cken der geo­lo­gi­schen Spei­che­rung zu­zu­las­sen.

Zum wei­te­ren be­ste­hen­den Rechts­rah­men für CCU/S auf EU-Ebe­ne sind au­ßer­dem die Trans-European Net­works for Energy (TEN-E)-Ver­ord­nung, das EU Emissions Trading System (ETS), die Re­new­able Energy Directive (RED), die EU Taxonomy for Sustainable Finance oder die CEEAG State Aid Guidelines der EU zu nen­nen.

In Deutsch­land ist die Um­set­zung der EU-CCS-Richt­li­nie durch das "Ge­setz zur De­mons­tra­tion der dau­er­haf­ten Spei­che­rung und zum Trans­port von Koh­len­dio­xid" (Koh­len­dio­xid-Spei­che­rungs- und -Trans­port-Ge­setz – KSpTG) er­folgt. Das Ge­setz gilt nicht mehr nur für die Er­pro­bung und De­mons­tra­tion der dau­er­haf­ten Spei­che­rung von Koh­len­dio­xid. Es er­mög­licht nun auch die kom­mer­zi­el­le Spei­che­rung im in­dus­tri­el­len Maß­stab – grund­sätz­lich im Be­reich der aus­schließ­li­chen Wirt­schafts­zo­ne und des Fest­land­so­ckels – und schafft ein ein­heit­li­ches Zu­las­sungs­re­gime für den lei­tungs­ge­bun­de­nen CO2-Trans­port, auch zum Zweck von CCU. Die Län­der kön­nen zu­dem die dau­er­haf­te Spei­che­rung an Land zu­las­sen.

Auf EU-Ebe­ne wur­den in jüngs­ter Zeit ver­schie­de­ne Rechts­set­zun­gen ver­ab­schie­det und wei­ter kon­kre­ti­siert. Da­zu ge­hö­ren u. a. die Plä­ne für nach­hal­ti­ge Koh­len­stoff­kreis­läu­fe. In die­sem Zu­sam­men­hang soll ein EU-Rechts­rah­men für die Zer­ti­fi­zie­rung des CO2-Ab­baus ge­schaf­fen wer­den. Da­zu ge­hört un­ter an­de­rem die Ver­ord­nung (EU) 2024/3012, die ei­nen frei­wil­li­gen EU-wei­ten Zer­ti­fi­zie­rungs­rah­men für dau­er­haf­te CO2-Ent­nah­men, koh­len­stoff­be­wirt­schaf­ten­de Tä­tig­kei­ten und die Koh­len­stoff­spei­che­rung in Pro­duk­ten schafft. Mit dem im Jahr 2024 ver­ab­schie­de­ten Net-Zero Industry Act (NZIA) wur­de auf eu­ro­pä­i­scher Ebe­ne ein ver­ein­fach­ter Rah­men für In­ves­ti­ti­o­nen in Net­to-Null-Tech­no­lo­gien ge­schaf­fen und CO2-Ab­schei­dungs- und -Spei­cher­tech­no­lo­gien wur­den als Net­to-Null-Tech­no­lo­gien ein­ge­stuft. Der NZIA soll bes­se­re Rah­men­be­din­gun­gen für ent­spre­chen­de Tech­no­lo­gien und Pro­jek­te schaf­fen und ih­re Um­set­zung un­ter an­de­rem durch be­schleu­nig­te Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren er­leich­tern. Zu­dem legt der NZIA das Ziel fest, bis 2030 ei­ne jähr­li­che ope­ra­ti­ve CO2-In­jek­ti­ons­ka­pa­zi­tät von min­des­tens 50 Mil­li­o­nen Ton­nen in der EU zu er­rei­chen.

Auf­bau­end auf dem Eva­lu­ie­rungs­be­richt zum da­ma­li­gen Koh­len­dio­xid-Spei­che­rungs­ge­setz be­schloss die Bun­des­re­gie­rung im Mai 2024 Eck­punk­te für eine Car­bon-Ma­nage­ment-Stra­te­gie, die An­wen­dungs­fel­der und Rah­men­be­din­gun­gen für CCU/CCS fest­le­gen. We­sent­li­che Ele­men­te wur­den in­zwi­schen durch das seit No­vem­ber 2025 gel­ten­de Koh­len­dio­xid-Spei­che­rung- und -Trans­port-Gesetz (KSpTG) um­ge­setzt. Pa­ral­lel da­zu wur­den die Na­ti­o­na­le Was­ser­stoff­stra­te­gie 2023 fort­ge­schrie­ben und die Na­ti­o­na­le Kreis­lauf­wirt­schafts­stra­te­gie 2024 be­schlos­sen. Die Na­ti­o­na­le Bio­mas­se­stra­te­gie be­fin­det sich da­ge­gen wei­ter­hin in Vor­be­rei­tung. Al­le drei Stra­te­gien wei­sen ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Nut­zung von CO2 als Roh­stoff, ge­schlos­se­ner Koh­len­stoff­kreis­läu­fe und bio­ge­ner CO2-Quel­len Schnitt­stel­len zum Car­bon Ma­nage­ment auf.

Abbildung des Covers der Broschüre "Car­bon Ma­nage­ment – Bau­stein für ei­ne kli­ma­neu­tra­le Wirt­schaft"

Carbon Management für die Wirtschaft

Car­bon Ma­nage­ment ist ein wich­ti­ger Bau­stein für die Trans­for­ma­tion der Wirt­schaft zur Net­to-Treib­haus­gas­neu­tra­li­tät. Die Gas- und Was­ser­stoff­wirt­schaft ver­fügt über die er­for­der­li­chen Struk­tu­ren so­wie die not­wen­di­gen Kom­pe­ten­zen und Res­sour­cen.

Transportinfrastruktur für CO2

Infrastruktur für CO2

Ei­ne pas­sen­de In­fra­struk­tur er­mög­licht den CO2-Trans­port von Emit­ten­ten zu tech­ni­schen Sen­ken.

CCU ermöglicht die Nutzung von CO2 als Rohstoff

Nutzung von CO2

Schwer ver­meid­ba­res CO2 kann für in­dus­tri­el­le Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se als Roh­stoff ge­nutzt wer­den.

Expertenthema

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Rasmus Portmann
Public Affairs

Rasmus Portmann

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