Wasserstoff: Hohes Potenzial

Ein Baustein für die Transformation des Energiesystems

Der Ein­satz von grü­nem Was­ser­stoff, der durch Elek­tro­ly­se mit Strom aus er­neu­er­ba­ren Quel­len her­ge­stellt wird, kann ins­be­son­de­re dort zur Min­de­rung von Treib­haus­gas­emis­si­o­nen bei­tra­gen, wo er fos­sil er­zeug­ten Was­ser­stoff oder fos­si­le Ener­gie­trä­ger er­setzt.

Mit der 2020 vor­ge­stell­ten und 2023 fort­ge­schrie­be­nen Na­ti­o­na­len Was­ser­stoff­stra­te­gie hat die Bun­des­re­gie­rung ei­nen Hand­lungs­rah­men und ein Ziel­bild bis 2030 für Er­zeu­gung, Im­port, Trans­port, Spei­che­rung und Nut­zung von Was­ser­stoff und sei­nen De­ri­va­ten for­mu­liert. Die Stra­te­gie soll den Markt­hoch­lauf, den Auf­bau neu­er Wert­schöp­fungs­ket­ten und die in­ter­na­ti­o­na­le Zu­sam­men­ar­beit un­ter­stüt­zen.

Das am 2. Ap­ril 2026 in Kraft ge­tre­te­ne Was­ser­stoff­be­schleu­ni­gungs­ge­setz soll Pla­nungs-, Ge­neh­mi­gungs- und Ver­ga­be­ver­fah­ren für An­la­gen zur Er­zeu­gung, Spei­che­rung und Ein­fuhr so­wie für Was­ser­stoff-Lei­tun­gen ver­ein­fa­chen und be­schleu­ni­gen. Da­mit er­gänzt es den recht­li­chen Rah­men für In­ves­ti­ti­o­nen in Was­ser­stoff-Pro­jek­te und die da­zu­ge­hö­ri­ge In­fra­struk­tur.

Preistransparenz für Wasserstoff

Der HYDRIX In­dex ist der ers­te markt­ba­sier­te Was­ser­stoff-In­dex, der auf An­ge­bots- und Nach­fra­ge­prei­sen ba­siert und so drin­gend be­nö­tig­te Preis­trans­pa­renz im Was­ser­stoff­markt schafft. Da es ak­tu­ell we­der ei­nen Bör­sen- noch einen au­ßer­börs­li­chen Han­del mit Was­ser­stoff gibt, sind die Preis­in­di­ka­ti­o­nen aus bi­la­te­ra­len Lie­fer­ver­trä­gen be­son­ders wert­voll. Die EEX be­rech­net den HYDRIX wö­chent­lich und ver­öf­fent­licht ihn mitt­wochs um 16 Uhr auf ih­rer Trans­pa­renz-Web­sei­te.

Grüner Wasserstoff allein wird nicht genügen

Die Na­ti­o­na­le Was­ser­stoff­stra­te­gie ist ein Mei­len­stein der deut­schen Ener­gie­po­li­tik. Den­noch be­geht die Bun­des­re­gie­rung ei­nen Feh­ler. Der Was­ser­stoff­be­darf wird von ihr deut­lich un­ter­schätzt: Die Bun­des­re­gie­rung sieht bis 2030 ei­nen Was­ser­stoff­be­darf von ca. 95 bis 130 Te­ra­watt­stun­den in Deutsch­land. Al­lein die deut­sche In­dus­trie be­nö­tigt be­reits heu­te rund 70 Te­ra­watt­stun­den Was­ser­stoff pro Jahr.

Die EU-Kom­mis­si­on legte En­de Mai 2022 den de­le­gier­ten Rechts­akt zur EU-Er­neu­er­ba­ren-Richt­li­nie vor­. Da­mit de­fi­niert die EU-Kom­mis­si­on ihre Kri­te­rien für grü­nen Was­ser­stoff. Be­reits im Vor­feld kri­ti­sier­ten Elek­tro­ly­seur­her­stel­ler und die Gas­-Bran­che die Kri­te­rien als zu streng. Die EU-Kom­mis­si­on weich­te sie da­rauf­hin zwar auf, al­ler­dings sind die Re­ge­lun­gen im­mer noch sehr kom­plex, so dass sie den Hoch­lauf der Was­ser­stoff­wirt­schaft brem­sen.

Um die bes­ten Prei­se und da­mit ei­nen zü­gi­gen Markt­hoch­lauf zu ga­ran­tie­ren, ist Wett­be­werb zwi­schen Tech­no­lo­gien not­wen­dig. Ne­ben Was­ser­stoff aus er­neu­er­ba­ren Ener­gien müs­sen da­her auch an­de­re Ver­fah­ren, die koh­len­stoff­ar­men Was­ser­stoff her­stel­len kön­nen, ge­för­dert wer­den. Die Er­zeu­gung von Was­ser­stoff aus Erd­gas mit­hil­fe der Dampf­re­for­mie­rung und an­schlie­ßen­der CO2-Spei­che­rung meh­re­re Ki­lo­me­ter un­ter dem Mee­res­grund – so­ge­nann­ter "blauer" Was­ser­stoff – ist pra­xis­er­probt und lang­fris­tig wirk­sam. Auch die in­no­va­ti­ve Methan-Py­ro­ly­se, bei der aus Erd­gas tür­ki­ser Was­ser­stoff und rei­ner Koh­len­stoff er­zeugt wer­den, bie­tet gro­ßes Po­ten­zi­al.

Industriestandort sichern

Was folgt, wenn Deutsch­land sei­ne hei­mi­sche Was­ser­stoff­pro­duk­ti­on auf nur ei­ne Tech­no­lo­gie be­grenzt? Un­ter­neh­men der Gas- und Was­ser­stoff-Wirt­schaft und ih­re größ­ten Ab­neh­mer – da­run­ter die Stahl- und Che­mie­in­dus­trie – wer­den In­ves­ti­ti­o­nen in die Was­ser­stoff­pro­duk­ti­on aus Wett­be­werbs­grün­den ins Aus­land ver­la­gern, wo der­lei Tech­no­lo­gie­be­schrän­kun­gen nicht be­ste­hen. Der Preis für Was­ser­stoff mit ge­rin­gen Treib­haus­gas­emis­si­o­nen wird da­mit zum we­sent­li­chen Stand­ort­fak­tor im in­ter­na­ti­o­na­len Wett­be­werb. Ge­lingt es zu­dem nicht, grü­nen Was­ser­stoff, der aus er­neu­er­ba­ren Ener­gien ge­won­nen wird, zu wett­be­werbs­fä­hi­gen Prei­sen in Deutsch­land her­zu­stel­len, droht – wie schon bei der Pho­to­vol­ta­ik – ei­ne wei­te­re Ab­wan­de­rung ei­ner Ener­gie­tech­no­lo­gie ins Aus­land.

Wasserstoff entfesseln

Welchen Rechtsrahmen braucht der H2-Markthochlauf?

Das Gut­achten "Was­ser­stoff ent­fes­seln – wel­chen Rah­men braucht der Markt­hoch­lauf?" be­trach­tet die ak­tu­el­le Markt­la­ge für Was­ser­stoff. Im Rah­men von drei Work­shops ha­ben das In­sti­tut für Kli­ma­schutz, Ener­gie und Mo­bi­li­tät (IKEM) und con|energy consult ge­mein­sam mit zahl­rei­chen Ak­teu­ren der Gas-Wirt­schaft ak­tu­el­le Hemm­nis­se im Was­ser­stoff-Markt­hoch­lauf iden­ti­fi­ziert so­wie Lö­sungs­op­ti­o­nen dis­ku­tiert und be­wer­tet.

Ins­ge­samt wur­den 13 Hemm­nis­se für den Markt­hoch­lauf von Was­ser­stoff iden­ti­fi­ziert. Eben­so Lö­sungs­vor­schlä­ge für die ent­spre­chen­den He­raus­for­de­run­gen er­ar­bei­tet und kon­kre­te rechts­po­li­ti­sche Maß­nah­men for­mu­liert, die für ei­nen schnellst­mög­li­chen und ei­nen öko­no­misch ef­fi­zien­ten und emissionsmindernden Markt­hoch­lauf not­wen­dig sind. Die Maß­nah­men wur­den an­hand ih­rer Wirk­sam­keit für den Markt­hoch­lauf von Was­ser­stoff und ih­res re­gu­la­to­ri­schen Um­set­zungs­auf­wan­des be­wer­tet.

Die For­mu­lie­rung der rechts­po­li­ti­schen Hand­lungs­emp­feh­lun­gen er­fol­gte ent­lang der Wert­schöp­fungs­ket­te von Was­ser­stoff: Er­zeu­gung, Han­del, In­fra­struk­tur und An­wen­dung.

Er­zeu­gung

  • Auf­set­zen ei­ner För­der­richt­li­nie für staat­lich ge­för­der­te Dif­fe­renz­ver­trä­ge (CfD) auf Ba­sis ei­nes Aus­schrei­bungs­ver­fah­rens
  • Be­schleu­ni­gung der Pla­nungs- und Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren für Was­ser­stoff-Er­zeu­gungs­an­la­gen
  • Ein­heit­li­che Be­griffs­de­fi­ni­tion für Was­ser­stoff mit kla­ren An­for­de­run­gen

Han­del

  • Ein­füh­rung ei­nes Her­kunfts­nach­weis­sys­tems, um grenz­über­schrei­ten­den bi­lan­zi­el­len Han­del zu er­mög­li­chen

In­fra­struk­tur

  • Än­de­rung der Unbundling-Vor­schrif­ten des Gas-/Was­ser­stoff­pa­ke­tes
  • In­ves­ti­ti­ons­si­cher­heit durch kos­ten­sei­ti­ge An­er­ken­nung für die Was­ser­stoff-In­fra­struk­tur schaf­fen
  • In­ves­ti­ti­ons- und Rechts­si­cher­heit für die CO2-Spei­che­rung schaf­fen (CCS er­mög­li­chen)
  • In­ves­ti­ti­ons- und Rechts­si­cher­heit für den in­ter­na­ti­o­na­len Trans­port von CO2 schaf­fen
  • Fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung und An­reiz­set­zung zur Um­rüs­tung von Ka­ver­nen­spei­cher auf Was­ser­stoff

An­wen­dung

  • Wett­be­werbs­fä­hig­keit von grü­nem und koh­len­stoff­ar­mem Was­ser­stoff zu fos­si­len Al­ter­na­ti­ven er­mög­li­chen
  • För­der­vo­raus­set­zun­gen für KWK-An­la­gen, Ab­ga­ben- und Um­la­gen­pri­vi­le­gie­rung
  • An­re­chen­bar­keit der Kli­ma­schutz­wir­kung von Was­ser­stoff im Ge­bäu­de­sek­tor er­mög­li­chen
  • Aus­bau der nö­ti­gen Tank­stel­len­in­fra­struk­tur

Die­se Maß­nah­men wur­den an­hand ih­rer Wirk­sam­keit für den Markt­hoch­lauf von Was­ser­stoff und ih­res re­gu­la­to­ri­schen Um­set­zungs­auf­wan­des be­wer­tet. Die Stu­die er­gab, dass vor al­lem der ein­heit­li­chen Be­griffs­de­fi­ni­tion, der Eta­blie­rung ei­nes ein­heit­li­chen Zer­ti­fi­zie­rungs­sys­tems, der Lo­cke­rung des ho­ri­zon­ta­len Unbundlings (insb. für Ver­teil­net­ze) und der För­der­richt­li­nie für staat­lich ge­för­der­te Dif­fe­renz­ver­trä­ge (CfD) eine ho­he Wirk­sam­keit im Markt­hoch­lauf bei­ge­mes­sen wird. So­ge­nann­te "deal breaker" für den eu­ro­pä­i­schen Was­ser­stoff-Markt wer­den so be­sei­tigt.

Partner von Hydrogen Germany

Wir sind Partner der Wirtschaftsallianz Hydrogen Germany

Die Wirtschaftsallianz he­bt die Stär­ke der Was­ser­stoff­wirt­schaft und die Chan­cen für Deutsch­land als Was­ser­stoff­land her­vor. Sie verleiht der Was­ser­stoff-Wert­schöp­fungs­ket­te ein Ge­sicht und de­mon­strie­rt Trans­for­ma­tions­kraft. Sie bil­det eine ge­mein­sa­me Platt­form, die Ver­trauen in das Was­ser­stoff­land Deutsch­land schafft.

Expertenthema

In­no­va­ti­ons-Clus­ter H2 Start-up

Seid ihr ein jun­ges und in­no­va­ti­ves Un­ter­neh­men, das ge­ra­de erst in die Welt des Was­ser­stof­fes ein­ge­taucht ist? Dann seid ihr beim H2 Start-up Clus­ter ge­nau rich­tig. Als Stim­me der Gas- und Was­ser­stoff­wirt­schaft, bie­ten wir euch ein um­fang­rei­ches In­for­ma­ti­ons- und Aus­tausch­an­ge­bot mit zahl­rei­chen Vor­tei­len an. Wer­det jetzt Teil des Clus­ters!

Die Gas-Infrastruktur ist von großer Bedeutung für den Aufbau einer Wasserstoff-Wirtschaft

Bedeutung des Gas-Netzes für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft

Ne­ben Gas als Grund­stoff zur Was­ser­stoff­pro­duk­ti­on lie­fert die Gas­-Bran­che mit dem Gas-Netz aber auch die nö­ti­ge In­fra­struk­tur, um Was­ser­stoff zu trans­por­tie­ren und zu spei­chern. Es ist rich­tungs­wei­send, dass die Stra­te­gie auch die Be­deu­tung des Gas-Net­zes für den Auf­bau ei­ner Was­ser­stoff­wirt­schaft an­er­kennt. So pro­fi­tie­ren nicht nur die Kom­mu­nen, in de­ren Be­sitz sich das Netz viel­fach be­fin­det, son­dern auch die rund 20 Mil­li­o­nen Kun­den, die heu­te Gas pri­mär als Heiz­ener­gie nut­zen. Denn ins­be­son­de­re im Wär­me­markt, dem größ­ten Ab­satz­markt für Gas in Deutsch­land, kann Was­ser­stoff Tem­po in die De­kar­bo­ni­sie­rung brin­gen.

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