Wasserstoff: Energieträger der Zukunft

Für das von der Bun­des­re­gie­rung an­ge­streb­te Ziel, bis 2045 Treib­haus­gas­neu­tra­li­tät zu er­rei­chen, wer­den mach­ba­re Lö­sun­gen be­nö­tigt, die re­la­tiv kurz­fris­tig um­setz­bar sind und sich auf ei­nen gro­ßen Maß­stab ska­lie­ren las­sen. Ei­ne die­ser kann er­neu­er­ba­rer oder koh­len­stoff­ar­mer Wasserstoff sein.

Wasserstoff: Das Wichtigste in 30 Sekunden

Was­ser­stoff (H2) ist ein viel­sei­ti­ger Ener­gie­trä­ger: Mit er­neu­er­ba­rem Strom er­zeug­ter Was­ser­stoff kann als Ener­gie­spei­cher die­nen; zu­gleich wird Was­ser­stoff als Roh­stoff für die In­dus­trie ein­ge­setzt. Sei­ne An­wen­dun­gen rei­chen von Hoch­tem­pe­ra­tur-Pro­zes­sen in der Che­mie bis hin zur Strom- und Wär­me­er­zeu­gung so­wie Mo­bi­li­tät in Ni­schen wie dem Schwer­last­ver­kehr. Die In­fra­struk­tur für Spei­che­rung, Ein­spei­sung und Trans­port von Was­ser­stoff wird schritt­wei­se aus­ge­baut.

Für das von der Bun­des­re­gie­rung an­ge­streb­te Ziel, bis 2045 Treib­haus­gas­neu­tra­li­tät zu er­rei­chen, kann Was­ser­stoff ins­be­son­de­re in schwer elek­tri­fi­zier­ba­ren In­dus­trie­be­rei­chen eine Rolle spie­len. Je nach Her­stel­lungs­weg und An­wen­dung kann das leich­tes­te Ele­ment des che­mi­schen Pe­ri­o­den­sys­tems ei­nen wich­ti­gen Bei­trag zur Min­de­rung von Treib­haus­gas­emis­si­o­nen und zur Fle­xi­bi­li­tät des Ener­gie­sys­tems leis­ten.

Wasserstoff: Unverzichtbar für die Energiewende 

Emissionsarm, speicherbar, verfügbar

Mit der Na­ti­o­na­len Was­ser­stoff­stra­te­gie hat die Bun­des­re­gie­rung ei­nen po­li­ti­schen Rah­men für den Auf­bau ei­ner Was­ser­stoff­wirt­schaft ge­schaf­fen und För­der­mit­tel in Mil­li­ar­den­hö­he vor­ge­se­hen. Die 2023 fort­ge­schrie­be­ne Stra­te­gie wird seit 2026 durch das Was­ser­stoff-Be­schleu­ni­gungs­ge­setz er­gänzt, das Pla­nungs- und Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren für den Was­ser­stoff-Hoch­lauf ver­ein­fa­chen und be­schleu­ni­gen soll.

Was­ser­stoff kann das Spei­cher­pro­blem er­neu­er­ba­rer Ener­gien lö­sen: Das kom­pri­mier­te Gas lässt sich zu­ver­läs­sig spei­chern, leicht trans­por­tie­ren und steht zu al­len Ta­ges- und Jah­res­zei­ten zur Ver­fü­gung. Da Was­ser­stoff nicht was­ser­ge­fähr­dend ist, kann er auch in Trink­was­ser­schutz­ge­bie­ten zum Ein­satz kom­men. Durch den Ein­satz von Was­ser­stoff ent­ste­hen kei­ne di­rek­ten lo­ka­len CO2-Emis­si­o­nen, son­dern nur Was­ser­dampf. Wir kön­nen mit ihm hei­zen, Strom er­zeu­gen und Au­to fah­ren. Durch die­se viel­fäl­ti­gen An­wen­dungs­mög­lich­kei­ten kann Was­ser­stoff – da bei sei­ner Nut­zung kei­ne di­rek­ten CO2-Emis­si­o­nen ent­ste­hen, son­dern nur Was­ser­dampf – zu ei­ner Ener­gie­ver­sor­gung mit deut­lich re­du­zier­ten Treib­haus­gas­emis­si­o­nen bei­tra­gen. Wie stark sich die Treib­haus­gas­bi­lanz ins­ge­samt ver­bes­sert, hängt da­bei ent­schei­dend von der Er­zeu­gungs­art des ein­ge­setz­ten Was­ser­stoffs ab. Da­mit kann Was­ser­stoff eine wich­ti­ge Rol­le in un­se­rem künf­ti­gen Ener­gie­sys­tem ein­neh­men.

Abbildung großer Wasserstoffleitungen

Wasserstoff: Definition und Fakten

Was­ser­stoff (H2) ist ein ge­ruch­lo­ses und un­gif­ti­ges Gas. Es ist das ers­te und leich­tes­te Ele­ment im Pe­ri­o­den­sys­tem der Ele­men­te und das häu­figs­te Ele­ment in un­se­rem Uni­ver­sum. In rei­ner Form kommt Was­ser­stoff auf der Er­de je­doch kaum vor, son­dern ist che­misch ge­bun­den, zum Bei­spiel in Was­ser, Bio­mas­se oder Me­than. So­mit muss Was­ser­stoff er­zeugt wer­den und ist nicht wie Strom ei­ne Pri­mär-, son­dern ei­ne Se­kun­där­ener­gie.

Was­ser­stoff ist ein sehr gu­ter Ener­gie­spei­cher: Mit 33,33 kWh/kg hat der Ener­gie­trä­ger auf die Mas­se be­zo­gen die höchs­te Ener­gie­dich­te von al­len Brenn­stof­fen. Ein Ki­lo­gramm Was­ser­stoff ent­hält et­wa so viel Ener­gie wie drei Li­ter Ben­zin.

Was­ser­stoff ist et­wa 14-mal leich­ter als Luft. Das farb­lo­se Gas be­sitzt vie­le vor­teil­haf­te Ei­gen­schaf­ten: Es ist we­der gif­tig noch ät­zend oder was­ser­ge­fähr­dend. Das Gas ent­zün­det sich nicht selbst und ver­brennt rück­stands­frei. Es ist be­reits heu­te Aus­gangs­stoff für zahl­rei­che in­dus­tri­el­le An­wen­dun­gen.

Bestehende Infrastruktur als Schlüssel für den Hochlauf

Der Hoch­lauf der Was­ser­stoff­wirt­schaft er­for­dert nicht nur neue Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten, son­dern auch leis­tungs­fä­hi­ge Trans­port- und Ver­teil­struk­tu­ren.

Ein ent­schei­den­der Vor­teil: Tei­le der be­ste­hen­den Gas-In­fra­struk­tur kön­nen für Was­ser­stoff ge­nutzt und um­ge­stellt wer­den. Das be­trifft nicht nur Fern­lei­tungs­net­ze, son­dern auch re­gi­o­na­le Ver­teil­net­ze, die eine flä­chen­de­cken­de Ver­sor­gung er­mög­li­chen.

Potenzial von Wasserstoff

Das neue Gas Was­ser­stoff ist in al­len Ver­brauchs­sek­to­ren ein­setz­bar und bie­tet vie­le Po­ten­zi­a­le:

  • Pro­du­ziert aus Wind- und Son­nen­strom macht Was­ser­stoff re­ge­ne­ra­ti­ve Ener­gien lang­fris­tig spei­cher­bar und löst da­mit ein Kern­pro­blem der Ener­gie­wen­de.
  • Als tra­gen­de Säu­le in ei­nem treib­haus­gas­neu­tra­len Ener­gie­sys­tem soll er­neu­er­ba­rer und koh­len­stoff­ar­mer Was­ser­stoff so­wohl in be­ste­hen­den als auch in neu­en Gas-Kraft­wer­ken zum Ein­satz kom­men – so das Ziel der Kraft­werks­stra­te­gie der Bun­des­re­gie­rung.
  • In Rein­form oder in Form von De­ri­va­ten lie­fert Was­ser­stoff wich­ti­ge Grund­stof­fe für die In­dus­trie, schafft Mög­lich­kei­ten zum Ener­gie­trä­ger­wech­sel in vie­len Pro­duk­ti­ons­pro­zes­sen und schafft als Ener­gie­lö­sung ne­ben Strom zu­sätz­li­che Si­cher­heit.
  • Als E-Fuel oder An­triebs­ener­gie für Brenn­stoff­zel­len ist Was­ser­stoff ei­ne An­triebs­al­ter­na­ti­ve für Lkw, Schif­fe oder Flug­zeu­ge: Bei sei­ner Ver­bren­nung ent­ste­hen kei­ne di­rek­ten CO2-Emis­si­o­nen, son­dern nur Was­ser­dampf, wäh­rend die Ver­bren­nung kon­ven­ti­o­nel­ler Kraft­stof­fe wie Die­sel oder Ke­ro­sin CO2 frei­setzt. Bei der Ver­bren­nung von Was­ser­stoff, der mit Strom aus er­neu­er­ba­ren Ener­gien her­ge­stellt wird, ent­ste­hen kei­ne CO2-Emis­si­o­nen. Dem ste­hen, be­zo­gen auf den un­te­ren Heiz­wert, rund 266 g CO2/kWh bei Die­sel, rund 264 g CO2/kWh bei Ke­ro­sin und rund 287 g CO2/kWh bei Schwer­öl ge­gen­über.
  • Als Heiz­ener­gie bie­tet Was­ser­stoff ei­ne Op­ti­on mit deutlich reduzierten CO2-Emissionen für ei­ne Viel­zahl be­ste­hen­der Im­mo­bi­lien, in de­nen sich Wär­me­pum­pen nur tech­nisch schwie­rig und öko­no­misch un­vor­teil­haft ein­set­zen las­sen.

Trans­por­tie­ren lässt sich Was­ser­stoff über die be­reits vor­han­de­ne Gas-In­fra­struk­tur. Ak­tu­ell ar­bei­ten die Netz­be­trei­ber als Teil der deut­schen Gas- und Was­ser­stoff-Branche da­ran, das Gas­-Netz H2-ready zu ma­chen. Zu­sätz­lich sind kom­plett neue Was­ser­stoff-Lei­tun­gen – vor al­lem im Fern­lei­tungs­netz – in Pla­nung. Auch die Spei­cher wer­den auf die neue Auf­ga­be der Was­ser­stoff-Spei­che­rung an­ge­passt. Die In­ves­ti­ti­o­nen sind hier­bei weit­aus ge­rin­ger als beim Bau neu­er Strom­tras­sen. Denn ein gro­ßer Teil des Gas-Net­zes ist be­reits was­ser­stoff­fä­hig. Da­rü­ber hi­naus bie­tet Was­ser­stoff die Mög­lich­keit, re­ge­ne­ra­ti­ve Ener­gien aus al­ler Welt zu im­por­tie­ren und un­ab­hän­gig vom Er­zeu­gungs­ort in al­len Re­gi­o­nen Deutsch­lands nutz­bar zu ma­chen.

Wasserstoff-Netz

Wie lässt sich Was­ser­stoff spei­chern und zu den Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­chern trans­por­tie­ren? Die Gas-In­fra­struk­tur steht für ef­fi­zien­te Lö­sun­gen be­reit.

Power-to-Gas

Durch Power-to-Gas kann über­schüs­si­ger Strom aus Er­neu­er­ba­ren mit­tels Elek­tro­ly­se in grü­nen Was­ser­stoff und syn­the­ti­sches Gas um­ge­wan­delt wer­den.

H2-Pro­jekt-Kar­te Deutsch­land

Die Was­ser­stoff-Wirt­schaft in Deutsch­land braucht Trans­pa­renz. Er­zeu­ger und Ver­brau­cher müs­sen einander ken­nen und sich ver­net­zen. Die Platt­form "H2 Digital" hat sich das zur Auf­ga­be ge­macht. Ma­chen auch Sie Ihr H2-Pro­jekt sicht­bar.

EnergyCopilot von H2 digital

KI-Plattform – EnergyCopilot

Auf der KI-Platt­form für erneuerbare Ener­gien ​und Was­ser­stoff​​ von H2 Digital kön­nen Sie über Match­making schnell Kon­tak­te knüp­fen, um Bran­chen-Öko­sys­teme auf­zu­bau­en oder Käu­fer und Lie­fe­ran­ten für Ihr Un­ter­neh­men zu fin­den. Wenn Sie ge­ra­de erst an­fan­gen, er­hal­ten Sie au­ßer­dem eine so­li­de In­ves­ti­ti­ons­pla­nung, um ein star­kes Ge­schäfts­mo­dell zu ent­wi­ckeln.​

Langfristiger Energiespeicher

Die wet­ter­ab­hän­gi­ge Ver­füg­bar­keit er­neu­er­ba­rer Ener­gien ist ei­ne der zen­tra­len He­raus­for­de­run­gen, vor der ein Ener­gie­sys­tem, wel­ches im We­sent­li­chen auf er­neu­er­ba­ren Ener­gien baut, ste­hen wird. Die Strom­er­zeu­gung aus Son­nen- oder Wind­kraft un­ter­liegt Schwan­kun­gen, sie rich­ten sich nicht nach der Nach­fra­ge. Un­ser Strom­sys­tem ist aber da­rauf aus­ge­legt, dass das Strom­an­ge­bot nie ge­rin­ger als die Strom­nach­fra­ge ist, sonst kann die Strom­ver­sor­gung teil­wei­se zu­sam­men bre­chen. Da au­ßer­dem auch Strom ver­braucht wird, wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht, brau­chen wir Strom­spei­cher.

Künf­tig kön­nen Zei­ten, in de­nen mehr Strom aus Wind- und Son­nen­ener­gie pro­du­ziert als ver­braucht wird, ge­nutzt wer­den, um aus über­schüs­si­ger er­neu­er­ba­rer Ener­gie Was­ser­stoff her­zu­stel­len. Die­ser kann ver­lust­frei ge­la­gert wer­den und bleibt so lang­fris­tig nutz­bar. Die be­ste­hen­de Gas-In­fra­struk­tur ist da­für ide­al: Mit ih­rem rund 600.000 km lan­gen Lei­tungs­netz und ih­ren Spei­chern kann gas­för­mi­ge Ener­gie für rund 3 Mo­na­te des Jah­res­ver­brauchs von Deutsch­land ein­ge­spei­chert wer­den.

Partner von Hydrogen Germany

Wir sind Partner der Wirtschaftsallianz Hydrogen Germany

Die Wirtschaftsallianz he­bt die Stär­ke der Was­ser­stoff-Wirt­schaft und die Chan­cen für Deutsch­land als Was­ser­stoff­land her­vor. Sie verleiht der Was­ser­stoff-Wert­schöp­fungs­ket­te ein Ge­sicht und de­mon­strie­rt Trans­for­ma­tions­kraft. Sie bil­det eine ge­mein­sa­me Platt­form, die Ver­trauen in das Was­ser­stoff­land Deutsch­land schafft.

Blauer Wasserstoff

Herstellung von Wasserstoff 

Die na­tür­li­chen Vor­kom­men von rei­nem Was­ser­stoff auf der Er­de sind zu ver­nach­läs­si­gen. Er kommt fast nur in ge­bun­de­ner Form vor. Die be­kann­tes­te Ver­bin­dung ist Was­ser. Was­ser­stoff kann auf un­ter­schied­li­chen We­gen her­ge­stellt wer­den. Aus­gangs­stof­fe sind Roh­stof­fe wie Was­ser, Erd­gas oder Bio­mas­se und Ener­gie, die zu­ge­führt wird. Ak­tu­ell wird Was­ser­stoff in der Re­gel aus Erd­gas her­ge­stellt. Bei Ver­fah­ren mit CO2-Ab­schei­dung kann ein Teil auf­ge­fan­gen und ge­spei­chert wer­den. Bei der Elek­tro­ly­se mit Strom aus er­neu­er­ba­ren Ener­gien ent­ste­hen im Her­stel­lungs­pro­zess kei­ne di­rek­ten CO2-Emis­si­o­nen. Für die ver­schie­de­nen Her­stel­lungs­we­ge wer­den Farb­be­zeich­nun­gen wie grau­er, blau­er, tür­ki­ser oder grü­ner Was­ser­stoff ver­wen­det. Ent­schei­dend für die Treib­haus­gas­bi­lanz sind je­doch der Her­stel­lungs­weg, die ein­ge­setz­te Ener­gie und der Um­gang mit ent­ste­hen­dem CO2.

Farbe Prinzip Einordnung
Grün Elektrolyse mit erneuerbarem Strom keine direkten CO2-Emissionen bei der Elektrolyse
Blau Dampfreformierung mit CO2-Abscheidung (CCS) CO2-arm gemäß EU-Klassifizierung, beschleunigt den H2-Markthochlauf
Türkis Methan-Pyrolyse Fester Kohlenstoff als Nebenprodukt

Wasserstoff als Basis: So vielfältig können Derivate eingesetzt werden

Was­ser­stoff fun­giert nicht nur als Ener­gie­trä­ger, son­dern auch als Aus­gangs­stoff für che­mi­sche Pro­duk­ti­ons­stof­fe oder treib­haus­gas­neu­tra­le Kraft­stof­fe. Die wichtigsten Derivate auf Wasserstoff-Basis: 

Am­mo­ni­ak

Am­mo­ni­ak (NH3) ist ein Syn­the­se­gas aus den Ele­men­ten Stick­stoff und Was­ser­stoff im Ver­hält­nis 1:3, das mit­tels des so­ge­nann­ten Ha­ber-Bosch-Ver­fah­rens her­ge­stellt wird. Es hat ei­ne um 70 Pro­zent hö­he­re Ener­gie­dich­te als rei­ner Was­ser­stoff und kann schon bei mi­nus 33 Grad Cel­si­us ver­flüs­sigt wer­den. Das macht Am­mo­ni­ak zu ei­nem ide­a­len Trans­port-Me­di­um für Was­ser­stoff. Zu­gleich ist Am­mo­ni­ak Grund­stoff für Pro­duk­te der che­mi­schen und phar­ma­zeu­ti­schen In­dus­trie. Als Ba­sis für Kunst­dün­ger sorgt er für hö­he­re Er­trä­ge in der Land­wirt­schaft, wird aber auch für Arz­nei­mit­tel oder in Rei­ni­gungs­mit­teln ver­wen­det.

Me­than

Eben­so wie sich Me­than (CH4) in sei­ne Be­stand­tei­le Was­ser­stoff und Koh­len­di­o­xid auf­spal­ten lässt, kann Me­than durch die Me­tha­ni­sie­rung von Was­ser­stoff syn­the­tisch her­ge­stellt wer­den. In die­ser Form lässt sich der Was­ser­stoff dann in die be­ste­hen­de Ver­sor­gungs­in­fra­struk­tur ein­spei­sen oder he­run­ter­ge­kühlt und ver­flüs­sigt per LNG-Tan­ker trans­por­tie­ren.

Bei der Me­tha­ni­sie­rung re­a­giert Koh­len­stoff­mo­no­xid oder Koh­len­stoff­di­o­xid bei Tem­pe­ra­tu­ren von 300 bis 700 Grad Cel­si­us mit Was­ser­stoff zu Me­than und Was­ser. Für die­sen Pro­zess lässt sich Koh­len­di­o­xid nut­zen, das aus in­dus­tri­el­len Punkt­quel­len, et­wa der Ze­ment- und Dün­ge­mit­tel­in­dus­trie, ab­ge­schie­den wird.

Me­tha­nol

Me­thyl­al­ko­hol, kurz Me­tha­nol, wird aus Was­ser­stoff und Koh­len­stoff­di­o­xid her­ge­stellt. Das flüs­si­ge Me­tha­nol lässt sich ein­fach la­gern und trans­por­tie­ren. In der In­dus­trie wird Me­tha­nol als Lö­sungs­mit­tel für Farb­stof­fe, La­cke, Har­ze und an­or­ga­ni­sche Sal­ze ge­nutzt.

Au­ßer­dem kommt der Al­ko­hol in che­mi­schen La­bo­ren und bei der Her­stel­lung von Me­di­ka­men­ten und Pflan­zen­schutz­mit­teln zum Ein­satz. Er kann zu­dem in spe­zi­el­len Brenn­stoff­zel­len als Kraft­stoff für Fahr­zeu­ge ein­ge­setzt wer­den.

E-Fuels

Durch die Power-to-Liquid-Tech­no­lo­gie las­sen sich Kraft­stof­fe wie Ben­zin, Die­sel und Ke­ro­sin mit­tels er­neu­er­ba­rer Ener­gie, Was­ser­stoff und Koh­len­stoff­di­o­xid syn­the­tisch er­zeu­gen. Sie wer­den E-Fuels be­zie­hungs­wei­se E-Ke­ro­sin ge­nannt.

Bei der Her­stel­lung wird CO2 aus der Um­ge­bungs­luft oder aus in­dus­tri­el­len Ab­gas­strö­men ab­sor­biert und mit­hil­fe des Fi­scher-Tropsch-Ver­fah­rens mit Was­ser­stoff syn­the­ti­siert. E-Fuels bie­ten ei­ne Al­ter­na­ti­ve zu fos­si­len Kraft­stof­fen.

Wasserstoff: Häufig gestellte Fragen

Hier be­ant­wor­ten wir Ih­nen häu­fig ge­stell­te Fra­gen zum Energieträger Wasserstoff.

Beim Ver­bren­nungs­pro­zess von Was­ser­stoff ent­ste­hen kei­ne di­rek­ten, lo­ka­len CO2-Emis­si­o­nen, son­dern nur Was­ser­dampf. Zu­dem kann die be­reits vor­han­de­ne Gas-In­fra­struk­tur ge­nutzt wer­den, um den Was­ser­stoff zu trans­por­tie­ren und zu spei­chern. Da­durch kann die Ener­gie­wen­de vor al­lem auch so­zi­al­ver­träg­lich ge­stal­tet wer­den, da we­ni­ger In­ves­ti­ti­o­nen in neue In­fra­struk­tur not­wen­dig sind.

Um die Erd­er­wär­mung auf un­ter 1,5 °C zu be­gren­zen, ver­folgt Deutsch­land zu­sam­men mit den Staa­ten der Eu­ro­pä­i­schen Union das Ziel der Treib­haus­gas­neu­tra­li­tät bis 2050. Auf na­ti­o­na­ler Ebe­ne soll das Ziel be­reits fünf Jah­re vor­her, al­so 2045, er­reicht sein. Deutsch­land braucht Al­ter­na­ti­ven zu fos­si­len Ener­gie­trä­gern und ei­nen Spei­cher für über­schüs­si­gen Strom aus er­neu­er­ba­ren Ener­gie­quel­len. Grüner Was­ser­stoff, der mit Hil­fe von er­neu­er­ba­ren Ener­gien her­ge­stellt wird, bie­tet da­für Lö­sun­gen und kann auf­grund sei­ner viel­fäl­ti­gen Ein­satz­mög­lich­kei­ten ei­ne Schlüs­sel­rol­le ein­neh­men.

Was­ser­stoff als Ener­gie­trä­ger wur­de be­reits An­fang des 20. Jahr­hun­derts ent­deckt und ver­wen­det. In der che­mi­schen In­dus­trie ist er ein un­ver­zicht­ba­rer Ener­gie­trä­ger und wird dort un­ter an­de­rem zur Am­mo­ni­ak­pro­duk­ti­on für Dün­ge­mit­tel ein­ge­setzt. Und auch in Brenn­stoff­zel­len-Hei­zun­gen wird Was­ser­stoff zur Er­zeu­gung von Wär­me, Warm­was­ser und Strom ver­wen­det. Ers­te Fahr­zeu­ge wie Bus­se und Pkw, die Was­ser­stoff als An­triebs­ener­gie nut­zen, gibt es eben­falls. Und der ener­gie­wirt­schaft­li­che Stel­len­wert nimmt wei­ter zu. Län­der wie Ja­pan oder Süd­ko­rea ha­ben zum Bei­spiel Erd­gas in der Wär­me­er­zeu­gung in gro­ßen Men­gen durch Was­ser­stoff er­setzt.

Für den Was­ser­stoff-Hoch­lauf wer­den al­le Tech­no­lo­gien zur Her­stel­lung von koh­len­stoff­ar­men Was­ser­stoff aus Erd­gas mit CO2-Abscheidung be­nö­tigt. Lang­fris­tig ist grü­ner Was­ser­stoff, der aus­schließ­lich aus er­neu­er­ba­ren Ener­gien her­ge­stellt wur­de, zu be­vor­zu­gen. Da­für ist ein in­ten­si­ver Aus­bau der er­neu­er­ba­ren Ener­gien nö­tig.

Durch Elek­tro­ly­se kann Was­ser­stoff aus Son­nen- und Wind­ener­gie ge­won­nen wer­den. Die Men­ge grü­nen Was­ser­stoffs, der aus er­neu­er­ba­ren Ener­gien her­ge­stellt wur­de, wird al­lein aber nicht aus­rei­chen. Damit der Ener­gie­trä­ger schon bald groß­flä­chig eingesetzt werden kann, ist ei­ne größt­mög­li­che Viel­falt in der Was­ser­stoff-Er­zeu­gung not­wen­dig, um z. B. den CO2-Aus­stoß der In­dus­trie so schnell wie mög­lich zu re­du­zie­ren. Um den Hoch­lauf der Was­ser­stoff-Wirt­schaft zu be­schleu­ni­gen, müs­sen auch an­de­re koh­len­stoffar­me Her­stel­lungs­pro­zes­se von Was­ser­stoff ge­nutzt wer­den. Da­zu ge­hört ne­ben der Elek­tro­ly­se die Dampf­re­for­mie­rung von Erd­gas, bei der das ent­ste­hen­de CO2 an­schlie­ßend un­ter­ir­disch ge­spei­chert wer­den kann. Oder die Py­ro­ly­se, bei der Erd­gas in Was­ser­stoff und fes­ten Koh­len­stoff zer­legt wird.

Aber ganz oh­ne Im­port wer­den wir den Be­darf an koh­len­stoffar­mem Was­ser­stoff nicht de­cken kön­nen. Das sieht auch die Bun­des­re­gie­rung so und hat ih­re Na­ti­o­na­le Was­ser­stoff­stra­te­gie da­hin­ge­hend aus­ge­rich­tet. Wir brau­chen vor al­lem in der EU ver­läss­li­che Part­ner für die Ge­win­nung und den Trans­port von Was­ser­stoff so­wie Ko­ope­ra­ti­o­nen und Im­port­struk­tu­ren. Das bie­tet auch die Chan­ce zum Aus­bau des EU-wei­ten Ener­gie-Bin­nen­mark­tes und zur Ko­ope­ra­ti­on mit son­nen- und wind­rei­chen Ent­wick­lungs­län­dern, die ein gro­ßes Po­ten­zi­al im Be­reich er­neu­er­ba­rer Ener­gien ha­ben. Von ih­nen könn­te Deutsch­land den wert­vol­len grü­nen Was­ser­stoff im­por­tie­ren, um die ei­ge­ne Pro­duk­ti­on auf­zu­sto­cken. Auch da­für wird sich die Gas-In­fra­struk­tur wan­deln müs­sen.

21 Mil­li­o­nen Haus­hal­te in Deutsch­land hei­zen mit Gas. Da die vor­han­de­ne Gas-In­fra­struk­tur, ins­be­son­de­re die Gas-Lei­tun­gen, be­reits H2-ready sind, bie­tet grü­ner Was­ser­stoff, der aus er­neu­er­ba­ren Ener­gien her­ge­stellt wur­de, im Ge­bäu­de­sek­tor die Mög­lich­keit ei­ner ra­schen De­kar­bo­ni­sie­rung. Be­schleu­nigt wird der Markt­hoch­lauf, wenn al­le We­ge zur Er­zeu­gung von Was­ser­stoff aus­ge­schöpft wer­den. Da­durch wird Was­ser­stoff in aus­rei­chen­den Men­gen, zu wett­be­werbs­fä­hi­gen Prei­sen und für al­le Sek­to­ren zur Ver­fü­gung ste­hen.

Mitt­ler­wei­le gibt es so­wohl auf Lan­des- und Bun­des­ebe­ne als auch auf eu­ro­pä­i­scher Ebe­ne ei­ne Viel­zahl an För­der­pro­gram­men für die Re­a­li­sie­rung von Was­ser­stoff-Pro­jek­ten und -re­gi­o­nen. Auf Lan­des­ebe­ne för­dert bei­spiels­wei­se Ba­den-Würt­tem­berg mit dem Pro­gramm "ELY" den Auf­bau lo­ka­ler Elek­tro­ly­seu­re für grü­nen Was­ser­stoff, der aus er­neu­er­ba­ren Ener­gien her­ge­stellt wer­den soll – nach dem ers­ten För­der­auf­ruf im Jahr 2025 (acht Pro­jek­te, 55 Me­ga­watt, 50,7 Mil­li­o­nen Eu­ro) folg­te im Jahr 2026 eine zwei­te Run­de mit wei­te­ren 50 Mil­li­o­nen Euro. Bayern un­ter­stützt mit dem Pro­gramm "BayH2N" seit 2026 zu­sätz­lich den Um­stieg auf was­ser­stoff­be­trie­be­ne Nutz­fahr­zeu­ge. Auf Bun­des­ebe­ne för­dert das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ver­kehr mit ei­nem För­der­auf­ruf im Jahr 2026 den Auf­bau ei­nes Was­ser­stoff-Tank­stel­len­net­zes für Lkw mit 220 Mil­li­o­nen Eu­ro, wäh­rend über den Auk­ti­ons­me­cha­nis­mus "H2Global" der Im­port von grü­nem Was­ser­stoff un­ter­stützt wird. Die Bun­des­re­gie­rung hat im Jahr 2021 zu­dem 62 deut­sche Groß­vor­ha­ben aus­ge­wählt, die im Rah­men der eu­ro­pä­i­schen För­der­mög­lich­keit "Important Projects of Common European Interest (IPCEI)" bei der Ent­wick­lung und Re­a­li­sie­rung von Was­ser­stoff-Pro­jek­ten un­ter­stützt wer­den. Seit­dem sind wei­te­re IPCEI-Was­ser­stoff-För­der­wel­len hin­zu­ge­kom­men: Im Jahr 2022 wur­den Hy2Tech und Hy2Use von der EU-Kom­mis­sion ge­neh­migt, und im Fe­bru­ar 2024 folg­te Hy2Infra mit 23 wei­te­ren deut­schen Pro­jek­ten, die mit rund 4,6 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­för­dert wer­den.

Branchennews 16. Oktober 2026

Energiepark Bad Lauchstädt mit Hydrogen TCP Award of Excellence ausgezeichnet

Zur Meldung

Mit klaren und schnellen Entscheidungen zur Treibhausgasneutralität

Deutsch­land hat bes­te Vo­raus­set­zun­gen, das Po­ten­zi­al des Ener­gie­trä­gers Was­ser­stoff um­fas­send zu he­ben. Das Gas­-Netz als vor­han­de­ne In­fra­struk­tur ist dank des vo­raus­schau­en­den En­ga­ge­ments der Un­ter­neh­men der Gas- und Was­ser­stoff-Wirt­schaft auf ei­nem mo­der­nen Stand. Dies schafft ei­nen Vor­sprung zu an­de­ren Län­dern, die den Hoch­lauf der Was­ser­stoff-Wirt­schaft eben­falls an­stre­ben.

Die wich­ti­gen Wei­chen­stel­lun­gen, um die Chan­cen der Was­ser­stoff­-Wirt­schaft zu nut­zen, müs­sen jetzt vor­ge­nom­men wer­den. Die He­raus­for­de­rung er­gibt sich aus der Gleich­zei­tig­keit von Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­sen in der In­dus­trie, dem Aus­bau der Er­zeu­gungs­ka­pa­zi­tä­ten, dem Schlie­ßen von glo­ba­len Part­ner­schaf­ten, der Ent­wick­lung neu­er Tech­ni­ken und der Ge­stal­tung neu­er Markt­re­geln. Die Po­li­tik ist ge­for­dert, mit schnel­len Ent­schei­dun­gen den Er­folg des Markt­hoch­laufs von Was­ser­stoff mög­lich zu ma­chen.

  • Wie der Aus­bau der re­ge­ne­ra­ti­ven Ener­gien müs­sen Was­ser­stoff-Pro­jek­te Vor­rang bei Pla­nungs­ver­fah­ren und bei der Um­set­zung ha­ben.
  • Die pa­ral­le­le, un­ab­ge­stimm­te Netz­pla­nung muss in ei­ne in­te­grier­te In­fra­struk­tur­pla­nung über­ge­hen, die al­le re­le­van­ten Net­ze be­rück­sich­tigt. Da­zu ist ein ver­stärk­ter Dia­log zwi­schen Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Po­li­tik not­wen­dig.
  • Un­ter­neh­men und In­ves­to­ren be­nö­ti­gen Pla­nungs­si­cher­heit, um die not­wen­di­gen Trans­for­ma­ti­ons­schrit­te zu fi­nan­zie­ren und da­mit den Ab­satz­markt für grü­nen Was­ser­stoff, der aus­schließ­lich aus er­neu­er­ba­ren Ener­gien er­zeugt wur­de, zu schaf­fen. Es muss kla­re ge­setz­li­che Re­ge­lun­gen und ver­läss­li­che Vor­ga­ben über fi­xe Zeit­räu­me ge­ben.
  • Die Schaf­fung der Rah­men­be­din­gun­gen ver­langt sinn­voll auf­ei­nan­der auf­bau­en­de Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren und Ver­ord­nun­gen, die im Dia­log ent­ste­hen und den Hoch­lauf an­rei­zen.
  • Ganz kon­kret braucht es nun ein neu­es, ver­bind­li­ches Aus­bau­ziel für die hei­mi­sche Elek­tro­ly­se­ka­pa­zi­tät, nach­dem die 10-GW-Mar­ke po­li­tisch nicht wei­ter­ver­folgt wird. Für CCS ist der Rechts­rah­men seit En­de 2025 ge­setzt – jetzt zählt die Um­set­zung: schnel­le­re Pla­nungs- und Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren, der Auf­bau von CO2-Trans­port- und Spei­cher­in­fra­struk­tur, ver­läss­li­che För­der- und Fi­nan­zie­rungs­ins­tru­men­te wie Kli­ma­schutz­ver­trä­ge so­wie eine en­ge­re eu­ro­pä­i­sche Zu­sam­men­ar­beit. So lässt sich die hei­mi­sche Pro­duk­ti­on von grü­nem Was­ser­stoff, der aus­schließ­lich aus er­neu­er­ba­ren Ener­gien er­zeugt wird, vo­ran­­brin­gen und zu­gleich Of­fen­heit ge­gen­über koh­len­stoff­ar­mem Was­ser­stoff für die Über­gangs­zeit bis zur voll­stän­di­gen Trans­for­ma­ti­on der Was­ser­stoff-Pro­duk­ti­on zu schaf­fen.

Erd­gas hat die Ver­gan­gen­heit der Gas­-Wirt­schaft ge­prägt, Was­ser­stoff, Am­mo­ni­ak und Bio­me­than prä­gen die Ge­gen­wart und er­öff­nen die Zu­kunft. Die Gas­-Wirt­schaft wird zur Gas- und Was­ser­stoff­-Wirt­schaft.

Expertenthema
Titelbild der Broschüre "Mit Wasserstoff erneuerbare Energien speichern und transportieren"

Mit Wasserstoff erneuerbare Energien speichern und transportieren

Was­ser­stoff wird der Ener­gie­trä­ger der Zu­kunft. In Was­ser­stoff kön­nen wir die Son­nen- und Wind­ener­gie vom Som­mer für den Win­ter spei­chern, vom Tag für die Nacht. Mit Was­ser­stoff kön­nen wir un­end­lich viel Ener­gie aus er­neu­er­ba­ren Quel­len aus der gan­zen Welt im­por­tie­ren und uns un­ab­hän­gig ma­chen von ein­zel­nen Län­dern und Tech­no­lo­gien. In un­se­rer Bro­schüre fin­den Sie die viel­fäl­ti­gen An­wen­dungs­mög­lich­kei­ten von Was­ser­stoff und was da­für nö­tig ist.

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