Mit neuen Gasen industrielle Prozesse dekarbonisieren

Dekarbonisierungspartner der Industrie

Die Trans­for­ma­tion zu kli­ma­neu­tra­len Ener­gie­pro­zes­sen macht die Nut­zung neuer Ga­se er­for­der­lich. Un­be­strit­te­ner An­wen­dungs­fall ist un­ter an­de­rem die stoff­li­che Nut­zung in der In­dus­trie. Hin­zu kom­men ener­gie­in­ten­si­ve In­dus­trie­pro­zes­se, bei de­nen ei­ne voll­stän­di­ge Elek­tri­fi­zie­rung nicht mög­lich oder wirt­schaft­lich nicht sinn­voll ist. Ge­nau dort ist Was­ser­stoff die Lö­sung für In­dus­trie­pro­zes­se mit Net­to-Treib­haus­gas­neu­tra­li­tät. Da­für ist es wich­tig, dass schnell sehr viel Was­ser­stoff ver­füg­bar sein wird, denn nach An­ga­ben des Na­ti­o­na­len Was­ser­stoff­rats wer­den al­lein die Pro­zess­in­dus­trien, zu de­nen vor al­lem die Stahl- und Che­mie­in­dus­trie ge­hö­ren, 2030 ei­nen Be­darf von 70 TWh Was­ser­stoff haben.

Industrielle Wertschöpfung: Erdgas als zentrale Energie- und Rohstoffbasis

Deutsch­land ist ei­ne In­dus­trie­na­ti­on. Deut­sche Un­ter­neh­men pro­du­zie­ren Wa­ren, Bau- und Werk­stof­fe für die gan­ze Welt: 2025 wur­den Pro­duk­te im Wert von 1,569 Bil­li­o­nen Euro (Destatis, Stand: 06.02.2026) ex­por­tiert. Die Ex­port­kraft un­se­res Lan­des ba­siert auf der In­dus­trie. Und die Pro­duk­ti­ons­kraft un­se­rer In­dus­trie ba­siert auf Gas.

Nur mit Gas lässt sich der enor­me Ener­gie­be­darf un­se­rer In­dus­trie de­cken: Die deut­sche In­dus­trie hat im Jahr 2024 ins­ge­samt rund 928,6 TWh Ener­gie ver­braucht. 300,1 TWh – und da­mit etwa ein Drittel des Ener­gie­be­darfs – wur­den durch den Ein­satz von Erd­gas gedeckt.

Die In­dus­trie ist da­mit wei­ter­hin das größ­te Ver­brauchs­seg­ment im deut­schen Gas­-Markt. Im Zu­ge der Ener­gie­kri­se war der Gas-Ab­satz in der In­dus­trie in den Jah­ren 2022 und 2023 deut­lich rück­läu­fig. Auf­grund der enorm ge­stie­ge­nen Prei­se muss­ten In­dus­trie­un­ter­neh­men ih­re Pro­duk­ti­on häu­fig zu­rück­fah­ren. Seit 2024 steigt der Gas-Ver­brauch in Deutsch­land wie­der: 2024 um rund 3 Pro­zent und 2025 um fast 5 Pro­zent ggü. dem je­wei­li­gen Vor­jahr. Be­son­ders aus­ge­prägt fiel das Wachs­tum 2025 im Ge­wer­be (+17,9 Pro­zent), in der Wär­me­ver­sor­gung (+11,3 Pro­zent) so­wie in der Strom­er­zeu­gung (+10,4 Pro­zent) aus. Auch In­dus­trie und Haus­hal­te nutz­ten wie­der mehr Gas. Die­se Ent­wick­lung zeigt, dass Un­ter­neh­men so­wie Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher nach dem ex­tre­men Preis­ni­veau der Jah­re 2022 und 2023 wie­der ver­stärkt auf Erd­gas set­zen. Sin­ken­de Groß­han­dels­prei­se, eine ver­bes­ser­te Ver­sor­gungs­si­cher­heit und die ho­he Fle­xi­bi­li­tät gas­ba­sier­ter An­wen­dun­gen er­hö­hen die At­trak­ti­vi­tät von Gas.

Gas kommt bei un­ter­schied­li­chen Pro­duk­ti­ons­ver­fah­ren zum Ein­satz, die Dampf, hei­ßes Was­ser, Hit­ze oder Käl­te er­for­dern. Gas lie­fert zum Bei­spiel die Pro­zess­wär­me, mit der Stahl aus Ei­sen­erz ge­won­nen oder Glas ge­schmol­zen wird. Gro­ße Ver­brau­chen­de sind auch die Pa­pier­her­stel­lung so­wie die Au­to­in­dus­trie, für de­ren spe­zi­fi­sche Trock­nungs­pro­zes­se Gas ver­wen­det wird. Aber auch in an­de­ren Be­rei­chen wie der Le­bens­mit­tel­pro­duk­ti­on kommt Gas in ener­gie­in­ten­si­ven Pro­zes­sen zum Ein­satz: beim Ba­cken, Trock­nen, Ga­ren oder Küh­len.

An­de­rer­seits ist Gas Aus­gangs­stoff für zahl­rei­che Pro­duk­te zum Bei­spiel in der che­mi­schen In­dus­trie. Sei­ne Viel­sei­tig­keit macht Gas zu ei­nem un­ver­zicht­ba­ren Be­stand­teil für ei­ne gan­ze Rei­he von in­dus­tri­el­len Pro­zess- und Wert­schöp­fungs­ket­ten.

Wofür wurde das Erdgas in der Industrie verwendet?

Die deut­sche In­dus­trie hat im Jahr 2024 rund 300,1 TWh Erdgas verbraucht. Rund 187,1 Te­ra­watt­stun­den – und damit den größten Anteil – haben die deutschen Unternehmen dafür ein­ge­setzt, um Pro­zess­wär­me zu er­zeu­gen. 

Etwa 44,1 Te­ra­watt­stun­den Gas wur­den in den In­dus­trie­un­ter­neh­men bei der Strom­er­zeu­gung in pro­duk­ti­ons­na­hen Kraft­wer­ken ein­ge­setzt. Ins­be­son­de­re durch die gro­ße Fle­xi­bi­li­tät und Ver­läss­lich­keit ist Gas als re­gel­ba­re Ener­gie­quel­le un­ver­zicht­bar. Ei­ne Ei­gen­strom­pro­duk­ti­on, die al­lein auf wet­ter­ab­hän­gi­ge Ener­gie­trä­ger aus­ge­rich­tet wä­re, wür­de die in­dus­tri­el­le Pro­duk­ti­on in Deutsch­land mas­siv be­dro­hen. Durch Dun­kel­flau­ten oh­ne sig­ni­fi­kan­te er­neu­er­ba­re Ener­gie­er­zeu­gung und durch exor­bi­tan­te Kos­ten für Spei­cher wä­ren Pro­duk­ti­ons­aus­fäl­le un­ver­meid­bar und der Wirt­schafts­stand­ort sig­ni­fi­kant be­nach­tei­ligt.

Der Rest wurde für die stoffliche Nutzung (rund 24,3 TWh), Raumwärme (rund 21,1 TWh), mechanische Energie (rund 5,6 TWh) und Warmwasser (2,4 TWh) verwendet.

Gas hält Industriebetriebe im Land und erhält Arbeitsplätze

Mit Erd­gas ist der CO2-Aus­stoß bei vie­len In­dus­trie­pro­zes­sen ge­rin­ger als mit an­de­ren fos­si­len Ener­gie­trä­gern und ins­be­son­de­re dann eine Al­ter­na­ti­ve, wenn die Pro­zes­se nicht mit er­neu­er­ba­ren Ener­gien um­ge­setzt wer­den kön­nen, auch wenn der CO2-Aus­stoß dann noch ge­rin­ger wäre. Das wie­de­rum hält vie­le ener­gie­in­ten­si­ve Un­ter­neh­men in Deutsch­land, denn mit Gas kön­nen sie die hier­zu­lan­de gel­ten­den Schad­stoff-Grenz­wer­te ein­hal­ten. Da­durch müs­sen sie ih­re Pro­duk­ti­ons­stät­ten nicht ins Aus­land ver­la­gern, wo die Grenz­wer­te even­tu­ell we­ni­ger streng sind, was sich negativ auf das globale CO2-Budget auswirken würde.

In­dus­trie­stand­ort un­ter Druck

Gleich­zei­tig steht die deut­sche In­dus­trie seit Jah­ren un­ter er­heb­li­chem Druck. Der Pro­duk­ti­ons­in­dex in den ener­gie­in­ten­si­ven In­dus­trie­zwei­gen liegt wei­ter­hin deut­lich un­ter dem Vor­kri­sen­ni­veau. Ho­he Ener­gie­prei­se, re­gu­la­to­ri­sche Be­las­tun­gen, stei­gen­de Bü­ro­kra­tie so­wie Un­si­cher­hei­ten bei zu­künf­ti­gen Rah­men­be­din­gun­gen ha­ben die Pro­duk­tions­kos­ten für Un­ter­neh­men in Deutsch­land spür­bar er­höht und die in­ter­na­ti­o­na­le Wett­be­werbs­fä­hig­keit ge­schwächt.

Die Fol­gen rei­chen da­bei weit über ein­zel­ne Bran­chen hi­naus. Ener­giein­ten­si­ve Grund­stoff­in­dus­trien ste­hen am An­fang zahl­rei­cher in­dus­tri­el­ler Wert­schöp­fungs­ket­ten. Wenn Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten re­du­ziert, An­la­gen still­ge­legt oder In­ves­ti­ti­o­nen ver­scho­ben wer­den, trifft dies auch nach­ge­la­ger­te Be­rei­che – vom Ma­schi­nen­bau über das Bau­ge­wer­be bis hin zum in­dus­tri­el­len Mit­tel­stand.

Zu­gleich steigt das Ri­si­ko von Carbon Leakage: Pro­duk­ti­ons­ver­la­ge­run­gen in Re­gi­o­nen mit ge­rin­ge­ren Um­welt- und Kli­ma­stan­dards schwä­chen nicht nur den Stand­ort, son­dern kon­ter­ka­rie­ren auch kli­ma­po­li­ti­sche Zie­le. Feh­len­de Pla­nungs­si­cher­heit bei Ener­gie- und In­fra­struk­tur­fra­gen wirkt da­bei wie eine In­ves­ti­ti­ons­brem­se. Ohne ver­läss­li­che Pers­pek­ti­ven für wett­be­werbs­fä­hi­ge Ener­gie­ver­sor­gung wer­den not­wen­di­ge Trans­for­ma­tions­in­ves­ti­ti­o­nen zu­rück­ge­stellt oder au­ßer­halb Eu­ro­pas ge­tä­tigt.

Be­son­ders ener­gie­in­ten­si­ve Bran­chen wie Che­mie, Stahl und wei­te­re Grund­stoff­in­dus­trien ge­ra­ten zu­neh­mend ins Hin­ter­tref­fen. Nach An­ga­ben des Ver­ban­des der Eu­ro­pä­i­schen che­mi­schen In­dus­trie (Cefic) liegt die Ka­pa­zi­täts­aus­las­tung der Che­mie­in­dus­trie in der EU 2025 bei le­dig­lich 74 Pro­zent und da­mit deut­lich unter dem lang­jäh­ri­gen Durch­schnitt von über 80 Pro­zent. Die nie­dri­ge Aus­las­tung ist da­mit ein sicht­ba­res Symp­tom des Stand­ort­drucks – und ver­schärft ihn zu­sätz­lich, weil Fix­kos­ten auf we­ni­ger Pro­duk­tion ver­teilt wer­den und In­ves­ti­ti­o­nen aus­blei­ben.

Fest steht: Ohne Ga­se kei­ne in­dus­tri­el­le Wert­schöp­fung in Deutsch­land – und ohne in­dus­tri­el­le Wert­schöp­fung kein nach­hal­ti­ges Wirt­schafts­wachs­tum. Eine si­che­re Gas­ver­sor­gung, die künf­tig auf neuen Ga­sen be­ruht, bleibt da­her eine un­ver­zicht­ba­re Grund­la­ge für den In­dus­trie­stand­ort Deutsch­land.

Gas­-Ver­brauch nach Industriesektoren

Den höchs­ten Be­darf in Deutsch­land hat die che­mi­sche In­dus­trie: Fast 30 Pro­zent des Gas­-Ver­brauchs im In­dus­trie­sek­tor ge­hen auf ihr Kon­to. Damit ist die che­mi­sche In­dus­trie der größ­te in­dus­tri­el­le Gas­ver­brau­cher in Deutsch­land. Rund drei Vier­tel die­ses Be­darfs wer­den für die Er­zeu­gung von Ener­gie ein­ge­setzt. Der übri­ge Teil dient als Grund­stoff für die che­mi­sche Pro­duk­ti­on – zum Bei­spiel zur Her­stel­lung von Am­mo­ni­ak in der Dün­ge­mit­tel­pro­duk­ti­on.

Die Papierherstellung braucht Gas

Papier braucht Gas

Für die Papierherstellung sind viele Gas-Anwendungen elementar. Für z. B. die Papiertrocknung kann künftig Wasserstoff verwendet werden.

Gas: wichtiger Rohstoff der chemischen Industrie

Gas als Rohstoff

Für vie­le Pro­zes­se in der che­mi­schen In­dus­trie ist der Energieträger ein unverzichtbarer Roh­stoff.

Ohne Gas kann kein qualitativ hochwertiges Gas hergestellt werden

Gas als Prozesswärme

Durch besonders spezialisierte Prozesse spielt Gas für Industrie und Gewerbe eine wichtige Rolle.

Gas-Versorgung hält die Industrie und unser Land am Laufen

Die In­dus­trie trägt rund 20 Pro­zent zum deut­schen Brut­to­in­lands­pro­dukt bei und bie­tet fast ei­nem Fünf­tel der in Deutsch­land be­schäf­tig­ten Men­schen ei­nen Ar­beits­platz. Um­so wich­ti­ger ist es, dass die Ver­sor­gung der Un­ter­neh­men mit Gas auch wei­ter­hin si­cher und zu­ver­läs­sig er­folgt. Denn ei­nen mas­sen­haf­ten Still­stand von Ma­schi­nen, ei­ne län­ger­fris­ti­ge Un­ter­bre­chung von Pro­zess­ket­ten oder gar ei­nen Aus­fall gan­zer In­dus­trie­zwei­ge kann sich Deutsch­land nicht leis­ten. Ein Bei­spiel: Die Schmelz­wan­nen in der Glas­in­dus­trie be­nö­ti­gen un­un­ter­bro­chen ei­ne ho­he Wär­me­zu­fuhr, um die be­nö­tig­te Tem­pe­ra­tur von ca. 1.650 Grad Cel­si­us zu er­rei­chen, bei der Glas ver­ar­bei­tet wer­den kann. Die­ses kons­tant ho­he Tem­pe­ra­tur­ni­veau geht nur mit Gas.

Wer­den die In­dus­trie­un­ter­neh­men nicht mehr mit Gas be­lie­fert, bre­chen nicht nur be­triebs­in­ter­ne Ver­ar­bei­tungs­ket­ten zu­sam­men. Auch die Zu­lie­fe­rer der Un­ter­neh­men müs­sen ih­re Leis­tung re­du­zie­ren oder ganz he­run­ter­fah­ren. Ein Gas-Lie­fer­stopp oder ein Em­bar­go wür­de au­ßer­dem zahl­rei­che Be­trie­be und da­mit Ar­beits­plät­ze in der Wei­ter­ver­ar­bei­tung ex­trem hart tref­fen. Die sich da­raus er­ge­ben­den Kas­ka­den­ef­fek­te be­schrän­ken sich auch nicht nur auf Deutsch­land: Vie­le in­ter­na­ti­o­na­le Lie­fer­ket­ten hän­gen eben­falls am Gas und an den Pro­duk­ten, die da­mit oder da­raus in Deutsch­land her­ge­stellt wer­den.

Gas ermöglicht hochspezialisierte Produktionsverfahren

We­ni­ger als acht Pro­zent des in­dus­tri­el­len Gas-Ver­brauchs in Deutsch­land könn­ten nach ei­ner Er­he­bung des Bun­des­ver­bands der Ener­gie- und Was­ser­wirt­schaft kurz­fris­tig aus an­de­ren Quel­len be­dient wer­den. Das liegt da­ran, dass vie­le In­dus­trie­be­trie­be ih­re Ef­fi­zienz­po­ten­zi­a­le be­reits aus­ge­schöpft ha­ben: Sie kön­nen ih­ren Gas-Ver­brauch nicht noch wei­ter re­du­zie­ren. An­de­rer­seits las­sen sich vie­le hoch­spe­zi­a­li­sier­te Pro­duk­ti­ons­ver­fah­ren nicht kurz­fris­tig oder gar nicht auf an­de­re Ener­gie­trä­ger wie Koh­le oder Strom um­stel­len. Die für Deutsch­land enorm wich­ti­ge che­mi­sche In­dus­trie könn­te so­gar nur vier Pro­zent ih­res Gas-Ver­brauchs kurz­fris­tig sub­sti­tu­ie­ren. Sie stellt zum Bei­spiel Dün­ger für die Nah­rungs­mit­tel­pro­duk­ti­on oder Ba­sis­stof­fe für vie­le le­bens­wich­ti­ge Me­di­ka­men­te her.

Für vie­le in­dus­tri­el­le An­wen­dun­gen ist der viel­sei­tig und fle­xi­bel ein­setz­ba­re Ener­gie­trä­ger Gas al­so un­ver­zicht­bar. Um der In­dus­trie stets ei­ne si­che­re Ver­sor­gung bie­ten zu kön­nen, ist die wei­te­re Di­ver­si­fi­zie­rung der Be­zugs­quel­len von Gas, die Pla­nung und der Bau land­sei­ti­ger deut­scher LNG-Ter­mi­nals, der Bau von Energy Hubs für den Im­port von er­neu­er­ba­ren und koh­len­stoff­ar­men Ga­sen und de­ren De­ri­va­te so­wie der Aus­bau von wei­te­ren Ener­gie­part­ner­schaf­ten wich­tig.

Gas-Lage

Wie der Spei­cher­stand ak­tu­ell ist, wie viel Gas ver­braucht wird, wie der Gas-Markt auf­ge­baut ist, er­fah­ren Sie hier. Mit un­se­rem Dash­board ge­ben wir Ih­nen ei­nen de­tail­lier­ten und ak­tu­el­len Über­blick zu den wich­tigs­ten Da­ten und Fak­ten der Gas-Ver­sor­gung in Deutsch­land.

Car­bon Ma­nage­ment: CO2-Emis­si­o­nen aus in­dus­tri­el­len Pro­zes­sen

Um das ge­setz­li­che Ziel der Net­to-Treib­haus­gas­neu­tra­li­tät bis 2045 zu er­rei­chen, kommt ins­be­son­de­re der ener­gie­in­ten­si­ven In­dus­trie eine wich­ti­ge Rol­le zu. Nach vor­läu­fi­gen An­ga­ben des Um­welt­bun­des­am­tes ent­fie­len auf den In­dus­trie­sek­tor 2025 rund 144,1 Mil­li­o­nen Ton­nen CO2-Äqui­va­len­te und da­mit et­wa 22,2 Pro­zent der deut­schen Treib­haus­gas­emis­si­o­nen. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wur­den be­reits Maß­nah­men zur Min­de­rung der Treib­haus­gas­emis­si­o­nen um­ge­setzt. Wei­te­re Min­de­run­gen kön­nen un­ter an­de­rem durch eine hö­he­re Ener­gie­ef­fi­zienz und den vers­tärk­ten Ein­satz er­neu­er­ba­rer Ener­gien er­reicht wer­den.

In ein­zel­nen Bran­chen wie der Ze­ment- oder Kalk­in­dus­trie las­sen sich pro­zess­be­ding­te Emis­si­o­nen nach heu­ti­gem Kennt­nis­stand nur schwer oder nicht voll­stän­dig ver­mei­den. Für den Um­gang mit die­sen Emis­si­o­nen kön­nen da­her zu­sätz­li­che Ver­fah­ren er­for­der­lich sein. Ein Lö­sungs­an­satz ist Carbon Capture, die Ab­schei­dung von Koh­len­dio­xid. Das ab­ge­schie­de­ne CO2 kann an­schlie­ßend ent­we­der dau­er­haft in ge­eig­ne­ten geo­lo­gi­schen For­ma­ti­o­nen ge­spei­chert (CCS) oder als Roh­stoff für in­dus­tri­el­le Pro­zes­se ge­nutzt wer­den (CCU).

Wasserstoff und die Dekarbonisierung der Industrie

Um das Ziel der Net­to-Treib­haus­gas­neu­tra­li­tät bis 2045 zu er­rei­chen, ist ein Zu­sam­men­spiel ver­schie­de­ner Maß­nah­men er­for­der­lich. Da­zu zäh­len Ener­gie­ef­fi­zienz, di­rek­te Elek­tri­fi­zie­rung, er­neu­er­ba­re Ener­gien und die Um­stel­lung von Pro­duk­ti­ons­pro­zes­sen. In ei­ni­gen An­wen­dun­gen kön­nen auch neue Gase fos­si­les Erd­gas teil­wei­se er­set­zen.

Für zahl­rei­che in­dus­tri­el­le Pro­zes­se wird Was­ser­stoff heu­te noch über die Dampf­re­for­mie­rung aus fos­si­lem Erd­gas ge­won­nen. Künf­tig kön­nen un­ter­schied­li­che Her­stel­lungs­we­ge ge­nutzt wer­den: Was­ser­stoff aus Elek­tro­ly­se mit er­neu­er­ba­rem Strom wird als grü­ner Was­ser­stoff be­zeich­net. Bei der Dampf­re­for­mie­rung mit CO2-Ab­schei­dung und -Spei­che­rung ent­steht blau­er Was­ser­stoff. Bei der Me­than­py­ro­ly­se ent­steht ne­ben Was­ser­stoff fes­ter Koh­len­stoff; die­ser wird als tür­ki­ser Was­ser­stoff be­zeich­net. Die Treib­haus­gas­bi­lanz hängt je­weils vom Her­stel­lungs­ver­fah­ren, der ein­ge­setz­ten Ener­gie und den Vor­ket­ten ab.

Die Trans­for­ma­tion des In­dus­trie­stand­or­tes Deutsch­land er­for­dert er­heb­li­che In­ves­ti­ti­o­nen in An­la­gen und Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se. Gleich­zei­tig ste­hen vie­le In­dus­trie­be­trie­be im in­ter­na­ti­o­na­len Wett­be­werb und kön­nen kos­ten­sei­tig un­ter Druck ge­ra­ten. Im Zuge der Ener­gie­wen­de muss es des­halb ge­lin­gen, den Wirt­schafts­stand­ort Deutsch­land so wett­be­werbs­fä­hig wie mög­lich zu hal­ten. Was­ser­stoff und Bio­methan kön­nen für ei­ni­ge Pro­zes­se sinn­vol­le Op­ti­o­nen sein.
 

SALCOS: Transformation der Stahlherstellung mit Wasserstoff

Die Stahl­in­dus­trie steht vor der Auf­ga­be, ihre ener­gie- und pro­zess­be­ding­ten Treib­haus­gas­emis­si­o­nen zu min­dern. Stahl ist ein uni­ver­sa­ler Werk­stoff, der viel­sei­tig ein­ge­setzt wird und re­cy­cel­bar ist. Bei der Her­stel­lung kön­nen der Ein­satz von Stahl­schrott, er­neu­er­ba­rem Strom und Was­ser­stoff aus Elek­tro­ly­se mit er­neu­er­ba­rem Strom zur Emis­si­ons­min­de­rung bei­tra­gen.

Ein Bei­spiel ist das Trans­for­ma­tions­pro­gramm SALCOS® – Salz­git­ter Low CO2 Steelmaking. Die Salz­git­ter AG stellt ihre bis­he­ri­ge Hoch­ofen­route schritt­wei­se auf eine Di­rekt­re­duk­ti­ons­an­la­ge mit wach­sen­dem Was­ser­stoff­ein­satz und einen Elek­tro­licht­bo­gen­ofen um. Die ers­te neue Pro­duk­tions­route soll im ers­ten Halb­jahr 2027 den Be­trieb auf­neh­men.

Bei der Di­rekt­re­duk­tion kann Was­ser­stoff aus Elek­tro­ly­se mit er­neu­er­ba­rem Strom koh­len­stoff­hal­ti­ge Re­duk­tions­mit­tel er­set­zen und da­durch CO2-Emis­si­o­nen im Her­stel­lungs­pro­zess min­dern. Nach An­ga­ben der Salz­git­ter AG soll die voll­stän­di­ge Um­set­zung von SALCOS® tech­nisch er­mög­li­chen, rund 95 Pro­zent der Scope-1-CO2-Emis­si­o­nen der pri­mä­ren Stahl­her­stel­lung ein­zu­spa­ren. Die­ses Ziel be­zieht sich auf die ge­sam­te Um­stel­lung der Pro­duk­tions­rou­te ein­schließ­lich Di­rekt­re­duk­tion, Elek­tro­licht­bo­gen­öfen, er­neu­er­ba­rem Strom und Was­ser­stoff.

Cookies
Verwalten Sie Ihre Cookie-Einstellungen
Wir verwenden Cookies, um Ihnen eine optimale Nutzung unseres Internetangebots zu ermöglichen. Dazu zählen Cookies, die für den sicheren und technischen Betrieb der Website notwendig sind, sowie solche, die zu anonymen Statistikzwecken genutzt werden. Einige Informationen zur Verwendung unserer Website geben wir an Partner für soziale Medien und Werbung weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben.

In den folgenden Cookie-Zustimmungsoptionen können Sie die Cookies verwalten und zusätzliche Kategorien zulassen. Indem Sie auf den Button "Alle Cookies akzeptieren" klicken, werden alle Kategorien von Cookies aktiviert. Ihre Einwilligung können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Ihre Auswahl: