Mit Erdgas ist der CO2-Ausstoß bei vielen Industrieprozessen geringer als mit anderen fossilen Energieträgern und insbesondere dann eine Alternative, wenn die Prozesse nicht mit erneuerbaren Energien umgesetzt werden können, auch wenn der CO2-Ausstoß dann noch geringer wäre. Das wiederum hält viele energieintensive Unternehmen in Deutschland, denn mit Gas können sie die hierzulande geltenden Schadstoff-Grenzwerte einhalten. Dadurch müssen sie ihre Produktionsstätten nicht ins Ausland verlagern, wo die Grenzwerte eventuell weniger streng sind, was sich negativ auf das globale CO2-Budget auswirken würde.
Industriestandort unter Druck
Gleichzeitig steht die deutsche Industrie seit Jahren unter erheblichem Druck. Der Produktionsindex in den energieintensiven Industriezweigen liegt weiterhin deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Hohe Energiepreise, regulatorische Belastungen, steigende Bürokratie sowie Unsicherheiten bei zukünftigen Rahmenbedingungen haben die Produktionskosten für Unternehmen in Deutschland spürbar erhöht und die internationale Wettbewerbsfähigkeit geschwächt.
Die Folgen reichen dabei weit über einzelne Branchen hinaus. Energieintensive Grundstoffindustrien stehen am Anfang zahlreicher industrieller Wertschöpfungsketten. Wenn Produktionskapazitäten reduziert, Anlagen stillgelegt oder Investitionen verschoben werden, trifft dies auch nachgelagerte Bereiche – vom Maschinenbau über das Baugewerbe bis hin zum industriellen Mittelstand.
Zugleich steigt das Risiko von Carbon Leakage: Produktionsverlagerungen in Regionen mit geringeren Umwelt- und Klimastandards schwächen nicht nur den Standort, sondern konterkarieren auch klimapolitische Ziele. Fehlende Planungssicherheit bei Energie- und Infrastrukturfragen wirkt dabei wie eine Investitionsbremse. Ohne verlässliche Perspektiven für wettbewerbsfähige Energieversorgung werden notwendige Transformationsinvestitionen zurückgestellt oder außerhalb Europas getätigt.
Besonders energieintensive Branchen wie Chemie, Stahl und weitere Grundstoffindustrien geraten zunehmend ins Hintertreffen. Nach Angaben des Verbandes der Europäischen chemischen Industrie (Cefic) liegt die Kapazitätsauslastung der Chemieindustrie in der EU 2025 bei lediglich 74 Prozent und damit deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von über 80 Prozent. Die niedrige Auslastung ist damit ein sichtbares Symptom des Standortdrucks – und verschärft ihn zusätzlich, weil Fixkosten auf weniger Produktion verteilt werden und Investitionen ausbleiben.
Fest steht: Ohne Gase keine industrielle Wertschöpfung in Deutschland – und ohne industrielle Wertschöpfung kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Eine sichere Gasversorgung, die künftig auf neuen Gasen beruht, bleibt daher eine unverzichtbare Grundlage für den Industriestandort Deutschland.