Wasserstoff: Wofür kann er verwendet werden?

Was­ser­stoff und sei­ne Devri­va­te kön­nen eine wich­ti­ge Rol­le im künf­ti­gen Ener­gie­sys­tem über­neh­men, denn sie sind viel­sei­tig ein­setz­bar. Je nach Her­stel­lungs­weg und An­wen­dung kön­nen sie zur Min­de­rung von Treib­haus­gas­emis­si­o­nen bei­tra­gen. Was­ser­stoff kann als Ener­gie­trä­ger für in­dus­tri­el­le Pro­zes­se, für die Wär­me­ver­sor­gung oder als al­ter­na­ti­ver Kraft­stoff in der Mo­bi­li­tät ver­wen­det wer­den.

Der gas­för­mi­ge Ener­gie­trä­ger kann in ge­eig­ne­ten oder um­ge­rüs­te­ten An­la­gen, et­wa in Ka­ver­nen­spei­chern, ge­la­gert und über ent­spre­chend aus­ge­leg­te Lei­tun­gen trans­por­tiert wer­den.

Wasserstoff als Energiespeicher

Was­ser­stoff eig­net sich zum Spei­chern von nicht be­nö­tig­tem er­neu­er­ba­rem Strom und er­mög­licht so, die er­neu­er­ba­re Strom­er­zeu­gung ab­zu­si­chern und die Ver­stro­mung zu fle­xi­bi­li­sie­ren. Durch die Um­wand­lung elek­tri­scher Ener­gie in che­mi­sche Ener­gie in Form von Was­ser­stoff kön­nen enor­me Men­gen an Ener­gie lang­fris­tig und auf un­ter­schied­lichs­te Wei­se ge­spei­chert wer­den: in klei­nen Men­gen oder in meh­re­ren Tau­send Ton­nen um­fas­sen­den un­ter­ir­di­schen Gas-Ka­ver­nen. Die Gas-In­fra­struk­tur er­mög­licht es, dass Was­ser­stoff al­len Sek­to­ren zu­gäng­lich ge­macht wird.

Was­ser­stoff für eine In­dus­trie mit we­ni­ger CO2-Emis­si­o­nen

Deutsch­land braucht ei­ne in­no­va­ti­ve, tech­no­lo­gisch fort­schritt­li­che In­dus­trie mit sin­ken­den CO2-Emis­si­o­nen, die auf dem glo­ba­len Markt auch künf­tig wirt­schaft­lich mit­hal­ten kann. Durch die Ver­wen­dung von Was­ser­stoff bie­tet sich für die In­dus­trie ein enor­mes Po­ten­zi­al bei ih­ren ener­gie­in­ten­si­ven Pro­zes­sen CO2 ein­zu­spa­ren. Da­bei ist der Ein­satz von Was­ser­stoff nicht auf be­stimm­te Be­rei­che be­schränkt, viel­mehr kann er zur Treib­haus­gas­neu­tra­li­tät in­dus­tri­el­ler Wert­schöp­fungs­ket­ten bei­tra­gen. Was­ser­stoff kann da­mit in ver­schie­de­nen in­dus­tri­el­len Wert­schöp­fungs­ket­ten ein­ge­setzt wer­den und ist eine wich­ti­ge tech­ni­sche Op­tion für die Trans­for­ma­tion der In­dus­trie.

In der Stahl­in­dus­trie kann Was­ser­stoff bei­spiels­wei­se Koh­le als Re­duk­tions­mit­tel er­set­zen. In der che­mi­schen In­dus­trie kann er an die Stel­le von her­kömm­lich aus Erd­gas ge­won­ne­nem Was­ser­stoff tre­ten. Mit dem Start­schuss zur Um­set­zung der Na­ti­o­na­len Was­ser­stoff­stra­te­gie 2020 wur­de ein po­li­ti­scher Rah­men für die För­de­rung ent­spre­chen­der Pro­jek­te ge­schaf­fen. In Pi­lot- und De­mons­tra­ti­ons­pro­jek­ten wird die was­ser­stoff­ba­sier­te Stahl­her­stel­lung er­probt.

Auch in der Glas­in­dus­trie wird der teil­wei­se oder voll­stän­di­ge Er­satz von Erd­gas durch Was­ser­stoff er­probt. Mit stei­gen­dem Was­ser­stoff-An­teil kön­nen die di­rek­ten CO2-Emis­si­o­nen aus der Ver­bren­nung sin­ken. Die ge­sam­te Treib­haus­gas­bi­lanz hängt da­von ab, wie der Was­ser­stoff her­ge­stellt wird.

Einsatz in der Wärmeversorgung

Emissionsärmer heizen mit Wasserstoff

Die ener­gie­be­ding­ten CO2-Emis­si­o­nen des Ge­bäu­de­sek­tors wur­den von 1990 bis 2024 um fast 52 Pro­zent ver­rin­gert. Bis 2045 soll auch der Wär­me­markt treib­haus­gas­neu­tral sein. Um das Ziel zu er­rei­chen, müs­sen wei­ter­hin gro­ße An­stren­gun­gen un­ter­nom­men wer­den. Der An­teil re­ge­ne­ra­tiv er­zeug­ter End­ener­gien für die Wär­me­ver­sor­gung lag 2025 bei rund 19 Pro­zent und da­mit nur leicht über dem Vor­jah­res­wert von rund 18 Pro­zent.

Wasserstoffheizung Brennstoffzelle

Wird Erd­gas beim Hei­zen durch rei­nen Was­ser­stoff er­setzt, ent­ste­hen bei der Nut­zung im Ge­bäu­de kei­ne di­rek­ten CO2-Emis­si­o­nen. Die ge­sam­te Treib­haus­gas­bi­lanz hängt von der Her­stel­lung und Be­reit­stel­lung des Was­ser­stoffs ab. Die Ver­wen­dung von Was­ser­stoff bie­tet al­so gro­ße CO2-Ein­spar­po­ten­zi­a­le, wenn er mit Hil­fe von er­neu­er­ba­ren Ener­gien her­ge­stellt wur­de. Denn rund 50 Pro­zent der Haus­hal­te und 1,8 Mil­li­o­nen Ge­wer­be- und In­dus­trie­be­trie­be in Deutsch­land sind an das Gas-Netz an­ge­schlos­sen, das be­reits zum gro­ßen Teil H2-ready ist. Be­son­ders Ge­bäu­de, die nicht oder nur mit ho­hem fi­nan­zi­el­lem Auf­wand auf ei­ne strom­ba­sier­te Wär­me­ver­sor­gung um­ge­stellt wer­den kön­nen, ha­ben durch den An­schluss an das Gas-Netz bes­te Vo­raus­set­zun­gen für ei­ne Ver­sor­gung mit Was­ser­stoff. H2-ready Heiz­kes­sel sind be­reits heu­te ver­füg­bar. Mit der Brenn­stoff­zel­le gibt es be­reits ei­ne was­ser­stoff­ba­sier­te Hei­zung, die ne­ben Wär­me auch Strom pro­du­ziert.

Auch in Fern- und Nah­wär­me­net­zen, de­ren Be­deu­tung wei­ter zu­neh­men wird, kann der Ener­gie­trä­ger ei­nen wert­vol­len Bei­trag leis­ten. Im Jahr 2025 lag der An­teil er­neu­er­ba­rer Ener­gien an der Fern­wär­me bei schät­zungs­wei­se 19,5 Pro­zent. KWK-An­la­gen – mit einem An­teil von et­wa 70 Pro­zent an der Fern­wär­me­ver­sor­gung – zur Ener­gie­ver­sor­gung von z. B. Stadt­quar­tie­ren kön­nen künf­tig mit Was­ser­stoff und da­mit mit deut­lich re­du­zier­ten Treib­haus­gas­emis­si­o­nen be­trie­ben wer­den.

Partner von Hydrogen Germany

Wir sind Partner der Wirtschaftsallianz Hydrogen Germany

Die Wirtschaftsallianz he­bt die Stär­ke der Was­ser­stoff-Wirt­schaft und die Chan­cen für Deutsch­land als Was­ser­stoff­land her­vor. Sie verleiht der Was­ser­stoff-Wert­schöp­fungs­ket­te ein Ge­sicht und de­mon­strie­rt Trans­for­ma­tions­kraft. Sie bil­det eine ge­mein­sa­me Platt­form, die Ver­trauen in das Was­ser­stoff­land Deutsch­land schafft.

Vaillant testet wasserstofffähige Heizungen

Best Practice

Mit Wasserstoff heizen

Im Was­ser­stoff­dorf Bit­ter­feld-Wol­fen er­prob­ten Vaillant und MITNETZ GAS ein Brenn­wert­ge­rät für den Be­trieb mit 100 Pro­zent Was­ser­stoff. Das Ge­rät wur­de 2023 im Rah­men des in­zwi­schen ab­ge­schlos­se­nen For­schungs­pro­jekts "H2-Infra" in Be­trieb ge­nom­men. Das Test­feld wird wei­ter­hin für For­schungs- und De­mon­stra­ti­ons­zwe­cke ge­nutzt.

Nach An­ga­ben von Vaillant kön­nen be­stimm­te Gas-Brenn­wert­ge­rä­te, die seit Ja­nu­ar 2024 her­ge­stellt wur­den, auf den Be­trieb mit 100 Pro­zent Was­ser­stoff um­ge­rüs­tet wer­den. Die da­für vor­ge­se­he­nen Um­rüst­sät­ze wer­den seit Ap­ril 2026 an­ge­bo­ten.

Produkte mit geringerem CO2-Fußabdruck und wirtschaftlich herstellen in Deutschland

Best Practice

Produkte mit geringerem CO2-Fußabdruck und wirtschaftlich herstellen

Für eine In­dus­trie, die wett­be­werbs­fä­hig blei­ben soll, ist es not­wen­dig, dass wir das Kli­ma so­wie die Wirt­schaft­lich­keit glei­cher­ma­ßen im Blick ha­ben. Mit tech­no­lo­gi­schen In­no­va­ti­o­nen löst die Branche um­welt­po­li­ti­sche He­raus­for­de­run­gen.

Praxisbeispiel Haßfurt: Dezentrale Energieerzeugung des Stadtwerks

Best Practice

Dezentrale Energieerzeugung ermöglicht kommunale Energieautonomie

Grü­ner Was­ser­stoff, der durch Elek­tro­ly­se aus er­neu­er­ba­ren Ener­gien er­zeugt wur­de, eig­net sich als Ener­gie­spei­cher. So bleibt die Ener­gie in der Re­gion und sorgt für Ver­sor­gungs­si­cher­heit und Preis­sta­bi­li­tät. Die klei­ne Stadt Haß­furt mit ih­ren knapp 14.000 Ein­woh­ne­rin­nen und Ein­woh­nern macht vor, wie das geht.

Einsatz in der Stromerzeugung

Wasserstoff für die Stromerzeugung

Auch für die Strom­er­zeu­gung spielt Was­ser­stoff ei­ne wich­ti­ge Rol­le: Denn was­ser­stoff­fä­hi­ge Gas-Kraft­wer­ke sind künf­tig das ver­läss­li­che Back-Up für die vo­la­ti­len er­neu­er­ba­ren Ener­gien. Wenn der Wind nicht weht und die Son­ne nicht scheint, wer­den sie un­se­re Strom­ver­sor­gung wei­ter si­chern. Schon heu­te ver­ur­sa­chen Gas-Kraft­wer­ke ge­rin­ge­re CO2-Emis­si­o­nen pro Ki­lo­watt­stun­de: Be­zo­gen auf den un­te­ren Heiz­wert lie­gen die spe­zi­fi­schen CO2-Emis­si­o­nen bei rund 202 g CO2/kWh für Erd­gas ge­gen­über rund 337 g CO2/kWh für Stein­koh­le. Noch wer­den sie mit Erd­gas be­trie­ben, aber der Fuel Switch auf er­neu­er­ba­re und de­kar­bo­ni­sier­te Ga­se wie Was­ser­stoff ist be­reits vor­ge­zeich­net.

Transport und Verteilung.

Wasserstoff effizient ans Ziel bringen

Da­mit Was­ser­stoff sei­ne Rol­le im Ener­gie­sys­tem ent­fal­ten kann, braucht es leis­tungs­fä­hi­ge Trans­port- und Ver­teil­struk­tu­ren.

Ein ent­schei­den­der Vor­teil: Gro­ße Tei­le der be­ste­hen­den Gas-In­fra­struk­tur kön­nen für Was­ser­stoff ge­nutzt und schritt­wei­se um­ge­stellt wer­den. Das gilt nicht nur für Fern­lei­tungs­net­ze, son­dern auch für die re­gi­o­na­len Ver­teil­net­ze, die In­dus­trie, Ge­wer­be und Haus­hal­te er­rei­chen.

So kann Was­ser­stoff dort­hin ge­lan­gen, wo er ge­braucht wird – ef­fi­zient, flä­chen­de­ckend und oh­ne den voll­stän­di­gen Neu­auf­bau einer In­fra­struk­tur.

Wasserstoff im lokalen Verteilnetz

Best Practice

Zukunfts­fähige Trans­formation der Gasnetze

Grü­ner Was­ser­stoff, der durch Elek­tro­ly­se aus er­neu­er­ba­ren Ener­gien er­zeugt wur­de, kann die CO2-Emis­si­o­nen sen­ken und stellt für den Ein­zel­nen eine tech­nisch und wirt­schaft­lich in­te­res­san­te Op­tion für eine Wär­me­ver­sor­gung mit deut­lich re­du­zier­ten Treib­haus­gas­emis­si­o­nen dar. Das Pi­lot­pro­jekt H2Direkt in Ho­hen­wart zeigt ein­drucks­voll, wie aus den heu­ti­gen Gas-Ver­teil­net­zen die Was­ser­stoff-Net­ze von mor­gen wer­den und Haus­hal­te so­wie Ge­wer­be ef­fi­zient mit Was­ser­stoff zum Hei­zen ver­sorgt wer­den kön­nen.

Einsatz im Verkehrssektor

Mobilität mit Wasserstoff

Was­ser­stoff­lö­sun­gen ste­hen auch im schwer zu de­kar­bo­ni­sie­ren­den Schwer­last­ver­kehr zur Ver­fü­gung. Für län­ge­re Stre­cken, im öf­fent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr oder für den Gü­ter­trans­port kön­nen was­ser­stoff­be­trie­be­ne Fahr­zeu­ge die Elek­tro­mo­bi­li­tät er­gän­zen. Brenn­stoff­zel­len-Fahr­zeu­ge tan­ken rei­nen Was­ser­stoff und wan­deln die­sen in Strom um. Sie zäh­len al­so zu den Elek­tro­au­tos. Im Ge­gen­satz zu ei­nem bat­te­rie­elek­tri­schen Fahr­zeug wird der Strom aber nicht mit­ge­führt, son­dern di­rekt im Fahr­zeug er­zeugt und in ei­ner Bat­te­rie zwischenge­spei­chert. Beim Be­trieb der Brenn­stoff­zel­le ent­ste­hen kei­ne lo­ka­len CO2- oder Luft­schad­stoff­emis­si­o­nen. Zu­dem ver­ur­sacht der An­trieb nur ge­rin­ge Ge­räu­sche.

Aus Was­ser­stoff her­ge­stell­te syn­the­ti­sche Kraft­stof­fe kön­nen auch im Flug- und Schiffs­ver­kehr ein­ge­setzt wer­den. Wer­den sie mit er­neu­er­ba­rem Strom und CO2 aus der Luft oder aus bio­ge­nen Quel­len her­ge­stellt, kön­nen sie über den Le­bens­zyk­lus we­ni­ger Treib­haus­gas­emis­si­o­nen ver­ur­sa­chen als fos­si­le Kraft­stof­fe.

Branchennews 07. Oktober 2026

tesa bezieht ab 2028 grünen Wasserstoff von EWE aus Emden

Zur Meldung

Wasserstoff-Technologien können Treibhausgasemissionen mindern

Was­ser­stoff kann in ei­ni­gen An­wen­dun­gen da­zu bei­tra­gen, das Ziel der Net­to-Treib­haus­gas­neu­tra­li­tät bis 2045 zu er­rei­chen. Ins­be­son­de­re Be­rei­che, die heu­te noch auf Erd­gas an­ge­wie­sen sind, kön­nen durch den Ein­satz von Was­ser­stoff ih­re di­rek­ten CO2-Emis­si­o­nen am Ein­satz­ort re­du­zie­ren: Be­zo­gen auf den un­te­ren Heiz­wert ver­ur­sacht Erd­gas rund 202 g CO2/kWh, wäh­rend bei der Nut­zung von Was­ser­stoff kei­ne di­rek­ten CO2-Emis­si­o­nen ent­ste­hen. Blau­er Was­ser­stoff kann ge­gen­über der kon­ven­ti­o­nel­len Was­ser­stoff­her­stel­lung oh­ne CO2-Ab­schei­dung Emis­si­o­nen re­du­zie­ren. Der Um­fang hängt un­ter an­de­rem vom Ab­schei­de­grad und den Emis­si­o­nen der Erd­gas-Be­reit­stel­lung ab. Grü­ner Was­ser­stoff, der per Elek­tro­ly­se mit er­neu­er­ba­rem Strom her­ge­stellt wird, kann je nach An­wen­dung die Treib­haus­gas­emis­si­o­nen ge­gen­über fos­si­len Ener­gie­trä­gern re­du­zie­ren. Der Aus­bau er­neu­er­ba­rer Ener­gien ist da­für eine wich­ti­ge Vo­raus­set­zung. Denn um den Ener­gie­trä­ger mög­lichst breit ein­zu­set­zen und sein Po­ten­zi­al zur Emis­si­ons­min­de­rung aus­zu­schöp­fen, muss er in aus­rei­chen­dem Maß ver­füg­bar sein. Aus Sicht des Ver­bands sind da­her zu­nächst für ei­nen er­folg­rei­chen Was­ser­stoff­hoch­lauf ver­schie­de­ne Er­zeu­gungs­we­ge not­wen­dig.

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