Ein Kapazitätsmarkt für eine sichere Stromversorgung

Deutsch­lands Strom­markt ba­siert ak­tu­ell auf dem Design des Energy-Only-Mark­tes (EOM), bei dem aus­schließ­lich der tat­säch­lich pro­du­zier­te und ge­lie­fer­te Strom an­hand des Merit-Order-Prin­zips ver­gü­tet wird. Im Ge­gen­satz da­zu sieht ein Ka­pa­zi­täts­markt auch Ver­gü­tun­gen für das Vor­hal­ten von ge­si­cher­ten Kraft­werks­ka­pa­zi­tä­ten vor, auch wenn kein Strom pro­du­ziert wird. So kön­nen auch in ei­nem li­be­ra­li­sier­tem Markt In­ves­ti­ti­o­nen in Kraft­werks­ka­pa­zi­tä­ten für Re­ser­ve und Back-ups über eine ge­si­cher­te Re­fi­nan­zie­rung an­ge­reizt wer­den.

Lan­ge Zeit sprach sich die Po­li­tik ge­gen eine Än­de­rung des be­ste­hen­den Strom­markt­designs aus und erst mit den Plä­nen zu einer Kraft­werks­stra­te­gie wur­de der Fo­kus auf den Aus­bau von ge­si­cher­ten Kraft­werks­ka­pa­zi­tä­ten neu aus­ge­rich­tet. An­fang Fe­bru­ar 2024 ver­ein­bar­te die Bun­des­re­gie­rung die we­sent­li­chen Eck­punk­te der deut­schen Kraft­werks­stra­te­gie (KWS). Im Ja­nu­ar 2026 konn­te sich die Bun­des­re­gie­rung dann end­lich mit der EU-Kom­mis­sion auf eine Kraft­werks­stra­te­gie ei­ni­gen. Die EU-Kom­mis­sion gab den Weg frei für zehn Gi­ga­watt (GW) an Neu­bau mit Lang­frist­ka­pa­zi­tät so­wie zwei GW tech­no­lo­gie­of­fe­ner ge­si­cher­ter Leis­tung bis 2031. Noch im Jahr 2026 star­ten im Rah­men des StromVKG meh­re­re Aus­schrei­bungs­run­den für neue steu­er­ba­re Ka­pa­zi­tä­ten von ins­ge­samt rund zwölf Gi­ga­watt, da­von der größ­te Teil als lang­fris­tig ge­bun­de­ne, was­ser­stoff­fä­hi­ge Kraft­wer­ke. Er­gän­zend da­zu wer­den tech­no­lo­gie­of­fe­ne Aus­schrei­bun­gen für ge­si­cher­te Leis­tung – et­wa Spei­cher und an­de­re fle­xib­le Lö­sun­gen – vor­be­rei­tet, die bis 2031 zur Ver­sor­gungs­si­cher­heit bei­tra­gen sol­len.

Warum braucht Deutschland ein neues Strommarktdesign?

Die Strom­ver­sor­gung in Deutsch­land hat sich ge­än­dert und ist durch den Hoch­lauf der er­neu­er­ba­ren Ener­gien ge­kenn­zeich­net. Durch die zu­neh­men­de Elek­tri­fi­zie­rung von Pro­zes­sen und dem gleich­zei­ti­gen Aus­stieg aus Atom- und Koh­le­ener­gie steht der Strom­markt vor He­raus­for­de­run­gen: Die Spit­zen­last, al­so die not­wen­di­ge ge­si­cher­te Leis­tung zum Zeit­punkt der höchs­ten Strom­nach­fra­ge, steigt, wäh­rend die ge­si­cher­te Leis­tung bei der Strom­er­zeu­gung sinkt. Bis zum Jahr 2030 wer­den mehr als 30 Gi­ga­watt (GW) an ge­si­cher­ter Leis­tung vom Netz ge­hen. Al­lein im Zeit­raum 2020 bis 2022 wur­den 8 GW vom Netz ge­nom­men. Gleich­zei­tig ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Spit­zen­last auf rund 98 GW an­steigt. Da­durch ent­steht eine Strom­lü­cke und auf ab­seh­ba­rer Zeit die Not­wen­dig­keit des Aus­baus von ge­si­cher­ten Kraft­werks­ka­pa­zi­tä­ten.

Stromlücke bis 2030

Der Zu­bau an Ka­pa­zi­tä­ten zur Strom­er­zeu­gung, die auch dann zur Ver­fü­gung ste­hen, wenn der Wind nicht weht und die Son­ne nicht scheint, wird selbst un­ter op­ti­mis­ti­scher An­nah­me ver­mut­lich nicht aus­rei­chen: 2031 wer­den wei­ter­hin min­des­tens 15 Gi­ga­watt an ge­si­cher­ter Leis­tung feh­len.

Das zeigt das Sze­na­rio der Stu­die "Markt­de­sign für ei­nen si­che­ren, wirt­schaft­li­chen und de­kar­bo­ni­sier­ten Strom­markt", die das Be­ra­tungs­un­ter­neh­men enervis im Auf­trag von DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT durch­ge­führt hat.

Netzstabilität und Versorgungssicherheit werden derzeit nicht vergütet

Die Zu­ver­läs­sig­keit in der Strom­ver­sor­gung ist für un­se­re Wirt­schaft und In­dus­trie, aber auch für das täg­li­che Le­ben ab­so­lut un­ver­zicht­bar. Es muss drin­gend in den not­wen­di­gen Zu­bau von Er­zeu­gungs­ka­pa­zi­tä­ten wie was­ser­stoff­fä­hi­ge Gas-Kraft­wer­ke in­ves­tiert wer­den, an­dern­falls kann ei­ne si­che­re Strom­ver­sor­gung un­ter Um­stän­den nur mit auf­wen­di­gen und teu­ren Re­dis­patching-Maß­nah­men – Ein­grif­fe in die Er­zeu­gungs­leis­tung von Kraft­wer­ken, um Lei­tungs­ab­schnit­te vor ei­ner Über­las­tung zu schüt­zen – durch die Netz­be­trei­ber ge­währ­leis­tet wer­den.

Die Eu­ro­pä­i­sche Union hat ei­nen ge­mein­sa­men Ener­gie­bin­nen­markt, die na­ti­o­na­len Märk­te un­ter­schei­den sich den­noch in zwei grund­sätz­li­che Sys­te­me: den Energy-Only-Markt (EOM) und den Ka­pa­zi­täts­markt.

Ein Groß­teil des Strom­mark­tes in Deutsch­land ist ein Energy-Only-Markt, das heißt: Nur tat­säch­lich er­zeug­te Strom­men­gen kön­nen ge­han­delt wer­den. Der Strom­preis bil­det sich aus­schließ­lich aus An­ge­bot und Nach­fra­ge der tat­säch­li­chen Strom­er­zeu­gung. An­bie­ter von Ka­pa­zi­tä­ten er­wirt­schaf­ten al­so nur Ein­nah­men, wenn ih­re an­ge­bo­te­ne Ka­pa­zi­tät ab­ge­ru­fen wird. Das Vor­hal­ten von Re­ser­ve­ka­pa­zi­tä­ten, die bei Be­darf zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den kön­nen, wird in die­sem Strom­markt­de­sign nicht ver­gü­tet. Die In­ves­ti­ti­on in den Bau z. B. neu­er Gas-Kraft­wer­ke müss­te sich über we­ni­ge Stun­den im Jahr rech­nen, al­so wenn der Strom­preis ex­trem in die Hö­he schießt. Das setzt ei­ne ho­he Ri­si­ko­be­reit­schaft bei In­ves­to­ren vo­raus. Da­bei sind Gas-Kraft­wer­ke als re­gel­ba­re Er­zeu­gungs­an­la­gen in der La­ge, Ka­pa­zi­tä­ten vor­zu­hal­ten und an­zu­bie­ten, die zur Ab­si­che­rung von Eng­pass­si­tu­a­ti­o­nen, zum Bei­spiel bei ei­ner Dun­kel­flau­te er­for­der­lich sind.

Mit dem Strom-Ver­sor­gungs­si­cher­heits- und Ka­pa­zi­tä­ten­ge­setz (StromVKG) führt die Bun­des­re­gie­rung nun erst­mals ei­nen Ka­pa­zi­täts­markt ein, der die Be­reit­hal­tung von ge­si­cher­ter Leis­tung ver­gü­tet und da­mit In­ves­ti­ti­o­nen in neue, was­ser­stoff­fä­hi­ge Gas-Kraft­wer­ke und an­de­re fle­xib­le Ka­pa­zi­tä­ten ab­si­chern soll. Der bis­he­ri­ge Energy Only Markt wird da­mit schritt­wei­se um ein Ka­pa­zi­täts­me­cha­nis­mus Ele­ment er­gänzt, das ge­zielt auf Ver­sor­gungs­si­cher­heit und die In­te­gra­tion ho­her An­tei­le er­neu­er­ba­rer Ener­gien aus­ge­rich­tet ist.

Maßnahmen für mehr Versorgungssicherheit

Mit der Kraft­werks­stra­te­gie und dem StromVKG schafft die Bun­des­re­gie­rung neue An­rei­ze für den Aus­bau ge­si­cher­ter Leis­tung. Ab 2026 sol­len schritt­wei­se rund 12 GW neue, steu­er­ba­re und was­ser­stoff­fä­hi­ge Ka­pa­zi­tä­ten so­wie wei­te­re tech­no­lo­gie­of­fe­ne Aus­schrei­bun­gen bis 2031 star­ten; er­gänzt wird dies durch ei­nen Ka­pa­zi­täts­markt, der die Ver­sor­gungs­si­cher­heit lang­fris­tig ab­si­chern soll. Das ist not­wen­dig, da der be­ste­hen­de Energy-Only-Markt setzt kei­ne aus­rei­chen­den In­ves­ti­ti­ons­sig­na­le setzt, um den Bau drin­gend be­nö­tig­ter re­gel­ba­rer Leis­tung an­zu­rei­zen. Um die ak­tu­ell ho­he Qua­li­tät der Strom­ver­sor­gung auch in Zei­ten der Höchst­last bei­zu­be­hal­ten, müs­sen aus­rei­chend Er­zeu­gungs­ka­pa­zi­tä­ten vor­han­den sein.

Hohe Zuverlässigkeit der Stromversorgung

Der SAIDI zeigt: Die durchschnittliche Versorgungsunterbrechung in Deutschland ist auf einem niedrigen Niveau und ein Indiz für die Versorgungszuverlässigkeit.

Quelle: BNetzA

StromVKG schafft Grundlage für wasserstofffähige Kraftwerke und den Kohleausstieg

Über Jah­re fehl­te ein be­last­ba­rer Rechts­rah­men für den not­wen­di­gen Um­bau des deut­schen Kraft­werks­parks. Da­durch ge­riet auch der Koh­le­aus­stieg un­ter Druck: Mit der Still­le­gung der Koh­le­kraft­wer­ke geht ge­si­cher­te Leis­tung ver­lo­ren, wäh­rend ein zu­neh­mend von Wind- und So­lar­ener­gie ge­präg­tes Strom­sys­tem fle­xib­le, steu­er­ba­re Kraft­wer­ke zur Ab­si­che­rung von Dun­kel­flau­ten und Last­spit­zen be­nö­tigt. Nach lang­wie­ri­gen po­li­ti­schen und eu­ro­pä­i­schen Ab­stim­mun­gen hat der Bun­des­tag im Ju­li 2026 mit dem Strom-Ver­sor­gungs­si­cher­heits- und Ka­pa­zi­tä­ten­ge­setz (StromVKG) nun die ent­schei­den­de Grund­la­ge für den Bau neuer Ka­pa­zi­tä­ten ge­schaf­fen. Die ers­ten Aus­schrei­bun­gen sind 2026 ge­star­tet, so dass ins­be­son­de­re neue was­ser­stoff­fä­hi­ge Gas-Kraft­wer­ke ab 2031 zur Ver­fü­gung ste­hen und die Ver­sor­gungs­si­cher­heit so­wie den Koh­le­aus­stieg ver­läss­lich ab­si­chern kön­nen. Da­mit ent­steht end­lich mehr Pla­nungs- und In­ves­ti­ti­ons­si­cher­heit. Ent­schei­dend ist nun, dass Aus­schrei­bun­gen, Ge­neh­mi­gun­gen, Kraft­werks­stand­or­te so­wie Gas- und künf­ti­ge Was­ser­stoff­an­schlüs­se zü­gig und auf­ei­nan­der ab­ge­stimmt um­ge­setzt wer­den. Ein um­fas­sen­der Ka­pa­zi­täts­markt soll die­sen Rah­men an­schlie­ßend er­gän­zen und die dau­er­haf­te Be­reit­stel­lung ge­si­cher­ter Leis­tung ho­no­rie­ren.

Was­ser­stoff­fä­hi­ge Gas-Kraft­wer­ke sind Vo­raus­set­zung für eine si­che­re Ener­gie­wen­de. Sie lie­fern Strom, wenn Wind und Son­ne nicht aus­rei­chen, si­chern Dun­kel­flau­ten und Last­spit­zen ab und schaf­fen zu­gleich die An­la­gen­ba­sis für den spä­te­ren Be­trieb mit Was­ser­stoff.

Dr. Timm Kehler, Vorstand DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT
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Vorteil Kapazitätsmarkt

Durch die Ein­füh­rung von Me­cha­nis­men ei­nes Ka­pa­zi­täts­mark­tes kann ein deut­lich ef­fek­ti­ve­rer Zu­bau an­ge­reizt wer­den. Strom­er­zeu­gungs­ka­pa­zi­tä­ten kön­nen z. B. aus­ge­schrie­ben wer­den, die Prei­se wür­den sich über den freien Wett­be­werb bilden. Der Ka­pa­zi­täts­markt bie­tet ein ho­hes Maß an Ver­sor­gungs- und Pla­nungs­si­cher­heit: Er ver­gü­tet auch vor­ge­hal­te­ne Re­ser­ve­ka­pa­zi­tä­ten, die nur dann Ener­gie pro­du­zie­ren, wenn die­se tat­säch­lich be­nö­tigt wer­den.

Po­si­ti­ver Ne­ben­ef­fekt: Un­ter Zu­hil­fe­nah­me ge­ziel­ter Steu­e­rungs­ele­men­te geht ei­ne zu­neh­men­de De­kar­bo­ni­sie­rung der ge­si­cher­ten Leis­tung ein­her. Aus Kli­ma­schutz­pers­pek­ti­ve bie­tet dies ei­nen deut­li­chen Vor­teil ge­gen­über der stra­te­gi­schen Re­ser­ve in wel­cher fos­sil be­trie­be­ne Kraft­wer­ke über Jah­re vor­ge­hal­ten wer­den, oh­ne bei den Be­trei­bern In­ves­ti­ti­o­nen zur Emis­si­ons­min­de­rung an­zu­rei­zen.

Kapazitätsmärkte in Europa

Ka­pa­zi­täts­me­cha­nis­men ha­ben sich in ei­ni­gen Län­dern be­reits seit län­ge­rem be­währt. In­ner­halb Eu­ro­pas setzt sich da­bei vor al­lem der um­fas­sen­de Ka­pa­zi­täts­markt durch, so zum Bei­spiel in Bel­gien, Groß­bri­tan­nien, Ir­land, Ita­lien und Po­len. In die­sem wird der Be­darf an ge­si­cher­ter Leis­tung fest­ge­legt und zen­tral, zum Bei­spiel durch Netz­be­trei­ber, be­schafft. Al­le Strom­er­zeu­ger kön­nen an den Be­schaf­fungs­aus­schrei­bun­gen teil­neh­men.

Im Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich wur­den mit Ein­fü­hrung ei­nes um­fas­sen­den Ka­pa­zi­täts­mark­tes im Jahr 2014 zu­sätz­li­che An­rei­ze zur Leis­tungs­be­reit­stel­lung im Strom­markt ein­ge­führt, um von den Über­tra­gungs­netz­be­trei­bern an­ti­zi­pier­ten Ka­pa­zi­täts­eng­päs­sen vor­zu­beu­gen.

Der bel­gi­sche Ka­pa­zi­täts­markt ist ei­ner der jüngs­ten in Eu­ro­pa und wur­de kon­zi­piert als Ant­wort so­wohl auf den ge­plan­ten Kern­ener­gie­aus­stieg bis 2025 als auch auf Kraft­werks­still­le­gun­gen in an­gren­zen­den Staa­ten.

In Frank­reich ver­traut man seit 2016 auf ei­ne de­zen­tra­le Leis­tungs­ver­pflich­tung: Zwi­schen An­bie­ter und Nach­fra­ger von Ka­pa­zi­tä­ten be­steht ein Han­del mit Zer­ti­fi­ka­ten, bei wel­chem sich die Nach­fra­ge­sei­te je nach Bei­trag zur Spit­zen­last ver­pflich­tet, ein Jahr im Vo­raus aus­rei­chend Ka­pa­zi­tä­ten zu er­wer­ben.

Es gibt ver­schie­de­ne Ar­ten von Ka­pa­zi­täts­me­cha­nis­men, die von Re­gu­lie­rungs­be­hör­den und Ener­gie­markt­be­trei­bern ein­ge­setzt wer­den, um die Ver­sor­gungs­si­cher­heit zu ge­währ­leis­ten. Sie ge­hen weit über flan­kie­ren­de Maß­nah­men hi­naus, mit de­nen ak­tu­ell ver­sucht wird, Un­gleich­ge­wich­ten zwi­schen Er­zeu­gung und Ver­brauch im Strom­markt vor­zu­beu­gen.

  • Stra­te­gi­sche Re­ser­ve: Ei­ne be­stimm­te Men­ge an Kraft­werks­ka­pa­zi­tät wird als Re­ser­ve vor­ge­hal­ten, die nur in Not­fäl­len ge­nutzt wird, z. B. wenn die Nach­fra­ge nach Strom das An­ge­bot über­steigt. Die vor­ge­hal­te­nen Re­ser­ve­kraft­wer­ke ste­hen dem Strom­markt nicht zur Ver­fü­gung. Seit dem Win­ter 2020/21 flan­kiert Deutsch­land den EOM au­ßer­halb des Mark­tes mit ei­ner stra­te­gi­schen Re­ser­ve.
  • Ka­pa­zi­täts­ver­stei­ge­rung: Die Strom­ver­sor­gung wird über ei­ne Auk­ti­on or­ga­ni­siert, bei der Be­trei­ber von Kraft­wer­ken ei­ne be­stimm­te Men­ge an Ka­pa­zi­tät an­bie­ten kön­nen, die von Strom­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men er­wor­ben wird. Die ge­sam­te vor­ge­hal­te­ne Ka­pa­zi­tät wird ver­gü­tet.
  • Ka­pa­zi­täts­markt: An ei­nem ei­ge­nen Markt kön­nen Strom­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men Ka­pa­zi­täts­zer­ti­fi­ka­te kau­fen, um si­cher­zu­stel­len, dass sie ge­nü­gend Strom­ka­pa­zi­tät ha­ben, um die Nach­fra­ge zu de­cken. Die ge­sam­te vor­ge­hal­te­ne Ka­pa­zi­tät wird ver­gü­tet.
  • Ver­trags­me­cha­nis­men: Strom­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men schlie­ßen mit Be­trei­bern von Kraft­wer­ken Ver­trä­ge ab, um be­stimm­te Ka­pa­zi­täts­men­gen für ei­nen be­stim­mten Zeit­raum zu si­chern. Die ge­sam­te vor­ge­hal­te­ne Ka­pa­zi­tät wird ver­gü­tet.
  • An­reiz­me­cha­nis­men: Es wer­den fi­nan­zi­el­le An­rei­ze pro in­stal­lier­ter Ein­heit Leis­tung in Form von Ka­pa­zi­täts­zah­lun­gen oder re­gu­la­to­ri­scher Vor­ga­be ge­schaf­fen, die da­rauf ab­zie­len, die In­ves­ti­ti­o­nen in den Aus­bau von Strom­ka­pa­zi­tä­ten zu för­dern.

Wir wol­len ei­nen Wett­be­werb zwi­schen den Tech­no­lo­gien um das Gut der Ver­sor­gungs­si­cher­heit. Dann kann der Markt über ein ef­fi­zien­tes Tech­no­lo­gie­port­fo­lio ent­schei­den.

Dr. Timm Kehler, Vorstand DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT
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Der Energy-Only-Markt allein reicht nicht mehr aus

Die An­pas­sung des be­ste­hen­den Strom­markt­de­signs ist längst über­fäl­lig. Die Kom­bi­na­ti­on aus Ka­pa­zi­täts­re­ser­ve und Energy-Only-Markt (EOM) funk­ti­o­nier­te in der Ver­gan­gen­heit, da zu je­dem Zeit­punkt aus­rei­chend Ka­pa­zi­tä­ten zur Ver­fü­gung stan­den. Künf­tig wird Deutsch­land ver­mehrt auf fle­xi­bel ein­setz­ba­re Ener­gien wie Pump­spei­cher oder H2-ready Gas-Kraft­wer­ke an­ge­wie­sen sein. Durch den Ein­satz elek­tri­scher Wär­me­pum­pen und den Aus­bau der Elek­tro­mo­bi­li­tät wird der Strom­be­darf vor al­lem wäh­rend der Heiz­pe­ri­o­de so­wie in den Mor­gen- und Abend­stun­den an­stei­gen. Bei Käl­te­wel­len oder Dun­kel­flau­ten müs­sen ent­spre­chen­de Back-up-Ka­pa­zi­tä­ten vor­han­den sein, auch um ei­ne Über­las­tung des Strom­net­zes zu ver­mei­den.

Das Prin­zip Energy-Only-Markt und Ka­pa­zi­täts­re­ser­ve mit Ver­mark­tungs- und Rück­kehr­ver­bot wird künf­tig nicht mehr aus­rei­chen. Die ge­si­cher­te Leis­tung wür­de zum Eng­pass wer­den. Mit Blick auf die Ver­sor­gungs­si­cher­heit ist der Me­cha­nis­mus der stra­te­gi­schen Re­ser­ve zu we­nig ef­fek­tiv, die Men­ge wird auf ad­mi­nis­tra­ti­ver Ebe­ne ge­schätzt und ist nicht in den Strom­markt in­te­griert.

Es ist un­er­läss­lich, dass vor­ge­hal­te­ne Strom­ka­pa­zi­tä­ten künf­tig ver­gü­tet wer­den. Die Ein­füh­rung ei­nes Ka­pa­zi­täts­me­cha­nis­mus in Deutsch­land wür­de deut­li­che Vor­tei­le für die Ener­gie­wen­de und die Ver­sor­gungs­si­cher­heit mit sich brin­gen. Ein brei­tes Port­fo­lio an ver­schie­de­nen Tech­no­lo­gien kann für ein re­si­lien­tes Ener­gie­sys­tem sor­gen. Der Ka­pa­zi­täts­markt er­mög­licht den Ener­gie­er­zeu­gern, ih­re In­ves­ti­ti­o­nen zu re­fi­nan­zie­ren und sorgt da­für, dass die Strom­er­zeu­gungs­ka­pa­zi­tät stets aus­rei­chend ist, um die Nach­fra­ge der Ver­brau­chen­den zu de­cken.

Jetzt kommt es auf die Umsetzung an

Der Um­bau des Strom­sys­tems dul­det kei­nen wei­te­ren Auf­schub. Mit dem Aus­bau der er­neu­er­ba­ren Ener­gien, dem ge­setz­lich an­ge­leg­ten Koh­le­aus­stieg und der zu­neh­men­den Elek­tri­fi­zie­rung von In­dus­trie, Ver­kehr und Wär­me wächst der Be­darf an je­der­zeit ver­füg­ba­rer, steu­er­ba­rer Leis­tung. Sie wird be­nö­tigt, wenn Wind- und So­lar­ener­gie nicht aus­rei­chend Strom lie­fern, und ist da­mit eine we­sent­li­che Vo­raus­set­zung da­für, Ver­sor­gungs­si­cher­heit, Kli­ma­schutz und Koh­le­aus­stieg mit­ei­nan­der zu ver­bin­den.

Was­ser­stoff­fä­hi­ge Gas-Kraft­wer­ke bil­den da­bei ei­nen zen­tra­len Bau­stein. Sie kön­nen Dun­kel­flau­ten und Last­spit­zen ab­si­chern und zu­gleich schritt­wei­se auf ei­nen treib­haus­gas­neu­tra­len Be­trieb mit Was­ser­stoff aus Elek­tro­ly­se und Er­neu­er­ba­ren um­ge­stellt wer­den. Da­mit dies ge­lingt, müs­sen Kraft­werks­stand­or­te, Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren, Gas- und künf­ti­ge Was­ser­stoff­an­schlüs­se, Brenn­stoff­ver­sor­gung so­wie Spei­cher­in­fra­struk­tur von Be­ginn an ge­mein­sam ge­plant wer­den.

Mit dem Be­schluss des Strom-Ver­sor­gungs­si­cher­heits- und Ka­pa­zi­tä­ten­ge­set­zes durch den Deut­schen Bun­des­tag im Som­mer 2026 ist nach jah­re­lan­ger Ver­zö­ge­rung end­lich ein kon­kre­ter Rah­men für den Auf­bau neu­er ge­si­cher­ter Leis­tung ge­schaf­fen wor­den. Vor­ge­se­hen sind zu­nächst zwei Aus­schrei­bun­gen im Sep­tem­ber und im De­zem­ber 2026 über je­weils 4,5 Gi­ga­watt Lang­zeit­ka­pa­zi­tät. Die neu­en An­la­gen müs­sen was­ser­stoff­fä­hig sein und sol­len ab 2031 zur Ver­fü­gung ste­hen. Im Mai 2027 folgt eine wei­te­re, tech­no­lo­gie­of­fe­ne Aus­schrei­bung über zwei Gi­ga­watt Er­zeu­gungs­ka­pa­zi­tät.

Der ge­setz­li­che Rah­men al­lein baut je­doch noch kein Kraft­werk. Ent­schei­dend ist nun, dass die Aus­schrei­bun­gen aus­rei­chend Wett­be­werb er­mög­li­chen und In­ves­ti­ti­o­nen un­ter rea­lis­ti­schen tech­ni­schen und wirt­schaft­li­chen Be­din­gun­gen tat­säch­lich aus­ge­löst wer­den. Pro­jek­te müs­sen schnell fi­nan­ziert, ge­neh­migt und um­ge­setzt wer­den kön­nen, da­mit die neu­en Ka­pa­zi­tä­ten recht­zei­tig zur Ab­si­che­rung des Koh­le­aus­stiegs be­reit­ste­hen. Ab 2032 soll ein dau­er­haf­ter Ka­pa­zi­täts­me­cha­nis­mus an­schlie­ßen und die lang­fris­ti­ge Be­reit­stel­lung ge­si­cher­ter Leis­tung ab­si­chern.

Expertenthema
Broschüre zum Thema Kapazitätsmarkt

Kapazitätsmarkt für die Energiewende

Das deut­sche Ener­gie­sys­tem be­fin­det sich in ei­ner nie da ge­we­se­nen Trans­for­ma­ti­on. Der Aus­stieg aus Koh­le und Atom bei gleich­zei­tig wach­sen­dem Strom­be­darf stellt die Netz­sta­bi­li­tät und Ver­sor­gungs­si­cher­heit auf die Pro­be. Wie ein um­fas­sen­der Ka­pa­zi­täts­markt Deutsch­land  beim Um­bau des Strom­sys­tems un­ter­stützt, le­sen Sie in un­se­rer Bro­schü­re.

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