Wasserstoff in der Gas-Infrastruktur

Was­ser­stoff kann als Ener­gie­trä­ger und Roh­stoff un­ter an­de­rem in der In­dus­trie so­wie zur Strom- und Wär­me­er­zeu­gung ein­ge­setzt wer­den. Für sei­nen Trans­port kön­nen ge­eig­ne­te oder ent­spre­chend um­ge­rüs­te­te Pipe­lines der be­ste­hen­den Gas-In­fra­struk­tur ge­nutzt wer­den.

Die Ein­spei­sung von rei­nem Was­ser­stoff in das Gas-Netz ist nicht neu: Bis Mit­te des 20. Jahr­hun­derts wa­ren dem da­ma­li­gen Stadt­gas gut 50 Pro­zent Was­ser­stoff bei­ge­mischt – Stadt­wer­ke und Netz­be­trei­ber bli­cken so­mit auf lang­jäh­ri­ge Er­fah­run­gen zu­rück.

Im Ge­gen­satz zu ei­ner ei­gen­stän­di­gen Was­ser­stoff-In­fra­struk­tur, die Ver­teil­net­ze, Spei­cher und Tank­stel­len er­for­dern wür­de, bie­tet das bun­des­wei­te Gas-Netz von rund 600.000 Ki­lo­me­tern Län­ge so­wie die vor­han­de­nen Gas-Spei­cher be­reits jetzt enor­me Ka­pa­zi­tä­ten für die Ein­spei­sung und La­ge­rung von Was­ser­stoff. Da­mit be­ginnt der Auf­bau ei­ner Was­ser­stoff­wirt­schaft nicht bei null, son­dern kann auf einer be­ste­hen­den, flä­chen­de­cken­den In­fra­struk­tur auf­set­zen. Die­se be­reits be­ste­hen­de In­fra­struk­tur ist so­mit ein ent­schei­den­der Vor­teil, um Was­ser­stoff ef­fi­zient in das Ener­gie­sys­tem zu in­te­grie­ren und ei­nen be­deu­ten­den Bei­trag zur De­kar­bo­ni­sie­rung des Ener­gie­sys­tems zu leis­ten.

Das Was­ser­stoff­kern­netz ist ein wich­ti­ger Schritt, um aus Deutsch­land ein Was­ser­stoff­land zu ma­chen.

Dr. Timm Kehler, Vorstand DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT
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Potenzial des Gasnetzes für Wasserstoff

Das Po­ten­zi­al des Gas­-Net­zes für die In­te­gra­ti­on neu­er Ga­se ist enorm: Schon ein An­teil von 1 Pro­zent Was­ser­stoff am jähr­li­chen deut­schen Gas-Ver­brauch ent­spricht ei­nem Ener­gie­ge­halt von 8,7 TWh. Der von der Bun­des­re­gie­rung ge­plan­te Was­ser­stoff­be­darf von bis zu 130 TWh bis 2030 wür­de et­wa zu 2/3 durch ei­ne 10-pro­zen­ti­ge Bei­mi­schung in das Gas­-Netz gedeckt werden können.

Die Gas-In­fra­struk­tur ist das ein­zi­ge der­zeit ver­füg­ba­re Spei­cher­sys­tem in Deutsch­land, das die­se Ener­gie­men­gen auf­neh­men und auch wie­der ab­ge­ben kann – und sie ist be­reits weit­ge­hend was­ser­stoff­kom­pa­ti­bel. Über­schüs­si­ger Strom aus er­neu­er­ba­ren Ener­gien, der in Was­ser­stoff um­ge­wan­delt wird, kann so­mit über das Gas-Netz zu den Ver­brau­cher:in­nen trans­por­tiert wer­den. Da­rü­ber hi­naus ver­bin­det die Gas-In­fra­struk­tur al­le Sek­to­ren – In­dus­trie, Haus­hal­te, Ge­wer­be und Ver­kehr – mit­ein­an­der und er­mög­licht ei­ne sek­tor­über­grei­fen­de Nut­zung von Was­ser­stoff.

Deutsch­lands Gas­lei­tun­gen be­reit für Was­ser­stoff

Deutsch­lands Gas-In­fra­struk­tur ist für den Trans­port von Was­ser­stoff ge­eig­net. Das For­schungs­pro­jekt "SyWeSt H2" zeigt, dass die im Gas-Netz ver­bau­ten Stahl­rohr­lei­tun­gen für Was­ser­stoff ge­nau­so ge­eig­net sind wie für Erd­gas. Die Un­ter­su­chung, durch­ge­führt von Open Grid Europe und der Ma­te­ri­al­prü­fungs­an­stalt der Uni­ver­si­tät Stutt­gart, tes­te­te re­prä­sen­ta­ti­ve Rohr­pro­ben un­ter ex­tre­men Be­triebs- und Al­te­rungs­be­din­gun­gen mit Was­ser­stoff.

Die For­schungs­er­geb­nis­se sind weg­wei­send: Die Stahl­roh­re zei­gen kei­ne er­höh­te Ab­nut­zung im Ver­gleich zu Erd­gas. Statt ein neu­es Netz zu bau­en, kann das be­ste­hen­de rund 600.000 km lan­ge Gas-Netz mit rund 30 Mil­li­ar­den Eu­ro für Was­ser­stoff um­ge­rüs­tet wer­den. Da­mit kann ein Groß­teil der be­ste­hen­den In­fra­struk­tur wei­ter ge­nutzt und schritt­wei­se wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den – ein we­sent­li­cher Vor­teil ge­gen­über ei­nem voll­stän­di­gen Neu­bau. Mil­li­o­nen Haus­hal­te und Un­ter­neh­men könn­ten so­mit auf Was­ser­stoff um­ge­stellt wer­den.

Der Gas­netz­ge­biets­trans­for­ma­tions­plan (GTP) ist in­zwi­schen das zen­tra­le und eu­ro­pa­weit ein­zig­ar­ti­ge Pla­nungs­ins­tru­ment für die Trans­for­ma­tion der deut­schen Gas-Ver­teil­net­ze zur Treib­haus­gas­neu­tra­li­tät. Am GTP 2025 – dem vier­ten Be­richts­jahr – be­tei­lig­ten sich 248 Netz­be­trei­ber und bil­de­ten da­mit er­neut na­he­zu die ge­sam­te Bran­che ab. Ge­mein­sam mit den Fern­lei­tungs­netz­be­trei­bern ha­ben die Ver­teil­netz­be­trei­ber Deutsch­land da­bei erst­mals in rund 40 Pla­nungs­re­gi­o­nen struk­tu­riert.

Deutschland als Knotenpunkt im europäischen Wasserstoffnetz

Deutsch­land ist über zahl­rei­che Pipe­lines mit sei­nen eu­ro­pä­i­schen Nach­bar­län­dern ver­bun­den. Tei­le der be­ste­hen­den Gas-In­fra­struk­tur kön­nen für den Was­ser­stoff­trans­port um­ge­stellt wer­den, wei­te­re Lei­tun­gen müs­sen neu ge­baut wer­den. Das ge­neh­mig­te Was­ser­stoff-Kern­netz um­fasst 9.040 Ki­lo­me­ter und soll bis 2032 schritt­wei­se in Be­trieb ge­hen. Es ver­bin­det künf­tig Ver­brauchs- und Er­zeu­gungs­re­gi­o­nen, Spei­cher so­wie Im­port­kor­ri­do­re.

Zu­sätz­lich kön­nen Was­ser­stoff und Was­ser­stoff-De­ri­va­te über Schif­fe und Ter­mi­nals im­por­tiert wer­den. Wel­che Trans­port­rou­te wirt­schaft­lich ge­eig­net ist, hängt un­ter an­de­rem von Ent­fer­nung, Men­ge, Ener­gie­trä­ger und not­wen­di­gen Um­wand­lungs­schrit­ten ab. Pipe­line­ver­bin­dun­gen, Ter­mi­nals und das Was­ser­stoff-Kern­netz kön­nen Deutsch­land zu ei­nem wich­ti­gen Kno­ten­punkt im eu­ro­pä­i­schen Was­ser­stoff-Markt ma­chen. Die Gas-Bran­che be­tei­ligt sich am Auf­bau der da­für er­for­der­li­chen In­fra­struk­tur.

Wasserstoffnetz für die Energiewende

Um den Auf­bau ei­nes ro­bus­ten Was­ser­stoff­mark­tes und die Kli­ma­zie­le der Fit-for-55-Ini­ti­a­ti­ve zu un­ter­stüt­zen, ha­ben sich die Bun­des­re­gie­rung und das BMWE mit ver­schie­de­nen Ak­teu­ren ab­ge­stimmt. Da­zu zäh­len die Bun­des­netz­agen­tur, Fern­lei­tungs­netz­be­trei­ber, Ver­bän­de, pri­va­te In­ves­to­ren und künf­ti­ge Nut­ze­rin­nen und Nut­zer von Was­ser­stoff.

Zwei­stu­fi­ger Auf­bau des Was­ser­stoff­net­zes

Für den be­schleu­nig­ten Netz­auf­bau sind zwei Stu­fen ge­plant:

  1. Was­ser­stoff-Kern­netz: Die­ses bil­det das Grund­ge­rüst, um wich­ti­ge Was­ser­stoff­stand­or­te in Deutsch­land bis 2037 zu ver­bin­den. Da­zu ge­hö­ren Elek­tro­ly­seu­re, Im­port­punk­te, gro­ße Ver­brauchs­stand­or­te, In­dus­trie­zen­tren, Kraft­wer­ke und un­ter­ir­di­sche Spei­cher. Ziel ist der über­re­gi­o­na­le Was­ser­stoff­trans­port von Im­port­punk­ten zu Ver­brauchs­re­gi­o­nen und die In­te­gra­ti­on in ein eu­ro­pä­i­sches Was­ser­stoff­netz.
     
  2. Tur­nus­mä­ßi­ge Netz­ent­wick­lungs­pla­nung: Seit 2025 wird al­le zwei Jah­re ein in­te­grier­ter Netz­ent­wick­lungs­plan für Gas und Was­ser­stoff er­stellt. Die­ser Plan dient der Op­ti­mie­rung und Ver­stär­kung des Was­ser­stoff­trans­port­net­zes in Deutsch­land. Die Netz­ent­wick­lungs­pla­nung er­mög­licht ei­ne be­darfs­orien­tier­te An­pas­sung der Netz­di­men­si­o­nie­rung ba­sie­rend auf ak­tu­el­len Prog­no­sen.

Grundgerüst und Finanzierung

Das Kern­netz um­fasst et­wa 9.040 km Lei­tun­gen und soll grund­sätz­lich bis 2032 auf­ge­baut wer­den. Ein­zel­ne Maß­nah­men kön­nen bis 2037 ver­scho­ben wer­den, wenn sie erst spä­ter be­nö­tigt wer­den. Es be­steht zu 56 Pro­zent aus um­ge­stell­ten Erd­gas­lei­tun­gen und zu 44 Pro­zent aus Neu­bau­ten. Die Ein­spei­se- bzw. Aus­spei­se­ka­pa­zi­tä­ten sol­len rund 100 GW bzw. 87 GW be­tra­gen. Die Kos­ten für das Kern­netz be­lau­fen sich auf rund 18,9 Mil­li­ar­den Eu­ro. Die Fi­nan­zie­rung er­folgt durch Netz­ent­gel­te, die von den Nut­ze­rin­nen und Nut­zern ge­tra­gen wer­den, wo­bei an­fäng­li­che Min­der­ein­nah­men durch spä­te­re Mehr­ein­nah­men aus­ge­gli­chen wer­den sol­len. Der Staat bie­tet ei­ne fi­nan­zi­el­le Ab­si­che­rung ge­gen un­vor­her­seh­ba­re Ent­wick­lun­gen.

Mit den re­gu­la­to­ri­schen Wei­chen­stel­lun­gen und der zwei­stu­fi­gen Pla­nung schafft die Bun­des­re­gie­rung die Vo­raus­set­zun­gen für eine ef­fi­zien­te Was­ser­stoff-In­fra­struk­tur. Da­bei kommt der Wei­ter­nut­zung und ge­ziel­ten Wei­ter­ent­wick­lung der be­ste­hen­den Gas-In­fra­struk­tur eine zen­tra­le Rol­le zu. Die­se In­fra­struk­tur ist es­sen­zi­ell, um den Was­ser­stoff­be­darf in Deutsch­land zu de­cken und die Ener­gie­wen­de er­folg­reich zu ge­stal­ten. Der Auf­bau des Kern­net­zes er­mög­licht es, Was­ser­stoff deutsch­land­weit zu trans­por­tie­ren und die Ver­sor­gung von In­dus­trie­zen­tren, Spei­chern und Kraft­wer­ken si­cher­zu­stel­len. Deutsch­land eta­bliert sich da­mit als Vor­rei­ter beim Auf­bau ei­ner leis­tungs­fä­hi­gen und kos­ten­ef­fi­zien­ten Was­ser­stoff-In­fra­struk­tur in Eu­ro­pa.

Zweite No­vel­le EnWG 2024

Die No­velle des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes 2024 (EnWG) bil­det den Rechts­rah­men für die Ent­wick­lung ei­ner na­ti­o­na­len Was­ser­stoff­in­fra­struk­tur. Die No­vel­le sieht ei­ne ge­mein­sa­me Netz­ent­wick­lungs­pla­nung für Erd­gas- und Was­ser­stoff­net­ze vor und be­in­hal­tet u. a. das Kon­zept zur Fi­nan­zie­rung des Was­ser­stoff­kern­net­zes so­wie die Ver­län­ge­rung der Frist zur Fer­tig­stel­lung des Kern­net­zes bis 2037. Da­rü­ber hi­naus gibt es An­pas­sun­gen hin­sicht­lich des In­sol­venz­ri­si­kos, den Weg­fall der soge­nann­ten ge­samt­schuld­ne­ri­schen Haf­tung so­wie die Ein­füh­rung ei­nes Amor­ti­sa­ti­ons­kon­tos. Die­ses soll die Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher vor vor­beu­gen­den ho­hen Netz­ent­gel­ten da­durch schüt­zen, in­dem die Kos­ten über vie­le Jah­re ge­streckt wer­den.

Deutsch­land braucht ei­ne Was­ser­stoff-In­fra­struk­tur. Für die Ein­bin­dung vo­la­ti­ler er­neu­er­ba­rer Ener­gien und ei­ne je­der­zeit be­darfs­ge­rech­te Ver­sor­gung ist eine leis­tungs­fä­hi­ge über­re­gi­o­na­le Was­ser­stoff-Trans­port­in­fra­struk­tur un­er­läss­lich. Die Wei­ter­nut­zung der Gas-In­fra­struk­tur ist kei­ne Fest­le­gung auf die Wei­ter­nut­zung fos­si­ler Ener­gien, son­dern im Ge­gen­teil Vo­raus­set­zung für einen ef­fi­zien­ten und da­mit so­zi­al­ver­träg­li­chen Kli­ma­schutz. Wo heu­te Erd­gas fließt, kön­nen mor­gen Was­ser­stoff und an­de­re er­neu­er­ba­re Ga­se flie­ßen.

Barbara Fischer, Geschäftsführung FNB Gas
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Wasserstoffhochlauf benötigt optimierte Regulatorien

Für die Rea­li­sie­rung des Markt­hoch­laufs kohlenstoff­ar­men Was­ser­stoffs muss der ener­gie­wirt­schaft­li­che Re­gu­lie­rungs­rah­men an­ge­passt und op­ti­miert wer­den. Dies be­trifft vor al­lem ei­ne pas­sen­de und tech­no­lo­gie­of­fe­ne Le­gal­de­fi­ni­ti­on im Ener­gie­wirt­schafts­recht und Än­de­run­gen wei­te­rer Rechts­nor­men wie KWK-G oder GModG so­wie die An­pas­sung der tech­ni­schen Re­geln und Nor­men für eine Was­ser­stoff-Readiness der Gas-In­fra­struk­tur.

Das Bun­des­ka­bi­nett hat­te im Fe­bru­ar 2021 ei­nen Ge­set­zes­ent­wurf zur Um­set­zung unions­recht­li­cher Vor­ga­ben und zur Re­ge­lung rei­ner Was­ser­stoff­net­ze im Ener­gie­wirt­schafts­recht be­schlos­sen. Der Ge­set­zes­ent­wurf sah eine strik­te Tren­nung von Erd­gas- und Was­ser­stoff­net­zen vor. Da­mit lehn­te die Bun­des­re­gie­rung ei­ne ge­mein­sa­me Fi­nan­zie­rung des Auf­baus der Was­ser­stoff­in­fra­struk­tur durch Erd­gas- und Was­ser­stoff­kun­den mit Ver­weis auf EU-Recht ab. Da aber noch kei­ne neue EU-Ge­set­zes­grund­la­ge vor­liegt, folg­te im Juni die No­vel­lie­rung des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes (EnWG), um eine deut­sche H2-In­fra­struk­tur schritt­wei­se auf­zu­bau­en.

Da­bei wird nun Was­ser­stoff als ei­gen­stän­di­ger Ener­gie­trä­ger ne­ben Gas ge­stellt und gilt so für reine Was­ser­stoff­lei­tun­gen, so­weit er zur lei­tungs­ge­bun­de­nen Ener­gie­ver­sor­gung ver­wen­det wird – für die Bei­mi­schung von H2 ins Gas-Netz bleibt der bis­he­ri­ge Rechts­rah­men be­ste­hen. Auch Was­ser­stoff­net­ze, die von der Di­men­si­o­nie­rung nicht von vorn­he­rein auf die Ver­sor­gung be­stimm­ba­rer, schon bei der Netz­er­rich­tung fest­ste­hen­der oder be­stimm­ba­rer Kun­den aus­ge­legt sind, son­dern grund­sätz­lich für die Ver­sor­gung je­des Kun­den of­fen­ste­hen, wer­den nun ei­gen­stän­dig be­trach­tet. Eben­so wer­den Was­ser­stoff­spei­cher­an­la­gen se­pa­rat auf­ge­führt.

Was sieht das EnWG für Netz­be­trei­ber vor?

Das EnWG sieht für Netz-Be­trei­ber (Be­stand, neu oder Um­stel­lung) ein ein­ma­li­ges und un­wi­der­ruf­li­ches Wahl­recht vor, dass ganz­heit­lich für den Be­trei­ber, nicht für ein­zel­ne Lei­tun­gen gilt. Sie kön­nen sich da­für ent­schei­den, ob sie der neu ein­ge­führ­ten Re­gu­lie­rung von Was­ser­stoff­net­zen un­ter­lie­gen wol­len oder nicht. Ent­schei­det sich ein Netz­be­trei­ber ge­gen die Re­gu­lie­rung, wird er nicht von den Vor­ga­ben hin­sicht­lich Netz­zu­gang, Ent­gelt­bil­dung und Ent­flech­tung er­fasst. Ver­mut­lich wird die­se Ent­schei­dung nur vor­läu­fi­gen Be­stand ha­ben, da der Ge­setz­ge­ber da­von aus­geht, dass mit­tel­fris­tig die Ein­füh­rung ei­ner um­fas­sen­den Re­gu­lie­rung für al­le ver­bun­de­nen Was­ser­stoff­net­ze not­wen­dig wird. Ins­ge­samt wirkt die Ge­setz­ge­bung an die­ser Stel­le et­was un­ent­schlos­sen. Den­noch schei­nen mit der Pers­pek­ti­ve ei­ner ein­heit­li­chen Re­gu­lie­rung von Gas- und Was­ser­stoff-In­fra­struk­tur die recht­li­chen Grund­la­gen für den Auf­bau der Was­ser­stoff­-In­fra­struk­tur aus dem be­ste­hen­den Gas-Netz he­raus ge­legt wor­den zu sein.

Eu­ro­pä­i­sches Was­ser­stoff- und Gas­-Markt-De­kar­bo­ni­sie­rungs­pa­ket

Auf eu­ro­pä­i­scher Ebe­ne ist der po­li­ti­sche Pro­zess inzwischen abgeschlossen: An­fang 2021 hat­te die Eu­ro­pä­i­sche Kom­mis­si­on ei­ne Kon­sul­ta­ti­on zu ih­rer Roadmap für ein Was­ser­stoff- und Gas­-Markt-De­kar­bo­ni­sie­rungs­pa­kets (Hydrogen and Gas Market Decarbonisation Package) ini­ti­iert. Im Ju­ni folg­te ein wei­te­rer Kon­sul­ta­ti­ons­schritt, der die kon­kre­te Über­ar­bei­tung der be­ste­hen­den Gas-­Markt­re­geln in ei­nem le­gis­la­ti­ven "Was­ser­stoff- und Gas-Markt-De­kar­bo­ni­sie­rungs­pa­ket" vor­be­rei­tet hat. Das Paket ist inzwischen in Kraft getreten. Die Fern­lei­tungs­netz­be­trei­ber hatten sich da­zu mit kon­kre­ten As­pek­ten ein­ge­bracht, die da­rauf ab­ziel­ten

  • die Gas-Markt­re­geln auf Was­ser­stoff an­zu­wen­den, um da­durch v. a. Rechts­si­cher­heit für In­ves­to­ren zu schaf­fen,
  • die Rol­le der Gas-Fern­lei­tungs­netz­be­trei­ber so zu de­fi­nie­ren, dass die­se Was­ser­stoff­in­fra­struk­tu­ren (On- und Offshore) be­sit­zen, be­trei­ben und fi­nan­zie­ren dür­fen, un­ab­hän­gig da­von, ob sie aus be­ste­hen­der Gas-In­fra­struk­tur um­ge­wid­met oder neu ge­baut wur­de,
  • ei­ne ge­eig­ne­te Fi­nan­zie­rungs- und Ent­gelt­re­ge­lun­gen für Gas-Fern­lei­tungs­netz­be­trei­ber zu schaf­fen, die die De­ckung der In­ves­ti­ti­ons­kos­ten in­ner­halb ei­nes re­gu­la­to­ri­schen Rah­mens si­cher­stel­len,
  • ei­ne Quo­te für er­neu­er­ba­re Ga­se ein­zu­füh­ren, die die Lie­fe­ran­ten da­zu ver­pflich­tet, ei­nen de­fi­nier­ten An­teil er­neu­er­ba­re Ga­se in ih­rem Port­fo­lio be­reit­zu­stel­len, um An­rei­ze für den Ein­satz er­neu­er­ba­re Ga­se und den Aus­bau der ent­spre­chen­den Tech­no­lo­gien zu schaf­fen,
  • al­le Ener­gie­in­fra­struk­tu­ren (Strom, Gas und Was­ser­stoff) sys­te­misch, tech­no­lo­gie­neu­tral und ko­or­di­niert zu pla­nen, wo­bei für je­de in­di­vi­du­el­le Be­darfs­si­tu­a­ti­on der ef­fi­zien­tes­te In­fra­struk­tur­typ ge­wählt wer­den soll­te,
  • den zu schaf­fen­den ge­setz­li­chen Rah­men tech­no­lo­gie­of­fen zu ge­stal­ten, um kei­ne Tech­no­lo­gien zu be­hin­dern oder zu be­nach­tei­li­gen.
Expertenthema

Verabschiedung und Umsetzung der EU-Gasbinnenmarktrichtlinie und -verordnung

EU-Par­la­ment, Rat und Kom­mis­si­on ha­ben sich am 8. De­zem­ber 2023 zum zwei­ten Teil des Gas­markt­pa­kets (EU-Gas­pa­ket) ge­ei­nigt. Da­mit eb­net die EU den Weg für eu­ro­pä­i­sche Was­ser­stoff­net­ze und stärkt die Ener­gie­viel­falt, in­dem kla­re Richt­li­nien für den Aus­bau und die Re­gu­lie­rung der Was­ser­stoff­in­fra­struk­tur fest­ge­legt wer­den. Das er­mög­licht ro­bus­te, grenz­über­schrei­ten­de Was­ser­stoff­net­ze in den Mit­glieds­staa­ten, die ei­nen we­sent­li­chen Bei­trag zur Di­ver­si­fi­zie­rung und Resilienz des eu­ro­pä­i­schen Ener­gie­mark­tes leis­ten wer­den. Für die In­dus­trie und die Hei­zungs­kun­den ent­ste­hen da­durch neue Mög­lich­kei­ten, Was­ser­stoff als viel­sei­ti­ge Ener­gie­quel­le mit deut­lich re­du­zier­ten Treib­haus­gas­emis­si­o­nen zu nut­zen.

Eben­falls Teil der Ei­ni­gung ist die Gas­bin­nen­markt­ver­ord­nung. Sie sieht un­ter an­de­rem die Re­du­zie­rung lau­fen­der Im­por­te rus­si­schen Erd­ga­ses und die Pla­nung ei­ner un­ab­hän­gi­gen eu­ro­pä­i­schen Was­ser­stoff-Re­gu­lie­rungs­be­hör­de (ENNOH) vor. Die­se und wei­te­re Maß­nah­men stär­ken die Au­to­no­mie und Re­si­lienz des eu­ro­pä­i­schen Ener­gie­mark­tes er­heb­lich.

Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland: H2ercules-Netz 2030

Herzstück der Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland

Eine gro­ße He­raus­for­de­rung der künf­ti­gen treibhausgas­neu­tra­len Ener­gie­ver­sor­gung be­steht da­rin, die Ver­brau­cher im Sü­den und Wes­ten Deutsch­lands zü­gig mit Was­ser­stoff aus dem Nor­den zu ver­sor­gen. Die­ser Auf­ga­be hat sich die H2ercules-Ini­ti­a­ti­ve der OGE an­ge­nom­men. Die Pro­jekt­part­ner al­ler Wert­schöp­fungs­stu­fen ar­bei­ten ge­mein­sam da­ran, bis 2030 das Herz­stück für die Was­ser­stoff­in­fra­struk­tur in Deutsch­land im XXL-For­mat ent­ste­hen zu las­sen. Da­zu zäh­len u. a. ei­ne Was­ser­stoff­pro­duk­ti­on im Gi­ga­watt-Maß­stab, Im­port­rou­ten für grü­nen Was­ser­stoff aus Elek­tro­ly­se und Er­neu­er­ba­ren so­wie ein rund 2.000 km lan­ges H2-Fern­lei­tungs- oder Trans­port­netz.

Praxisbeispiele
Wasserstoff in den kommunalen Gas-Verteilnetzen

Best Practice

Transformation der Gas-Netze

H2Direkt leis­tet Pi­o­nier­ar­beit für ei­nen treibhausgas­neu­tra­len Wär­me­sek­tor. Denn grü­ner Was­ser­stoff, der durch Elek­tro­ly­se aus er­neu­er­ba­ren Ener­gien ge­won­nen wird, kann in Zu­kunft fos­si­les Erd­gas er­set­zen. Der gro­ße Vor­teil: Die Trans­port­in­fra­struk­tur ist vor­han­den und muss häu­fig nur in ge­rin­gem Um­fang um­ge­rüs­tet wer­den.

Das Pi­lot­pro­jekt in Ho­hen­wart zeigt ein­drucks­voll, wie aus den heu­ti­gen Gas-Ver­teil­net­zen die Was­ser­stoff-Net­ze von mor­gen wer­den.

Ammoniak bietet ein hohes Potential als Wasserstoff-Derivat

Wasserstoff-Derivat Ammoniak

Am­mo­ni­ak ist mehr als ei­nes der wich­tigs­ten Che­mi­ka­lien un­se­rer Zeit. Als Trans­port­me­di­um von Was­ser­stoff hat es das Po­ten­ti­al, Was­ser­stoff-Märk­te welt­weit zu ver­bin­den und den glo­ba­len Was­ser­stoff-Hoch­lauf wir­kungs­voll vo­ran­zu­brin­gen.

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