Branchennews , 23. Sep 2026
Drei Fragen an Nina Scholz, Equinor
Der norwegische Gaslieferant Equinor ist ein wichtiger Partner für die deutsche Energieversorgung. Nina Scholz, Country Manager Germany bei Equinor, spricht in unserer Rubrik „Drei Fragen an“ über den Umgang mit Methanemissionen, die Auswirkungen der EU-Methanverordnung auf Gaslieferungen und die Voraussetzungen für eine praktikable Umsetzung.
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Was bedeutet die EU-Methanverordnung für die Gaslieferungen von Equinor nach Deutschland?
Die EU-Methanverordnung erhöht grundlegend die Anforderungen an die Berichterstattung und Verifizierung von Methanemissionen entlang der Lieferkette für alle Gasimporte in die Europäische Union. Equinor unterstützt das Ziel der EU-Methanverordnung, die Methanemissionen zu reduzieren. Allerdings bestehen weiterhin Unklarheiten bei einzelnen Bestimmungen. Insbesondere die Anwendung der Vorgaben auf komplexe Wertschöpfungsketten, nicht von Equinor betriebene Anlagen sowie Gaslieferungen aus Drittstaaten wirft derzeit praktische und rechtliche Fragen auf. Durch unklare Umsetzungvorgaben und fehlende Strukturen drohen Lieferanten und Importeuren unvermeidbare Compliance-Risiken und ohne europaweit harmonisierte Umsetzungsregeln zusätzliche Berichtspflichten. Dies könnte sich mittel- bis langfristig auch auf den Zugang Europas und Deutschlands zu wichtigen Gaslieferungen auswirken
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Wie misst und reduziert Equinor Methanemissionen entlang der Wertschöpfungskette?
Equinor erfasst Methanemissionen durch direkte Messungen, Inspektionen vor Ort sowie den Einsatz moderner Überwachungs- und Messtechnologien. Zur Reduzierung von Emissionen setzen wir auf die frühzeitige Erkennung und Reparatur von Leckagen, die Begrenzung von Entlüftungen und Abfackelungen, die kontinuierliche Verbesserung unserer Betriebsabläufe sowie Investitionen in neue Technologien. In den Jahren 2024 und 2025 lag die Methanintensität von Equinor bei rund 0,01 Prozent und damit auf einem der niedrigsten Niveaus in der internationalen Öl- und Gasindustrie. Die CO2-Intensität von norwegischem Gas über Leitungen betrug 2025 0.9 g CO₂e/MJ. Der niedrige Treibhausgas-Fußabdruck von Gas vom norwegischen Kontinentalschelf wird zudem über die blockchain-basierte Plattform „Attributes SAS“ dokumentiert. Diese stellt Kunden transparente Informationen über die mit Produktion und Transport verbundenen Emissionen zur Verfügung.
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Was ist notwendig, um eine wirksame und praktikable Umsetzung der EU-Methanverordnung sicherzustellen?
Damit die Verordnung ihre Ziele erreichen kann, müssen die Anforderungen klar, EU-weit konsistent und in der Praxis umsetzbar sein. Sie sollten auf anerkannten internationalen Standards zur Emissionsmessung basieren und für Lieferanten, Importeure sowie nationale Behörden Rechtssicherheit schaffen. Die Umsetzung sollte darauf ausgerichtet sein, tatsächliche Methanminderungen zu ermöglichen und gleichzeitig Europas Energieversorgung sowie Wettbewerbsfähigkeit zu schützen. Der vorgeschlagene dreijährige Aufschub der Importanforderungen aus Kapitel V, kombiniert mit einer Folgenabschätzung sowie gezielten Vereinfachungen der Regelungen, könnte einen gangbaren Weg zu mehr Rechtssicherheit bieten. Gleichzeitig würde dies der EU, den Mitgliedstaaten und der Industrie die notwendige Zeit geben, die erforderlichen Systeme und Prozesse aufzubauen.