Branchennews , 21. Sep 2026
Greensand nimmt kommerzielle CO₂-Speicherung in Dänemark auf
Das von INEOS Energy geleitete Projekt Greensand ist in den kommerziellen Betrieb gegangen. Damit steht eine Transport- und Speicherkette für CO₂ in der dänischen Nordsee bereit. Die nach Angaben von INEOS erste CO₂-Speicheranlage im industriellen Maßstab in der EU wird zunächst überwiegend Kohlendioxid aus dänischen Biomethananlagen aufnehmen. Mit wachsender industrieller Nachfrage soll die Kapazität ausgebaut werden.
Der dänische König Frederik X. eröffnete die Anlage am 18. September 2026 offiziell im Hafen von Esbjerg. An dem Projekt sind INEOS Energy, Harbour Energy und der staatliche dänische Nordseefonds Nordsøfonden beteiligt. Zu den Gästen gehörten INEOS-Verwaltungsratsvorsitzender Sir Jim Ratcliffe, EU-Kommissar für Energie und Wohnungswesen Dan Jørgensen sowie Paloma Aba Garrote, Direktorin der Europäischen Exekutivagentur für Klima, Infrastruktur und Umwelt (CINEA).
In der ersten kommerziellen Phase kann Greensand jährlich bis zu 400.000 Tonnen CO₂ speichern. Abhängig von der Nachfrage besteht das Potenzial, die Kapazität auf vier bis acht Millionen Tonnen pro Jahr zu erweitern.
Von der Biomethanproduktion zur dauerhaften Offshore-Speicherung
Das CO₂ wird zunächst hauptsächlich von dänischen Biomethanproduzenten stammen. Diese bereits verfügbaren Mengen ermöglichen es Greensand, die gesamte Prozesskette der CO₂-Abscheidung und -Speicherung – Carbon Capture and Storage (CCS) – aufzubauen und zu betreiben, während weitere industrielle Abscheidungsprojekte entwickelt werden.
Nach der Abscheidung wird das CO₂ verflüssigt und per Lkw zu einem eigens errichteten Terminal im Hafen von Esbjerg transportiert. Dort wird es zwischengelagert und anschließend auf die Carbon Destroyer 1 verladen. Nach Angaben von INEOS ist sie das erste speziell für den CO₂-Transport gebaute Schiff in der EU.
Das Schiff bringt das CO₂ zum Reservoir Nini West, einem ausgeförderten Ölfeld rund 250 Kilometer vor der Küste in der dänischen Nordsee. Dort wird es etwa 1.800 Meter unterhalb des Meeresbodens zur dauerhaften Speicherung injiziert.
Nach Angaben der Projektpartner hat der Geologische Dienst von Dänemark und Grönland (GEUS) die Integrität des Speicherreservoirs geprüft. Darüber hinaus hat Greensand eine Sicherheitsfreigabe der unabhängigen Prüfgesellschaft DNV erhalten. Das Projekt wird von der Europäischen Union gefördert.
Industrielle Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit stärken
Für die Gaswirtschaft schafft Greensand eine direkte Verbindung zwischen Biomethanproduktion und dauerhafter CO₂-Speicherung. Durch den geplanten Ausbau soll diese Infrastruktur auch industriellen Emittenten aus ganz Europa zur Verfügung stehen.
INEOS-Energy-CEO David Bucknall bezeichnete die betriebsbereite Speicherkette als Grundlage für künftige europäische CO₂-Abscheidungsprojekte. Mads Gade, CEO von INEOS Energy Europe, betonte, dass der anfängliche Fokus auf biogenes CO₂ einen ersten Schritt darstelle. Das Projekt sei bereit, seine Kapazitäten zu erweitern und auch abgeschiedenes CO₂ aus anderen Industrien aufzunehmen.
Die Partner ordnen das Vorhaben in die wachsenden Herausforderungen für Europas energieintensive Industrien ein. Steigende Kosten und internationaler Wettbewerb setzen diese Branchen zunehmend unter Druck. Nach den in der Mitteilung genannten Zahlen beschäftigen sie direkt fast acht Millionen Menschen und erwirtschaften jährlich rund 550 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung. Ihre Produkte sind unverzichtbar für zentrale Lieferketten: von Zement für die Bauwirtschaft über Stahl für die Energieinfrastruktur bis hin zu Chemikalien für Wasseraufbereitung, Arzneimittel und Elektronik.
„Europa wird Netto-Null nicht erreichen, indem es Fabriken schließt und Arbeitsplätze exportiert“, erklärte Ratcliffe. Er forderte Rahmenbedingungen, die industrielle Emissionsminderungen ermöglichen und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit erhalten.
CO₂-Abscheidung parallel zu Transport und Speicherung ausbauen
Die Eröffnung verdeutlicht zugleich den Umfang des weiteren Infrastrukturbedarfs. INEOS verweist auf europäische Zielgrößen für die CO₂-Abscheidung und -Speicherung von jährlich 50 Millionen Tonnen bis 2030 und 250 bis 280 Millionen Tonnen bis 2040.
Jørgensen bezeichnete die Eröffnung als Übergang von der Demonstration zur praktischen Anwendung. Sie ermögliche es europäischen Industrien, ihre Dekarbonisierung voranzutreiben und gleichzeitig Produktion, Investitionen und Beschäftigung in Europa zu halten.
Mit der Inbetriebnahme der Transport- und Speicherinfrastruktur von Greensand sehen die Projektpartner im Ausbau der CO₂-Abscheidung den nächsten Schwerpunkt. Entscheidend seien geeignete regulatorische Rahmenbedingungen, der weitere Infrastrukturaufbau und verlässliche Investitionsbedingungen, damit mehr industrielle Emittenten die dauerhafte Speicherung nutzen können.
Das Projekt verbindet die Aktivitäten von INEOS Energy in den Bereichen Öl, Gas, LNG und emissionsarme Technologien mit der Förder- und CO₂-Speicherexpertise von Harbour Energy. Nordsøfonden bringt seine Rolle bei der Erschließung der unterirdischen Ressourcen Dänemarks und seine Beteiligung an den Lizenzen zur unterirdischen CO₂-Speicherung im Land ein.