Branchennews , 24. Sep 2026
Wasserstoffbasierte Flugkraftstoffe: Uniper und Arcadia vereinbaren langfristige Abnahme
Uniper wird über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren jährlich 40.000 Tonnen synthetischen nachhaltigen Flugkraftstoff (eSAF) aus Dänemark beziehen. Die Vereinbarung mit Arcadia eFuels soll den Aufbau industrieller Produktionskapazitäten unterstützen und den europäischen Markt für wasserstoffbasierte Flugkraftstoffe voranbringen.
Uniper und Arcadia eFuels haben eine langfristige Abnahmevereinbarung für eSAF aus dem geplanten Projekt Endor im dänischen Vordingborg unterzeichnet. Nach Unternehmensangaben zählt sie zu den bislang größten angekündigten eSAF-Abnahmevereinbarungen Europas. Der Lieferbeginn ist nach aktuellem Planungsstand für Anfang der 2030er-Jahre vorgesehen. Die Vereinbarung ist rechtlich bindend; der Beginn der Lieferungen hängt jedoch von der Erfüllung vereinbarter Voraussetzungen und der Inbetriebnahme der Anlage ab.
Das jährliche Abnahmevolumen von 40.000 Tonnen entspricht nach Angaben der Unternehmen dem Treibstoffbedarf von rund 1.000 Flügen einer Boeing 787-9 zwischen Düsseldorf und Abu Dhabi. Die Vereinbarung verbindet damit langfristige Nachfrage mit dem Aufbau neuer Produktionskapazitäten – eine wesentliche Voraussetzung für den Markthochlauf nachhaltiger Flugkraftstoffe.
Grüner Wasserstoff als Grundlage für eSAF
Arcadia eFuels entwickelt und produziert synthetische nachhaltige Flugkraftstoffe auf Basis der Power-to-Liquid-Technologie. Für das eSAF aus dem Projekt Endor sollen erneuerbarer Strom, selbst erzeugter grüner Wasserstoff und abgeschiedenes CO₂ zum Einsatz kommen. Nach Unternehmensangaben lassen sich damit die Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus gegenüber konventionellem Flugkraftstoff um bis zu 98 Prozent reduzieren.
Der Kraftstoff ist darauf ausgelegt, die europäischen Anforderungen an nachhaltige Flugkraftstoffe zu erfüllen, darunter die Vorgaben der EU-Verordnung ReFuelEU Aviation. Uniper sichert sich mit der Vereinbarung den Zugang zu eSAF, das den Anforderungen an erneuerbare Kraftstoffe nicht biogenen Ursprungs (RFNBO) entsprechen soll.
Für die Luftfahrt sind solche Kraftstoffe von besonderer Bedeutung: Flüssige Energieträger werden dort noch über viele Jahre benötigt, während das Angebot nachhaltiger Alternativen bislang knapp ist. Gerade im Langstreckenverkehr gelten nachhaltige Flugkraftstoffe als einer der wenigen skalierbaren Ansätze zur Emissionsminderung. Entsprechend kommt es darauf an, Projekte in die industrielle Produktion zu überführen.
„Diese Vereinbarung bringt langfristige Nachfrage und neues Angebot zusammen und schafft die Voraussetzungen für einen wettbewerbsfähigen europäischen eSAF-Markt“, erklärt Uniper-CEO Michael Lewis. Für Uniper erweitert die Vereinbarung zugleich das Portfolio CO₂-armer Energieprodukte und stärkt die Position in einem europäischen Markt mit erheblichem Wachstumspotenzial.
Langfristige Abnahme schafft Planungssicherheit
Für Arcadia eFuels ist der Vertrag ein kommerzieller Meilenstein auf dem Weg zur Realisierung des Projekts Endor. Die langfristig gesicherte Abnahme soll Finanzierungsrisiken reduzieren und Planungssicherheit für Bau und Inbetriebnahme schaffen.
Arcadia-CEO Amy Hebert betont: „Die langfristige Abnahmevereinbarung mit einem erfahrenen Energiepartner wie Uniper bestätigt die Tragfähigkeit unseres Konzepts, reduziert Finanzierungsrisiken und beschleunigt unseren Weg hin zur Produktion im industriellen Maßstab.“ Das Projekt soll damit zum Ausbau der europäischen eSAF-Produktion und zu einer diversifizierten Kraftstoffversorgung der Luftfahrt beitragen.
Unterzeichnet wurde die Vereinbarung in Düsseldorf im Beisein von Mona Neubaur, Wirtschafts- und Klimaschutzministerin sowie stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, und Anette Galskjøt, Generalkonsulin des Königreichs Dänemark in Hamburg. Der grenzüberschreitenden Partnerschaft kommt auch eine europäische Bedeutung zu: Sie verbindet den Aufbau neuer Produktionskapazitäten in Dänemark mit der Nachfrage eines in Deutschland ansässigen Energieunternehmens und soll damit die Energiewende, die Wettbewerbsfähigkeit und die Resilienz der europäischen Energieversorgung unterstützen.