Branchennews , 21. Sep 2026

Wasserstoffzug für Schmalspurbahnen in Italien vorgestellt

Bild: STADLER
Bild: STADLER

Stadler und der süditalienische Bahnbetreiber Trasporti Regionali della Sardegna (ARST) haben in Erlen den weltweit ersten Wasserstoffzug für Schmalspurstrecken enthüllt. Verglichen mit Dieselfahrzeugen sparen die zehn neuen Züge auf der ARST-Linie jährlich über 2.100 Tonnen CO2 ein. Neben Sardinien stellen auch Sizilien und Kalabrien mit Stadler-Zügen auf einen klimafreundlichen Betrieb um.

Die neuen Fahrzeuge werden voraussichtlich ab 2028 auf der Schmalspurstrecke von ARST verkehren. Sie verbinden ab dann den Alghero Flughafen mit dem Vorort Mamuntanas und die nordöstliche Provinz Sassari mit Alghero und mit der Küstenstadt Sorso.

"Mit der Inbetriebnahme des ersten Wasserstoffzuges für Schmalspurbahnen erweist sich Sardinien als Vorreiter technologischer Innovation im Verkehrsbereich. Es handelt sich nämlich um den ersten Zug dieser Art, der speziell für einen Kontext wie unseren konzipiert wurde. Mit dem Ziel, eine Einschränkung in eine grosß Chance zu verwandeln. Die Wasserstoffzüge, die auf der ARST-Linie eingesetzt werden, sind ein vorbildliches Beispiel für die Umwelt, die lokale Wirtschaft und den Aufbau wichtiger Kompetenzen in unserer Region", erklärt Barbara Manca, Verkehrsministerin der Region Sardinien.

"Die Präsentation dieses Zuges zeigt, dass ARST in der Lage ist, sich auf internationaler Ebene als Vorreiter zu positionieren. Wir sind sehr stolz darauf, den weltweit ersten Schmalspur-Wasserstoffzug auf unseren Strecken einzusetzen. Dies ist ein historischer technologischer Qualitätssprung für unsere Flotte – ein Meilenstein, der durch die uneingeschränkte Übereinstimmung der Ziele und die entscheidende Unterstützung der Region Sardinien ermöglicht wurde. Wir verändern unsere Art des öffentlichen Nahverkehrs grundlegend und machen ARST zu einem Vorbild für Innovation und Zuverlässigkeit", sagt Giovanni Mocci, Sole Director von ARST.

"Mit dieser Neuentwicklung zeigen wir, wie Innovation und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen. Der Zug setzt neue Standards im regionalen Schienenverkehr Italiens und unterstreicht das Engagement von Stadler und der Region Sardinien, die Mobilität klimafreundlicher zu gestalten", sagt Maurizio Oberti, Verkaufsleiter für den italienischen Markt bei Stadler. «Wir danken der ARST für das entgegengebrachte Vertrauen und die hervorragende Zusammenarbeit im Rahmen des Projekts."

Über 2.100 Tonnen CO2 eingespart

Mit den zehn von ARST bestellten Wasserstoffzügen werden im Vergleich zu Dieselfahrzeugen jährlich bis zu 2’100 Tonnen CO2 eingespart. Dies entspricht etwa 450 Weltumrundungen mit dem Auto. Damit schlagen Stadler und ARST ein neues Kapitel für eine nachhaltige und klimafreundliche Mobilität im regionalen Schienenverkehr Sardiniens auf.

«Stadler ist der weltweit einzige Zughersteller, der Wasserstoffzüge für Schmalspurstrecken fertigt. Gemeinsam mit ARST haben wir eine einzigartige Lösung auf die Schiene gebracht, die einen konkreten Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrs leistet. », sagt Ansgar Brockmeyer, Divisionsleiter Marketing & Sales und stellvertretender Group CEO von Stadler.

Wasserstoff aus 100 Prozent erneuerbarer Energie

Das Kernstück der neuen Fahrzeuge ist das innovative Antriebssystem mit Wasserstoff-Brennstoffzellen. Dieses ist im Mittelwagen (Power Pack) integriert und funktioniert wie ein Ladegerät. Das Modul wandelt Wasserstoff in Energie um und lädt anschliessend die Batterien auf. Dank dieses Antriebssystems können die Züge effizient auf nicht-elektrifizierten Strecken fahren. Das System stellt somit eine weitere konkrete Antwort auf die Herausforderungen der ökologischen Wende dar und bietet gleichzeitig Zuverlässigkeit und Betriebskontinuität.

Besonders innovativ ist die Wasserstofferzeugung: Die dafür benötigte Energie wird zu 100 Prozent aus Sonnenenergie gewonnen. Die Züge werden somit mit nachhaltigem Wasserstoff betankt. Die Wasserstoffanlagen befinden sich derzeit im Bau. So entsteht ein vollständig emissionsfreies System für die Schmalspurstrecken – von der Energieerzeugung bis zum Bahnbetrieb.

"Die mit Stadler entwickelten Fahrzeuge sind ein zentraler Bestandteil der Strategie zur Dekarbonisierung des Schmalspurnetzes. Für ARST ist dies der erste Schritt auf dem Weg von einem Verkehrsunternehmen zu einem Energieunternehmen, das in der Lage ist, sein eigenes Dienstleistungsnetz mit Energie zu versorgen. Wie bereits die aktiven Baustellen in Mandas, Alghero und Macomer zeigen, verbinden wir die technologische Innovation der Fahrzeuge mit der eigenständigen Erzeugung sauberer Energie. In enger Zusammenarbeit mit den regionalen Institutionen verwirklicht ARST ein Modell für nachhaltige und vollständig autarke öffentliche Mobilität", erklärt Carlo Poledrini, Zentraldirektor von ARST.

Maßgeschneidert für die Schmalspurbahn

Schmalspurbahnen in Italien erlauben aufgrund der Bauweise der Schieneninfrastruktur nur geringe Achslasten. Die neuen Fahrzeuge wurden aus diesem Grund als Leichtbauzüge konzipiert und können die Anforderungen der Strecke vollumfänglich erfüllen.

Fahrgäste profitieren von einer komfortablen, hellen Innenausstattung sowie grosszügigen Panoramafenstern. Im Vergleich zu Dieselzügen fahren die Wasserstoffzüge leise, was den Fahrkomfort weiter steigert. Dank des niederflurigen Einstiegs ist zudem ein bequemes Ein- und Aussteigen für alle Fahrgäste möglich – auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Für die Lokführerinnen und Lokführer stehen eine eigene Einstiegstür sowie eine Klimaanlage zur Verfügung.

Vor ihrer Inbetriebnahme werden die neuen Züge strengen Tests unterzogen – vorgesehen von den Richtlinien der italienischen Agentur für die Sicherheit von Eisenbahnen, Straßen und Autobahnen (ANSFISA).

Drei Regionen Italiens setzen auf nachhaltigen Bahnbetrieb

Der Rahmenvertrag für die Wasserstoffzüge der ARST umfasst insgesamt zehn Fahrzeuge, die künftig im Regional- sowie Nahverkehr auf Sardinien eingesetzt werden.

Das Projekt ist Teil einer vom italienischen Staat und dem Verkehrsministerium initiierten Initiative zur Dekarbonisierung des regionalen Bahnverkehrs in Süditalien. Ziel ist es, Wasserstofftechnologie erstmals gezielt auf Schmalspurstrecken einzusetzen und damit den Weg für eine neue Generation nachhaltiger Regionalzüge zu ebnen.

So stellen neben ARST zwei weitere italienische Bahnbetreiber auf einen nachhaltigen Bahnbetrieb mit Wasserstoffzügen um. Aktuell baut Stadler zwei Wasserstoffzüge für die sizilianische Ferrovia Circumetnea (FCE) und neun für die kalabrische Ferrovie della Calabria (FdC). Diese Züge werden ebenfalls im Regional- und Nahverkehr eingesetzt. Die Fahrzeuge für alle drei Regionen werden am Stadler Hauptsitz in Bussnang (TG) gebaut.

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